Neue US-Sanktionen gegen China

Starke Auswirkungen – auch auf die USA

21. Oktober 2022, 7:10 Uhr | Heinz Arnold
Auf einen Blick: Die Folgen der verschärften Sanktionen, die die USA gegenüber China verhängt haben.
Auf einen Blick: Die Folgen der verschärften Sanktionen, die die USA gegenüber China verhängt haben.
© IDTechEx

Ein Exodus von Halbleiter-Experten und keine Maschinen für die Fertigung der neusten IC-Generation – das sind die Auswirkungen des verschärften US-Bans auf China.

Dass die USA ihre Exportrestriktionen gegenüber China in der vergangenen Woche verschärft haben, macht Produktion der neusten Logik-IC-Generationen erst einmal unmöglich. Aber auch für die USA wird der verschärfte Bann Folgen haben. 

Zunächst zu China: Selbst ohne Beschränkungen bräuchten die führenden chinesischen Unternehmen wie SMIC nach Einschätzung der Analysten von IDTechEx mindestens sieben Jahre, um zu TSMC und Samsung aufzuschließen. 

Mit der Verschärfung werde die Barriere noch höher: Jetzt muss China alles selbst entwickeln, vom Equipment über den Fertigungsprozess bis zur Software, ein laut IDTechEx fast unmögliches Unterfangen. Die Analysten beobachten, dass China deshalb die Anstrengungen für die Entwicklung von Advanced-Packaging-Prozessen verstärkt vorantreibe, die wiederum die Voraussetzung für Chiplet-Technologien sind. Damit will die Halbeiterindustrie dafür sorgen, dass die Integration auch dann im gewohnten Rahmen weitergeht, wenn das Moore´s Law in seiner reinen Formulierung nicht mehr gilt.  

Doch auch die US-Unternehmen werden die Auswirkungen deutlich zu spüren bekommen. So hat Apple bereits verlauten lassen, dass das Unternehmen die NAND-Flash-ICs von YMTC nicht beziehen werde, die beide seit 2018 gemeinsam entwickeln. Angeblich hätte Apple die NAND-ICs zu einem gegenüber dem Wettbewerb 20 Prozent günstigeren Preis bekommen, weil YMTC vom chinesischen Staat subventioniert werde. 

Wie wird China auf die Verschärfungen reagieren? Da dürfte es interessant sein zu beobachten, ob es dazu Hinweise auf dem KP-Parteitag geben wird, der derzeit in China stattfindet. 

Doch was jetzt bereits zu spüren ist: Amerikanische Staatsbürger, Besitzer von Greencards und Mitarbeiter, die ihren ständigen Aufenthaltsort in den USA haben, verlassen die Unternehmen in China, für die sie bisher gearbeitet haben. Laut IDTechEx betrifft das Firmen wie Yangtze Memory Technologies (YMTC), ChangXin Memory Technologies (CXMT), Shanghai Semiconductor R&D Center Jiading Factory und Hangzhou HFC Semiconductor. Amerikanische Equipment-Hersteller wie Applied Materials, KLA und Lam Research haben ihre Service-Aktivitäten in China bereits eingestellt und ziehen ihre Mitarbeiter aus China ab. 

Doch die neuen Maßnahmen betreffen auch viele chinesische CEOs und Manager von R&D-Organisatoren an der Spitze von führenden chinesischen Halbleiterunternehmen, wie IDTechEx weiter berichtet. Sie besäßen häufig Green Cards oder hätten neben der chinesischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Ein Beispiel dafür sei der Gründer von Advanced Micro-Fabrication Equipment (AMEC), ein führender chinesischer Equipment-Hersteller. Neben dem Gründer seien weitere sechs Mitglieder des Top-Managements chinesische Amerikaner.  Der CEO von Koinsemi, ein Schlüssellieferant von TSMC, besäße eine amerikanische Green Card, ebenso wie der stellvertretende Direktor von Giga Device, eine Design-Unternehmen für Flash-Speicher. 43 amerikanische Mitarbeiter auf CEO-Level seien bei 16 Halbleiterunternehmen tätig, die an der Chinese Stock Exchange notiert sind. Laut der Financial Times seien 200 Personen mit US-Pässen bei chinesischen Halbleiterorganisationen beschäftigt. 

Die USA zwingen mit ihren Regulierungen jetzt die Betroffenen dazu, eine Entscheidung zu treffen: Die zwischen ihrer Nationalität und ihrem Beruf. IDTechEx hält es für wahrscheinlich, dass die chinesische Regierung alles daransetzen wird, die amerikanischen Staatsbürger zum Bleiben zu bewegen. 

Kurzfristig führten die Maßnahmen aber auf jeden Fall zur Abwanderung von Know-how. Das steht im Gegensatz zu den Bemühungen der chinesischen Regierung, gut ausgebildete und talentierte Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuziehen, um insbesondere auf dem Gebiet der Entwicklung der neusten Logik-ICs tätig zu werden, die wiederum die Grundlage für die Sektoren wie KI, Machine Learning, autonomes Fahren und Supercomputer bilden. 

Die Verschärfungen betreffen aber auch die Ausfuhrbestimmungen für Equipment. Maschinen, die zur Fertigung von folgenden Chips geeignet sind, dürfen nicht ohne Lizenz des Department of Commerce's Bureau of Industry and Security (BIS) an chinesische Firmen geliefert werden: 

  • Logik-Chips mit nicht-planaren Transistortypen wie FinFETs und GAAFETs mit Strukturgrößen von 16 nm und darunter
  • DRAMs mit Half Pitch von 18nm oder darunter
  • NAND-Flash-ICs mit 128 und mehr Layern

Das verschärfte Embargo macht es für China viel schwieriger als bisher, die Halbleiterprozesse für die ICs der nächsten Generationen entwickeln zu können. Drei führende Hersteller seien laut IDTechEx am meisten betroffen: SMIC, YMTC, und CXMT. 

SMIC habe die 14-nm-ICs bereits in die Volumenfertigung gebracht, die Prozesse für die Fertigung von 10-nm- und 7-nm-Strukturen seien in der R&D-Phase. Auf dem Gebiet der DRAMs ist CXMT der größte chinesische Hersteller. Die meisten DRAMs stellt CXMT auf dem 19-nm-Knoten her und wolle zu 17 nm übergehen. YMTC produziere bereits 128-Layer-NAND-Flash-ICs in hohen Stückzahlen, 232-Layer-Typen seien angekündigt. 

Jetzt können all die erwähnten chinesischen Hersteller weder Maschinen von amerikanischen Equipment-Herstellern beziehen noch erhalten sie Zugang zu den Services dieser Hersteller. Die Produktion der neusten Logik-IC-Generationen wird dadurch erst einmal unmöglich gemacht. 

Einige US-Equipment-Lieferanten verstehen die Regulierungen so, dass die Maschinen auch dann nicht installiert und gewartet werden dürfen, wenn das Personal dazu nur Chinesen sind – solange die Technologie in den UAS entwickelt wurde. 


 

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

elektroniknet