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Gendern im Job

So beliebt ist das Gendersternchen *

14. Juli 2021, 13:05 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

So beliebt ist das Gendersternchen *
© Knauf/Foto Hornbach

Gerne als Witz geteilt, hat aber nix mit geschlechtsneutraler Sprache zu tun: Füllspachtel für den Innenbereich.

Eine Umfrage von Trendence zeigt: Deutsche Arbeitnehmende sind bezüglich der Gender-Frage gespalten, Unternehmen drohen Imageschäden.

Diverse Witze sind im Netz zur genderneutralen Sprache zu finden. So wie der kürzlich auf Whatsapp kursierende Sack mit Füllspachtel für den Innenbereich, Füllspachtel Innen: "Die gehn mir so was von aufn S... mit ihrem Gender-Blödsinn", stand drunter. Klar ist das zum Schmunzeln, weil Füllspachtel:innen natürlich absurd ist, anders als Student:innen oder ArbeitnehmerInnen. 

Wie viele Anhänger das Binnen-I hat, hat nun die Unternehmensberatung Trendence ermittelt. Sie wollte wissen, wie es die Mehrheit der deutschen Arbeitnehmer mit dem Binnen-I oder dem Binnen-* hält.

Zahlen dazu liefert nun der aktuelle Trendence HR Monitor, einer Dauerumfrage zu Arbeitsweltthemen des Marktforschungsunternehmens Trendence. Demnach liegt der Anteil der Gender-BefürworterInnen in deutschen Belegschaften derzeit bei 45%. Interessant: In Universitäten, an denen seit Jahrzehnten auf geschlechterneutrale Formulierungen geachtet wird, ist dieser Prozentsatz etwas geringer. Hier ist es „nur“ 39% der Studierenden wichtig, dass ihr kommender Arbeitgeber gendert. Ebenso hoch ist der Anteil bei SchülerInnen. 
 
Ein Drittel glaubt an ungleiche Karrierechancen für Frauen bei Gender-Verzicht

Niedriger, aber durchaus relevant, ist der Anteil der Befragten, die negative Rückschlüsse zum Arbeitgeberimage von Unternehmen ziehen, wenn diese auf das Gendern verzichten. Rund ein Drittel der Befragten (34%) unterstellen ihnen zum Beispiel fehlende Chancengleichheit für Männer und Frauen. Bei Studierenden ist der Anteil allerdings deutlich geringer. Hier leiten nur 24% schlechtere Karriereaussichten für Frauen aus dem Verzicht auf geschlechterneutrale Unternehmenssprache ab. In Stellenanzeigen wünschen sich insgesamt 42% der berufserfahrenden Bewerber*innen eine Ansprache mit Sternchen. 
 
„Die Frage, ob Unternehmen oder Organisationen gendern sollen oder nicht, ist zuletzt sogar zum viel diskutierten Wahlkampfthema geworden. Der Stand der Marktforschung dazu ist der, dass das Thema derzeit von gut 40% aller Deutschen befürwortet wird. Das ist zwar noch nicht die Mehrheit, aber dennoch ein hoher Prozentsatz. Für Arbeitgeber gilt es, sich auf diese immer größer werdende Zustimmung frühzeitig einzustellen, indem Richtlinien für die eigene Unternehmenssprache abgewogen und definiert werden. In welche Richtung das geht, muss jedes Unternehmen selbst entscheiden – in jedem Fall hat es Auswirkungen auf die Arbeitgebermarke.“, so Robindro Ullah, Geschäftsführer von Trendence.

Was Bewerber*innen mit nicht-gendernden Unternehmen verbinden wurde im HR Monitor ebenfalls analysiert. So halten sie 38% für konservativ, 29% für unmodern und 25% für unflexibel. 
 
 

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