Abwärtstrend am Arbeitsmarkt Sind jetzt auch Ingenieure betroffen?

Roboter sind keine Jobkiller, aber die Lohnquote sinkt.

Welche Auswirkung hat die konjunkturelle Abkühlung auf den Arbeitsmarkt für Elektroingenieure und den Fachkräftemangel in Deutschland? Kurz zusammengefasst: Statt »sehr viele offene Stellen für Elektroingenieure« gibt es jetzt nur noch »viele«.

Die Nachfrage ist zwar gesunken, bleibt aber auf hohem Niveau bestehen. Weiterhin sehr gesucht von Unternehmen sind Ingenieure als FAE oder im Vertrieb, für (hardwarenahe) Softwareentwicklung an den Schnittstellen IoT, Elektromobilität, autonomes Fahren, Datenbanken und -analyse, Embedded- und Sicherheitssoftware, Anlagensteuerung oder Automatisierung. Aber nur noch gut jede fünfte Position im Ingenieurwesen ist laut Dekra-Arbeitsmarktreport 2019 für die Spezialisierung Maschinen- und Fahrzeugbau ausgeschrieben, auch der Hays-Fachkräfte-Index im abgelaufenen 2. Quartal registriert weniger Stellen im Maschinenbau, aber vor allem in der Automobilbranche.

Beide Reports zeichnen somit die angespannte Lage nach, in der sich die Automobilindustrie gerade befindet und die Richtung, in die es auch für Ingenieure gehen wird: digital und elektrisch. Softwarespezialisten gewinnen durch die Digitalisierung immer stärker an Bedeutung: So meldet der Bitkom soeben, dass die IT-Branche in diesem Jahr 42.000 zusätzliche neue Stellen schaffen werde.

Dr. Peter Littig, Bildungspolitischer Berater der Geschäftsführung bei der Dekra-Akademie, fasst den Trend zusammen: »Dass Elektroingenieure im Gesamtranking des Dekra-Arbeitsmarktreports zurückgefallen sind, bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass sie weniger häufig benötigt werden als zuvor, sondern dass bei anderen Fachkräften ein noch höherer Bedarf besteht. Es ist davon auszugehen, dass der Arbeitsmarkt gerade für Elektroingenieure auch in Zukunft hervorragend bleiben wird – auch in Anbetracht dessen, dass IT und Elektrotechnik immer stärker zusammenwachsen. Die Tatsache, dass sich auf Stellen für Softwareentwickler häufig auch Kandidaten mit einem Studium der Elektrotechnik bewerben können, spricht für sich. Unsere vertiefende Analyse von 350 Stellenangeboten für Softwareentwickler hat ergeben, dass für drei von zehn Jobs ein Studium der Elektrotechnik (28,9 %) oder ein Ingenieurstudium allgemein (8,9 %) infrage kommen. – Es kamen und kommen also neue Einsatzgebiete für Ingenieure der Elektrotechnik hinzu, während sich bisherige Einsatzgebiete verändern.«

Alles, was mit traditionellem Auto zu tun habe, sei hingegen momentan schwierig, fasst Personalberaterin Renate Schuh-Eder ihre Erfahrung zusammen. Ingenieure hingegen, die in Zukunftstechnologien unterwegs sind, haben weiterhin beste Karten. »Wer etwas kann, braucht sich keine Sorgen zu machen!« Für diese Kandidaten gebe es genügend offene Stellen, »bei denen sich die Firmen wünschen würden, überhaupt mal wieder die eine oder andere Bewerbung zu kriegen«. Ihre Kunden könne sie im Moment in drei Lager teilen: Ein Drittel habe nach wie vor ungeheure Probleme, gute Leute zu finden, etwa im Bereich E-Mobility oder im Bereich Data-Center. Ein weiteres Drittel nutze den aktuellen Abschwung »zum Durchatmen, denn so wäre es auch nicht mehr lange weitergegangen«. Hier werde auch weiter eingestellt, »vielleicht schaut man nun ein wenig genauer hin«. Das letzte Drittel (»überall, wo das Wort Auto drin steckt«), habe hingegen starke Umsatzeinbrüche bis zu 30, 40 Prozent. »Hier steckt auch der ein oder andere Halbleiterhersteller mit drin und ist somit aktuell betroffen«, so Schuh-Eder. »Diese Halbleiterhersteller sind aktuell etwas vorsichtiger mit Einstellungen, der eine oder andere mag sogar einen ‘Freeze’ haben. Wobei: ein wenig geht dann trotzdem, sagt meine Erfahrung, punktuell besetzen sie dann doch. Aber dann geht es oftmals erst über den CEO-Tisch.«