Immer kürzere Designzyklen, komplexere Systeme und dabei gleichzeitig ein schier undurchschaubares Normengeflecht: Im Gespräch mit Jeannette Meyer, Vice President beim Veranstalter Mesago Messe Frankfurt, zeigt sich, wie die EMV 2026 darauf reagiert.
Markt&Technik: Die EMV 2026 findet in einem technologisch und wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld statt. Mit welchem Anspruch gehen Sie in die diesjährige Messe?
Jeannette Meyer: Die EMV soll auch in diesem Jahr wieder zur zentralen europäischen Anlaufstelle für alle werden, die sich mit elektromagnetischer Verträglichkeit beschäftigen – vom Serienentwickler über den Prüfingenieur bis hin zu Forschenden aus Hochschulen und Instituten. Unser Anspruch ist es, die Expo noch stärker an der Realität heutiger Entwicklungsarbeit auszurichten: schnellere Zyklen, komplexere Systeme und strengere Normen. Genau deshalb setzen wir auf kompakte Wissensvermittlung, praxisnahe Formate und greifbare Beispiele – etwa Live-Demonstrationen oder Workshops, die typische Störquellen systematisch durchgehen. Ein besonderer Mehrwert entsteht durch den direkten Austausch zwischen Industrie und Forschung: Alle relevanten Akteure sind vor Ort, um neueste Erkenntnisse zu diskutieren, gemeinsam Lösungen weiterzuentwickeln und voneinander zu lernen. Alle Teilnehmenden sollen mit neuen Einsichten und konkreten Ansätzen heimgehen, die sie am nächsten Tag unmittelbar im Projekt einsetzen können. Das ist unser Anspruch.
Wenn Sie auf die vergangenen Jahre zurückblicken: Wie hat sich die EMV inhaltlich verändert – und wo sehen Sie heute ihren klaren Kern?
Die EMV ist breiter geworden – zwangsläufig. EMV-Themen sind heute in Leistungselektronik, Robotik, Industrieautomation, vernetzten Systemen oder Automotive so tief verankert, dass reine Spezialdisziplinen kaum noch existieren. Trotzdem ist der Kern gleich geblieben: fundierte EMV-Kompetenz – von Mess- und Prüftechnik über Filter- und Schirmkonzepte bis hin zu modernem Design für Störfestigkeit. Neu ist vor allem der stärkere Systemblick: Nicht mehr „Komponente A stört“, sondern: Wie interagiert das Gesamtsystem unter realen Bedingungen?
Welche technologischen Schwerpunkte prägen die EMV in diesem Jahr besonders? Gibt es Themen, die an Bedeutung gewonnen haben?
Die EMV 2026 wird klar von drei technologischen Schwerpunkten geprägt. Erstens rückt die Mess- und Prüftechnik noch stärker ins Zentrum: vom Spektrumanalysator über HF-Leistungsverstärker bis hin zu modularen Störfestigkeitsplattformen, zunehmend ergänzt durch Setups, die reale Betriebsumgebungen simulieren. Zweitens gewinnen Schirmungs-, Material- und Filterlösungen an Bedeutung – vom klassischen Ferrit bis zu leitfähigen Textilien, die in modernen Gehäusekonzepten eingesetzt werden. Drittens zeigt sich ein deutlicher Trend zu Live-Demonstrationen, der unter anderem in der neuen „Experiments & Live Demonstrations Session“ sichtbar wird. Ergänzend rücken übergeordnete Themen wie der AI Act und seine Auswirkungen auf EMV-Verantwortung und -Compliance stärker in den Fokus, sowohl in Keynotes als auch in den Kongress-Sessions.
EMV ist längst kein reines Spezialthema mehr. Wo begegnet uns im Messeprogramm die zunehmende Verzahnung mit anderen Disziplinen wie Leistungselektronik, Automatisierung oder Systemdesign?
Sie zeigt sich deutlich im gesamten Messeprogramm. Insbesondere das Kongress- und Workshopangebot greift EMV-Fragen in Bereichen wie Leistungselektronik, elektrischen Antrieben, E-Mobilität und Industrieautomation auf und beleuchtet dabei Mess- und Designmethoden entlang des gesamten Entwicklungszyklus – von frühen Entwicklungsphasen bis zur finalen Validierung. Ergänzend dazu präsentiert das Messeforum praxisnahe Kurzvorträge von Ausstellern und Experten, die konkrete Anwendungen an den Schnittstellen zwischen EMV, Power Electronics, Automatisierung und Systemintegration vorstellen. Auf der Expo wird schließlich die interdisziplinäre Entwicklung durch eine breite Ausstellerlandschaft sichtbar, die die komplette Wertschöpfungskette von Bauteilen und Materialien über Geräte und Subsysteme bis hin zu Prüf- und Zertifizierungsdienstleistungen abbildet – von Filterherstellern über Mess- und Prüftechnikanbieter bis hin zu akkreditierten Zertifizierern.
Viele Entwickler stehen unter hohem Zeit- und Kostendruck. Was können sie konkret von einem Besuch der EMV mitnehmen, das über Produktneuheiten hinausgeht?
Gerade für diese Besucher bietet die EMV weit mehr als einen Überblick über neue Produkte. Workshops und Live-Demos vermitteln praxisnahe Best Practices – von übertragbaren Test-Setups bis hin zu konkreten Troubleshooting-Tipps und Design-Regeln, die sich sofort im Projekt anwenden lassen. Gleichzeitig erhalten alle Besucher eine verdichtete Orientierung in der aktuellen Normenlandschaft, ergänzt durch direkte Gespräche mit Prüf- und Zertifizierungsexperten. Die laufend aktualisierte Ausstellersuche ermöglicht zudem ein besonders effizientes Sourcing, weil Termine mit relevanten Anbietern schon im Vorfeld geplant werden können. Nicht zuletzt bietet die Messe wertvolles Peer Learning: Der Austausch mit Fachleuten aus Leistungselektronik, Automatisierung und HF-Technik hilft, typische Umwege zu vermeiden und Entwicklungsprozesse spürbar zu beschleunigen.
Ein zentrales Element der EMV ist traditionell das Fachprogramm. Worauf haben Sie bei der Auswahl der Vorträge und Referenten besonderen Wert gelegt?
Anwendungsnähe, Aktualität und evidenzbasierte Inhalte waren uns wichtig – kombiniert mit einer hohen didaktischen Qualität der Vorträge. Das Programm wurde gemeinsam mit unserem EMV-Komitee erarbeitet, in dem 38 ausgewiesene Fachexperten vertreten sind. Ziel war es, neueste wissenschaftliche Erkenntnisse konsequent mit konkretem Nutzen für die industrielle Praxis zu verbinden. Neu im Jahr 2026 sind unter anderem die „Experiments & Live Demonstrations Session“, die praxisnahe Versuchsanordnungen in den Mittelpunkt stellt, sowie eine Keynote zur EU-KI-Verordnung, die deren Auswirkungen auf die EMV-Entwicklung und Compliance beleuchtet.
Wie reagieren Aussteller und Referenten auf die wachsende Komplexität von Normen und Regularien im EMV-Umfeld – und wie bildet die Messe das ab?
Sowohl die Aussteller als auch die Referenten adressieren dies mit zunehmend integrierten Lösungsansätzen. Dazu zählen automatisierte Testabläufe, modulare Störfestigkeits-Setups oder effiziente Pre-Compliance-Methoden, die sowohl in Produktpräsentationen als auch in Live-Demos und am Messestand sichtbar werden. Gleichzeitig gewinnt die fachliche Beratung an Bedeutung: Prüf- und Zertifizierungsorganisationen wie TÜV Süd oder VDE sind mit eigenen Expertenteams vertreten und bieten interpretationssichere Einblicke in Normen, Prüfstrategien und Zulassungsprozesse. Diese Entwicklungen werden im Kongress- und Forenprogramm kontinuierlich aufgegriffen und eingeordnet, sodass die Besucher einen klaren Überblick darüber erhalten, wie sich technische Lösungen und regulatorische Anforderungen heute verzahnen.
Die EMV lebt vom persönlichen Austausch. Welche Formate oder Neuerungen fördern in diesem Jahr besonders den Dialog zwischen Entwicklern, Prüfern und Anbietern?
Natürlich steht der persönliche Austausch auch 2026 im Mittelpunkt der EMV. Besonders dialogfördernd wirken die neue Diskussionsrunde zum „Management der elektromagnetischen Verträglichkeit“, die das Spannungsfeld zwischen Kostenoptimierung und Risikomanagement praxisnah beleuchtet, sowie die neue „Experiments & Live Demonstrations Session“, in der die Besucher unmittelbar in Mess- und Test-Setups eintauchen und direkt mit den Experten ins Gespräch kommen können. Kurze, fokussierte Slots im Messeforum erleichtern ebenfalls den direkten Austausch. Zudem trägt die digitale Plattform der EMV – Hub for Electromagnetic Compatibility dazu bei, die Community ganzjährig zu vernetzen: Sie bündelt Expertise, ordnet Trends ein und ergänzt die EMV Expo & Conference um kontinuierliche Fachinhalte und unterjährige Events.
Abschließend: Wem empfehlen Sie einen Besuch – und warum gerade jetzt?
Ein Besuch der EMV empfiehlt sich allen, die in Entwicklung, Test, Systemarchitektur oder Projektleitung tätig sind – ob in Leistungselektronik, Automotive-Industrie, Industrieautomation, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt oder im IoT- und Funkumfeld. Überall dort bestimmt EMV heute maßgeblich die Time to Market, Sicherheit und Zulassungsfähigkeit moderner Systeme. Gerade jetzt lohnt sich der Besuch besonders: Die regulatorischen Anforderungen ziehen spürbar an, die Systemarchitektur wird komplexer und ein effizienter Design Flow aus Simulation, Messung und Normenverständnis wird zum entscheidenden Hebel für Termine, Kosten und Produktqualität. Die EMV 2026 bündelt diese Anforderungen in einer kompakten Kombination aus Expo, Kongress, Workshops und Foren – mit aktuellen Inhalten, Live-Demonstrationen und führenden Anbietern an einem Ort: vom 24. bis 26. März 2026 in Köln.
Die Fragen stellte Nicole Wörner.