Schwerpunkte

Erster industrieller Quantensensor

Trumpf und Sick kooperieren

09. November 2020, 14:45 Uhr   |  Nicole Wörner

Trumpf und Sick kooperieren
© Trumpf

Die ersten Funktionstests des neuen Quantensensors von Q.ANT und SICK waren erfolgreich.

Die Trumpf-Tochtergesellschaft Q.ANT und der Sensorik-Spezialist Sick arbeiten gemeinsam an der Entwicklung quantenoptischer Sensoren. Erste Sensoren sollen ab 2021 im industriellen Einsatz sein.

Der Industriesensorik-Experte Sick übernimmt die Anwendungsentwicklung und den Vertrieb des Produkts. Die Trumpf-Tochter Q.ANT übernimmt als Spezialist für Quantentechnologie die Fertigung der Messtechnik und damit das technologische Herzstück des Sensors. Das Start-Up beschäftigt rund 15 Mitarbeiter und macht Quantentechnologie mithilfe neuer photonischer Technologien alltagstauglich.

»Die Quantentechnologie ist für die deutsche und die europäische Industrie eine riesige Chance«, sagt Peter Leibinger, Chief Technology Officer bei Trumpf. »Diese Partnerschaft zweier Hochtechnologieunternehmen überführt sie nun erstmals in ein serienfähiges Produkt. Der Quantensensor ermöglicht hochpräzise Messungen und Erkenntnisse, die zu völlig neuen Anwendungen in der Industrie führen.« 

Hochpräzise Messungen kleinster Partikel

Quantensensoren ermöglichen Messungen in einer Genauigkeit, die technisch bislang nicht möglich war. Entsprechend kamen sie bislang vor allem in der Forschung zum Einsatz. Q.ANT und Sick konnten nun erstmals Funktionstests einer Anwendung für die Industrie erfolgreich abschließen.

Quantensensoren erlauben mit Hilfe von Laserlicht hocheffiziente Messungen, die mit herkömmlichen Verfahren nicht möglich sind. »Die Quantentechnologie ermöglicht beispielsweise die ultraschnelle Messung der Bewegung und Größenverteilung von Partikeln«, sagt Michael Förtsch, CEO von Q.ANT. »Mit der Industrialisierung dieser Sensoren gehen nicht nur wir, sondern auch der Hightech-Standort Deutschland einen großen Schritt in Richtung Kommerzialisierung von Quantentechnologie.«

»Quantentechnologie ist die nächste Stufe für die Sensorik, denn sie verschiebt bisher fest verankerte technische Grenzen«, sagt Niels Syassen, Senior Vice President R&D bei Sick und dort für das Projekt verantwortlich. »Wo bislang keine guten Signale mehr messbar waren, lassen sich im Signalrauschen mittels Quanteneffekten sogar Details wahrnehmbar machen. Damit lassen sich Partikel messen, die rund zweihundert Mal kleiner sind als ein menschliches Haar.« Zunächst sollen die Quantensensoren zur Analyse von Inhaltsstoffen der Luft zum Einsatz kommen.

Steigendes Marktvolumen durch Industrialisierung

Quantensensoren könnten künftig in verschiedenen Branchen zum Alltag gehören: Beispielsweise könnten sich im Tiefbau vor Baubeginn unterirdische Strukturen abbilden lassen; in der Pharmaindustrie könnte sich die beste Zusammensetzung von Tablettenpulver einfacher bestimmen lassen; in der Elektronik könnten Schaltkreise durch Oberflächen hindurch inspiziert und in der Industrie hochpräzise Messungen vorgenommen werden. 

Mit der Industrialisierung dürfte der Markt für Quantensensorik beständig wachsen. Experten der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften Acatech schätzen das Marktvolumen von industriellen Quantensensoren weltweit auf rund 1,1 Milliarden Euro bis im Jahr 2023.

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