VDMA zu Produktpiraterie

Weniger Maschinenbau-Plagiate - aus China kommen die meisten

31. Mai 2022, 11:01 Uhr | dpa
Elektrische Kühlmittelpumpe CWA 200 von MS Motorservice Deutschland im Original und als Fälschung
Original und Fälschung, der Geschädigte war Rheinmetall Automotive. Der Plagiator wurde in Deutschland erfolgreich wegen Patentverletzung und sklavischer Nachahmung verklagt. Untersuchungen hatten ergeben, dass das Plagiat leistungsschwach und die Elektronik mangelhaft ist. Fällt die Pumpe aus, so überhitzt der Motor und es kann zu schwerwiegenden Folgeschäden kommen.
© Aktion Plagiarius e.V.

Gerade kleinere Firmen werden von Produktpiraterie hart getroffen, sagen Experten. Zumal diese seltener dagegen vorgingen. Dass China bei Fälschungen weit vorne liegt, überrascht kaum. Die folgende Plätze auf der Plagiats-Liste schon eher, wie der VDMA auf der Hannover Messe zeigt.

Im deutschen Maschinenbau ist der Schaden durch Fälschungen über die letzten Jahre laut den verfügbaren Daten gesunken. Auch sind etwas weniger Firmen betroffen - die Dunkelziffer und die nicht gemeldeten Umsatzeinbußen könnten jedoch höher sein.

Die bekannte Gesamtsumme habe von 7,6 Milliarden Euro 2020 auf 6,4 Milliarden Euro abgenommen, berichtete der Branchenverband VDMA am Dienstag auf der Hannover Messe. Die alle zwei Jahre vorgenommene Analyse zeigt zudem, dass der Umfang von Produkt- und Markenpiraterie - 2010 bis 2020 im Schnitt bei über 7 Milliarden Euro - geringer wurde.

Die mit Abstand häufigsten Plagiate führten die befragten Unternehmen weiterhin auf China zurück, das 87 Prozent der Betroffenen nannten. «Das ist wenig überraschend, China ist leider ein treuer Begleiter», sagte Ferdinand Jarisch vom Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit, das die Untersuchung machte. Bemerkenswert sei aber, dass Indien am zweithäufigsten genannt wurde (26 Prozent).

Auf Rang drei folgten demnach Meldungen von Plagiatsfällen heimischen Ursprungs (19 Prozent). Als Ursachen für deutsche Fälschungen von deutschen Maschinen und Anlagen vermutete Jarisch etwa die fehlende Sprachbarriere oder die Möglichkeit relativ leichten Datenklaus: «Daten werden manchmal einfach per USB-Stick transportiert, wenn jemand das Unternehmen wechselt.» Neben Insidern und Wettbewerbern könnten auch Auftraggeber und Zulieferer Quellen von Plagiaten sein. Besonders oft geht es dabei um den «unlauteren Nachbau».

Insgesamt hatten gemäß den Rückmeldungen zuletzt 72 Prozent der teilnehmenden Firmen Probleme mit Plagiaten, bei der Erhebung des vorvergangenen Jahres waren es 74 Prozent. Allerdings ist die Stichprobe mit 68 Unternehmen gering - VDMA-Sicherheitsexperte Steffen Zimmermann führte dies auf mögliche Faktoren wie Scham oder Prioritäten im laufenden Geschäft zurück. Die potenzielle Zahl aller Fälschungsfälle könnte durchaus größer sein. Zudem seien technische Plagiate oft ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Beschäftigte oder die Umwelt, wenn es nicht um reine Design-Fragen oder Markenrechte, sondern um die Bedienung komplizierter oder sensibler Anlagen gehe.

«Gerade kleinere Unternehmen trifft Produktpiraterie relativ hart», sagte Jarisch. Auffällig sei, dass diese seltener dagegen vorgingen, auch weil der Aufwand hoch sein könne. Insgesamt würden hingegen öfter Maßnahmen gegen Fälschungen ergriffen, sagte Zimmermann: In zwei Dritteln der Fälle bleibe die Entdeckung nicht folgenlos, vor zwei Jahren war es gut die Hälfte. In China könne man Plagiateure ebenfalls verklagen - doch der Ausgang sei mitunter offen: «Wenn man einen erwischt hat, gibt es keine Garantie, dass man Recht bekommt.»


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