Sensorik und Messtechnik im Jahr 2020 »Unsere Branche bleibt innovativ und innovationsfördernd«

Dr. C. Thomas Simmons, AMA: »Unsere Mitglieder rechnen eher mit einem Umsatzminus, das sich aus der Absatzschwäche unserer drei wichtigsten Abnehmerbranchen Automobil, Maschinenbau und Elektrotechnik ergibt.«

Sensorik und Messtechnik gilt als grundlegend für nahezu jede technologische Innovation. Welche Trends diese Branche im Jahr 2020 setzen wird und welche wirtschaftlichen Aussichten sich daraus ergeben, beschreibt Dr. C. Thomas Simmons, GF des AMA Verband für Sensorik und Messtechnik e.V.

Die großen Themen unserer Branche bleiben auch im Jahr 2020 die Digitalisierung und das Internet of Things. Schätzungen zufolge werden im IoT in den kommenden Jahren voraussichtlich 20 Milliarden Geräte miteinander kommunizieren. Dadurch werden Unmengen an Daten entstehen, die dank selbstlernender Algorithmen in sogenannte Smart Data umgeformt werden und damit relevante Informationen zu Energieverbrauch, Anlageentscheidungen und die Erkennung von Hackerangriffen liefern.

Gefragt ist die intelligente Verknüpfung von verschiedenen Sensordaten mit anderen Informationen – ob die Lokalisierung durch GPS oder WLAN oder modellbasiertes Wissen über den Prozess, sodass Sensoren mittels intelligenter Algorithmen schon im Feld entscheiden können, welche Ereignisse gemeldet werden müssen. Gleichzeitig wird auch die intelligente Verknüpfung von verschiedenen Sensordaten untereinander immer wichtiger.

Zudem vereinfachen smarte Sensoren trotz ihrer Komplexität häufig den Einsatz durch sogenannte „Plug and Play“-Anwendungen. Je mehr „Intelligenz“ in den Sensor in Form anspruchsvoller Signalverarbeitungsalgorithmen integriert wird, desto mehr Möglichkeiten der Selbstüberwachung und Rekonfiguration ergeben sich. Damit ermöglichen Dienstleistungen wie Predictive Maintenance und Maschinenüberwachung erweiterte Geschäftsfelder für die Sensorik und Messtechnik.

Wir beobachten in unserer Branche zwei Hauptströmungen: auf der einen Seite die explosionsartig wachsende Zahl von Sensoren für Massenmärkte wie Smartphones, Tablets und Kameras. Diese zeichnen sich meist durch miniaturisierte Abmessung und kostengünstige Herstellung in Großserien aus. Auf der anderen Seite entwickeln sich anspruchsvolle Sensorsysteme für die industriellen Anwendungsgebiete wie Automatisierung, Automotive oder Medizintechnik. Diese Sensorsysteme kennzeichnen sich durch hohe Anforderungen an Genauigkeit und Arbeitsfrequenzbereich. Sie müssen besonders robust sein und verlässlich Messdaten liefern, werden in Kleinserien gefertigt, wodurch deutlich höhere Kosten entstehen. Aktuell beobachten wir zudem einen Trend zum Retrofitting: Bestehende Industrieanlagen werden mit neuer Technik – insbesondere mit Sensoren – umgerüstet und zukunftsfit gemacht. Zeitgleich halten Virtual Reality und künstliche Intelligenz Einzug in die intelligente Fabrik.

Betrachtet man die wirtschaftliche Entwicklung der Branche in den letzten Jahren, dann konnten unsere Mitglieder ein durchschnittliches Umsatzwachstum von jährlich gut sechs Prozent erwirtschaften. Im Jahr 2019 ergaben sich allerdings Schwankungen, bei denen man meinen könnte, dass es sich um saisonale oder statistische Schwankungen handelt. Während der Haushaltskonsum und die Staatsausgaben zulegten, gerieten stark exportabhängige Industriezweige durch weltwirtschaftliche Veränderungen in eine wirtschaftliche Schieflage.

Bisher galten gerade die Automobil- und Maschinenbauer als Garanten für eine wachsende Wirtschaft. Jetzt sorgt ein Rückgang insbesondere in der Automobilwirtschaft für eine sich eintrübende Aussicht in den Zulieferindustrien, zu denen auch die Sensorik und Messtechnik zählt. Auf zwei leicht sinkende Quartalsumsätze folgten zwei ähnlich leicht steigende. Unsere Mitglieder rechnen eher mit einem Umsatzminus, das sich aus der Absatzschwäche unserer drei wichtigsten Abnehmerbranchen Automobil, Maschinenbau und Elektrotechnik ergibt.
Insgesamt aber bleiben Sensorik und Messtechnik innovativ und wirken innovationsfördernd auf die Digitalisierung, auf die künstliche Intelligenz und auf das Internet der Dinge.«