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Plädoyer für das Miteinander

Rahman Jamal: »Mein neues Buch ist mein persönlichstes«

29. Juli 2021, 09:51 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Rahman Jamal: »Mein neues Buch ist mein persönlichstes«
© Rahman Jamal

Prof. Rahman Jamal, Conscious Technology & Business Thought Leader. »Man spielt eine Rolle, um eine bestimmte Position in der Gesellschaft zu erreichen, samt Titel, Geld, Beförderung oder Anerkennung. Und nimmt dafür faule Kompromisse und Abhängigkeiten in Kauf mit der Gefahr, innerlich immer mehr auszubrennen. Ich rate dazu, sich grundsätzlich die Frage zu stellen, für wen man all das in Wahrheit tut.«

NI ist Geschichte - was macht Rahman Jamal jetzt? Ein Gespräch über Balancen: Freiheit und Freizeit, Purpose und Greenwashing, Visionäre und Zahlenoptimierer, seine neue Arbeit als Mentor und ein sehr persönliches Buch, das im Herbst erscheint.

Markt&Technik: Herr Jamal, wie geht es Ihnen? Was hat sich verändert, seit Sie von NI weg sind?
Rahman Jamal: Ich bin in der glücklichen Lage, nur noch Projekte machen zu können, die mir Spaß machen. So wie das Buch, das ich gerade schreibe und das im Herbst erscheinen wird. Es handelt von meiner eigenen Geschichte als Migrant. Immer wieder erhalte ich auch Angebote aus der Industrie, doch die Wahrscheinlichkeit, dass ich noch einmal in ein klassisches Angestelltenverhältnis gehe, ist sehr gering. Denn dass ich nun nicht mehr von außen bestimmt bin, noch mehr „ständig selbst“ sein kann, mich nicht verbiegen und niemandem Rechenschaft ablegen muss, genieße ich sehr. Mein Alltag ist für mich als unerschütterlichen Idealisten – oder wie ich gerne sage: Optimisten mit Erfahrung – gerade ein ständiger Balanceakt aus ungezählten Möglichkeiten und deren realistischer Prüfung und Einordnung.

Was für ein Luxus. Welche Projekte haben denn nun für Sie Priorität?
Nach wie vor brenne ich für technisch disruptive Themen mit gesellschaftlicher Relevanz wie Industrie 4.0 und IIoT, KI und Ethik und Verantwortung des Ingenieurs. Dazu kamen nun noch Mentoring und Beratungstätigkeiten. Auch humanitär engagiere ich mich, hauptsächlich in der Flüchtlingsarbeit, aber auch kulturell, wie zuletzt mit dem Goethe-Museum und dem Burgtheater in Wien. Es ist jetzt mehr die Haltung zum Leben und auch zur Arbeit, die mich treibt. Wobei ich hier nicht Freiheit mit Freizeit verwechselt wissen möchte.

Und nun noch ein Buch, aber diesmal kein technisches. Was war denn Ihre Intention, es zu schreiben?
Das erwähnte Buch ist mein persönlichstes von allen. Ich wollte weder ein Lehrbuch noch eine soziologische Studie über Migranten in Deutschland schreiben, auch nicht polarisieren oder mit erhobenem Zeigefinger die Welt erklären. Ziel des Buches ist vielmehr, Brücken zu bauen, Menschen unterschiedlicher Couleur zusammenzubringen und zu zeigen, welche Stärke in der Vielfalt liegt. Es soll Mut machen, Hoffnung geben und zu mehr Verständnis führen. Wenn das Buch eine Botschaft hat, dann diese: Wir können uns in jedem Augenblick dafür entscheiden, menschlich und tolerant miteinander umzugehen. Es ist ein Plädoyer für das Miteinander und das Verständnis für das Anderssein. In diesem Buch erzähle ich viele Anekdoten aus meinem Leben, unterteilt nach Themen: Sprache, Migration, Bildung, Verantwortung der Ingenieure, Karriere, Reisen, Berufsleben, Literatur, Religion oder Meditation. Ich bezeichne es als eine einzigartige Chance für mich, etwas zu bewegen und letztlich auch der Gesellschaft etwas zurückzugeben, vor allem meiner Heimatstadt Paderborn. Ich habe ganz bewusst hier einen Verlag für mein Buch gesucht. Und gefunden. 

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1. Rahman Jamal: »Mein neues Buch ist mein persönlichstes«
2. Wie fühlt es sich an, nicht mehr das „Gesicht“ von NI zu sein?
3. Neue Aufgabe als Mentor bei Fraunhofer
4. Purpose - nur ein Hype?

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