Arbeitsmarkt

Personaler finden Bewerber ab 60 Jahren zu alt

1. September 2022, 10:51 Uhr | Corinne Schindlbeck
Ältere
© Jacob Lund/stock.adobe.com

Profitieren Ältere vom herrschenden Mangel an Fachkräften? Offenbar tut sich der Arbeitsmarkt immer noch schwer mit älteren Arbeitnehmern, zeigt eine Befragung im Auftrag der Jobplattform Indeed, bei der Erwerbstätige über 45 Jahren und Personaler befragt wurden.

Deutschland wird immer älter, der Mangel an Arbeitskräften immer größer. Ein höheres Rentenalter wird deshalb von den Wirtschaftsverbänden gefordert. Doch wie steht es überhaupt mit der Akzeptanz von Älteren bei Personalern? 

Grundsätzlich zeige sich, dass viele der befragten Personalerinnen und Personaler mehr oder wenige klare Altersgrenzen für Kandidat:innen im Kopf haben:

Über ein Viertel aller Befragten aus dem Personalbereich (28 Prozent) findet nämlich Bewerber:innen über 60 generell zu alt für ihr Unternehmen. Auch die über 55-Jährigen sind für 20 Prozent bereits zu alt und selbst über 45-jährige haben bei acht Prozent der HR-Abteilungen keine Chance auf eine Einstellung.  

Da passt es ins Bild, dass laut der Umfrage das Empfinden, bei Bewerbungen benachteiligt zu werden, mit dem Alter zunimmt: Während sich bei den Erwerbspersonen über 45 Jahren 15 Prozent sehr häufig aufgrund ihres Alters benachteiligt fühlen (zwölf Prozent gelegentlich, 18 Prozent manchmal), sind es bei über 55-Jährigen sogar 21 Prozent, die sich häufig benachteiligt fühlen  (14 Prozent manchmal, 15 Prozent gelegentlich).

Zu den scheinbaren Altersgrenzen in den Köpfen der Personaler passt, dass 43 Prozent von ihnen angeben, in ihren Stelleninseraten Formulierungen mit “jung” zu verwenden (z.B. “junges Team”): 19 verwenden diesen Begriff nach eigenen Angaben bei allen Jobanzeigen, 24 Prozent immerhin teilweise.

Die Mehrheit der älteren Bewerber fühlt sich durch das Schlagwort “jung” nicht angesprochen

Diese Wortwahl kann nicht nur nach dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG) als diskriminierend gewertet werden, sie hat offenbar tatsächlich einen ausgrenzenden Effekt: 71 Prozent der Befragten über 60 fühlen sich von diesen Jobangeboten nicht angesprochen.

Doch nicht nur die Gruppe von Bewerbern wird ausgegrenzt, die ohnehin bei einem Teil der Personaler nicht auf dem Schirm ist. Auch unter den 45- bis 54-Jährigen fühlt sich bereits deutlich mehr als die Hälfte (60 Prozent) nicht angesprochen, wenn “jung” in einer Stellenanzeige auftaucht. 

Dabei gibt es offenbar grundsätzlich eine Bekenntnis zu Älteren: 53 Prozent der befragten HR-ler geben an, älteren Kandidat:innen wegen des Fachkräftemangels häufiger eine Chance zu geben – bei jüngeren Bewerbern sind es nur 44 Prozent.

Die älteren Erwerbstätigen nehmen diesen Trend durchaus zur Kenntnis: 34 Prozent der Befragten haben den Eindruck, dass sie im Zuge des Arbeitskräftemangels häufiger zu Bewerbungsgesprächen eingeladen werden. Allerdings sprechen nur 14 Prozent der Personaler auch gezielt ältere Kandidaten an – im Gegensatz zu 26 Prozent, die gezielt nach jüngere Bewerbern suchen.  

Zusätzlich zu den gestiegenen Chancen bei Bewerbungen können ältere Kandidatinnen und Kandidaten von umfangreichen Maßnahmen profitieren, die Unternehmen speziell für sie anbieten: Bei fast 90 Prozent der befragten Personaler gibt es Angebote wie Altersteilzeit und die Förderung von Quereinsteigern (je 54 Prozent). Zudem investieren Unternehmen in Fortbildungen (49 Prozent) und Gesundheitsangebote (43 Prozent). Nur elf Prozent der Unternehmen haben überhaupt keine Angebote für ältere Beschäftigte. 
 


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