Fachkräftemangel

Die größten Lücken gibt es in typischen Männer- und Frauenberufen

23. August 2022, 11:06 Uhr | Corinne Schindlbeck
Lupe
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Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass besonders in Berufen mit ungleichen Geschlechterverhältnissen - typische Männer- oder Frauenberufe - viele Fachkräfte fehlen.

Über alle Berufe hinweg fehlen derzeit fast 540.000 Fachkräfte. Besonders groß sind die Lücken in der Sozialarbeit, der Erziehung, der Pflege, der IT und dem Handwerk. Die zehn Berufe, die aktuell am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen sind, lassen sich als typische Männer- oder Frauenberufe beschreiben.

Am größten ist die Personalnot in der Sozialarbeit und -pädagogik mit 20.600 nicht zu besetzenden Stellen. Auch in der Kinderbetreuung konnten über 20.000 Stellen nicht besetzt werden, da es rein rechnerisch kein Fachkräftepotenzial dafür gab. Im Handwerk fehlten im vergangenen Jahr insgesamt 87.000 Fachkräfte, vor allem in der Bauelektrik, in der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie in der Kraftfahrzeugtechnik. 

In fünf der zehn besonders betroffenen Berufe arbeiten hauptsächlich Frauen (Anteil mindestens 76,6 Prozent). In den anderen fünf stark betroffenen Berufsgattungen ist es genau umgekehrt: der Anteil weiblicher Beschäftigter ist besonders niedrig. In der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sind nur 0,4 Prozent der Mitarbeiter Frauen, in der Kraftfahrzeugtechnik sind es 4,5 Prozent.

Das IW rät daher, die Geschlechterklischees bei der Berufswahl abzubauen und möglichst frühzeitig in die berufliche Orientierung zu investieren, um Mädchen und Jungen schon früh für die Arbeit in Engpassberufen zu interessieren. Am geeignet seien Rollenvorbilder.

Darüber hinaus lohne es sich für Unternehmen, in ihren Stellenausschreibungen die unterrepräsentierte Gruppe gezielt anzusprechen, um mehr Bewerbungen zu erhalten. Das Aufbrechen der Stereotype könne dazu beitragen, dass sich junge Menschen stärker an den eigenen Neigungen und Fähigkeiten orientieren und diese mit der Arbeitsmarktnachfrage abgleichen – anstatt mit gesellschaftlichen Erwartungen, so das IW.

Studienautorin Filiz Koneberg: „Unternehmen müssen die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe kennenlernen. Eine gendergerechte Ansprache und eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie helfen dabei, beide Geschlechter anzusprechen.“ Gleichzeitig werde das nicht reichen: "Künftig braucht es mehr qualifizierte internationale Zuwanderung, um den Fachkräftebedarf auch langfristig zu decken".


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