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Achronix Semiconductor

Auf der Überholspur

Oliver Brecko, Achronix Semiconductor
Oliver Brecko, Achronix Semiconductor: »Der Vorteil von Achronix: Wir sind der einzige unabhängige Hersteller von hochdichten FPGAs und Entwickler können nicht nur unsere FPGAs sondern auch unser eFPGA-IP einsetzen.«
© WEKA Fachmedien, Avnet Silica

Achronix Semiconductor hat mit Oliver Brecko, Senior Manager Central European Sales bei Achronix, einen direkten Ansprechpartner in Deutschland etabliert. Der Zeitpunkt ist günstig: der Markt wird weiter konsolidiert und eFPGA sowie 7-nm-FPGAs mit der größten Bandbreite bringen echte Vorteile.

Markt & Technik: Anfang dieses Jahres gab Achronix bekannt, dass es mithilfe einer so genannten »umgekehrten Fusion« mit ACE Convergence Acquisition an die Börse geht. Was bringt dieser Schritt?

Oliver Brecko: Wir werden das damit verbundene Kapital nutzen, um unsere F&E-Investitionen zu erhöhen und unsere Entwicklungsaktivitäten in unserer Speedster-FPGA-Familie zu beschleunigen. Die Speedster7t-FPGAs können in einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt werden, darunter KI/ML, Netzwerke, Rechenzentren und Beschleunigung von Compute-Anwendungen. Wir wollen das Kapital außerdem für Weiterentwicklungen bei unseren Speedcore eFPGA IPs und bei unserer Tool-Suite nutzen. Mit diesen Investitionen können wir unserer Produkte und Dienstleistungen als einziges eigenständiges und öffentlich gehandeltes Unternehmen mit High-End-FPGAs und eFPGA-IP weiter differenzieren.

Auf der Webseite von Achronix ist noch Speedster7 zu finden, aber nicht mehr Speedster22, warum?

Seit April dieses Jahres sind unsere Speedster7t-FPGAs verfügbar, die auf einer deutlich verbesserten Architektur basieren, weniger Leistung aufnehmen und dank des 7-nm-Prozesses auch höhere Dichten bieten. Dementsprechend fokussieren wir uns bei neuen Designs auf diese Bausteine. Aber natürlich werden die Speedster22i-Komponenten weiterhin an bestehende Kunden liefern, aber sie sollen definitiv nicht in neuen Designs eingesetzt werden. Für neue Designs empfehlen wir Speedster7t.

Xilinx setzt bei Versal auf 7 nm, Intel für seine Agilex-Familie auf 10 nm, Achronix bei Speedster7t auf 7 nm. Starke Konkurrenz, wie positioniert sich Achronix gegenüber den großen Playern?

Aus unserer Sicht gibt es zwei entscheidende Unterschiede zwischen Achronix und Intel bzw. Xilinx:

Erstens: Achronix ist der einzige Anbieter von hochdichten FPGAs, der sowohl ICs als auch eFPGA-IP-Cores anbietet. Und in Hinblick auf eFPGA liefern wir optimierte Cores, denn wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen, um die benötigten FPGA-Ressourcen genau zu identifizieren und dann einen kundenspezifischen IP-Block für die Integration in das ASIC oder SoC bereitzustellen.

Zweitens: Die Speedster7t-FPGAs zeichnen sich im Markt durch die höchste Bandbreite aus.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen Speedster7t und den anderen FPGAs besteht in unserem zweidimensionalen Network on Chip, kurz 2D NoC. Diese neu entwickelte Hochgeschwindigkeitsstruktur ist das Fundament der Speedster7t-FPGA-Familie, die alle I/Os, Speicher, Funktionsblöcke innerhalb des FPGAs und die FPGA-Fabric miteinander verbindet, ohne dass dafür LUTs oder interne Speicherressourcen des FPGAs benötigt werden. Mit einer bidirektionalen Bandbreite von mehr als 20 Tbit/s ist das 2D NoC weit überdimensioniert, um die Hochgeschwindigkeits-I/Os, Speicher und Funktionsblöcke zu unterstützen.

Bislang hat nur Xilinx ein NoC auf dem Chip, aber seine angegebene bidirektionale Bandbreite ist um den Faktor 10 kleiner als bei uns. Und das NoC von Xilinx ist mit der Peripherie der so genannten Versal-SLRs (Anm. der Red.: SLR: Super Logic Region) verbunden, während unser 2D-NoC direkt mit der Logik-Fabric verbunden ist. Intel wiederum hat überhaupt kein NoC, so dass alle Daten über die Fabric innerhalb des FPGAs geroutet werden müssen. Das 2D-NoC erhöht nicht nur die Performance, sondern hilft auch, die Designzeit zu verkürzen, da keine Zeit für die Auflösung von internen Datenstaus aufgewendet werden muss, wie es bei traditionellen FPGA-Architekturen der Fall ist.

Darüber hinaus zeichnen sich die Speedster7t-FPGAs mit 400 BgE, PCIe Gen5, GDDr6 und DDR4 und DDR5 durch die schnellsten I/Os aus. Und die Bausteine sind mit optimierten MLPs (Anm. der Red.: MLP: Maschinenlern-Prozessor) ausgestattet. Jeder MLP ist ein hochgradig konfigurierbarer Funktionsblock für rechenintensive Aufgaben. Er ist mit bis zu 32 Multiplizierer ausgestattet, die Integer-Formate von 4 bis 24 bit unterstützen, aber auch über diverse Gleitkomma-Formate, einschließlich dem bfloat16-Format von Tensowflow und dem BFP-Format (Anm. der Red.: BFP: Block Floating Point).

Im FPGA-Markt findet eine starke Konsolidierung statt, Intel hat Altera übernommen und AMD wird Xilinx bald übernehmen. Was bedeutet das für den FPGA-Markt insgesamt und was für Achronix?

Aus unserer Sicht bestätigen die Übernahmen von Altera und Xilinx nur noch einmal, dass es eine signifikante Nachfrage nach FPGAs für Hardware-Beschleuniger gibt, trotz anderen Hardware-Beschleunigungstechnologien einschließlich GPUs.

Intel hat Altera bereits im Jahr 2015 übernommen. AMD ist noch dabei, die Übernahme von Xilinx abzuschließen. In den ersten ein bis drei Jahren jeder Akquisition muss der Abstimmungsprozess stattfinden. Roadmaps werden zusammengeführt und während dieses Prozesses werden die Strategie und die allgemeine Produktausrichtung immer wieder neu überdacht und letztendlich geändert – das ist bei allen Übernahmen so.

Xilinx führt diesen Markt derzeit mit einem Anteil von ca. 60 Prozent an, während Intel einen Anteil im Bereich von 30 Prozent hält, allerdings mit weiterhin sinkenden Marktanteilen.

Das heißt: Achronix ist der letzte Anbieter von High-End-FPGAs, plus dem definitiven Vorteil, dass wir die FPGAs mit der höchsten Bandbreite anbieten. Ein anderer, noch wichtigerer Punkt ist, dass wir den Kunden eine Plattform bieten, bei der sie wählen können, ob sie in ihrem System das Speedster7t-FPGA-Silizium und/oder das eFPGA in ihren ASIC- oder SoC-Designs nutzen wollen. Zusätzlich zu den Speedster7t-FPGAs und dem Speedcore eFPGA bietet Achronix VectorPath-Beschleunigerkarten an, die auf dem Speedster7t 7t1500-FPGA basieren. Diese Beschleunigerkarten wurden gemeinsam von Achronix und BittWare, ein Molex-Unternehmen, entwickelt und können für die Entwicklung oder als komplettes Endprodukt eingesetzt werden. Wenn sich Unternehmen entscheiden, in die Achronix-FPGA-Plattform zu investieren, können sie mit der Achronix Tool Suite den Großteil, wenn nicht sogar die gesamte Entwicklungsarbeit für alle Speedster7t-FPGAs, Speedcore eFPGAs und die VectorPath-Karten nutzen. Dabei handelt es sich um eine einzige Tool-Kette, die RTL-Synthese, Place & Route, Konfiguration, Bitstream-Generierung, Debug- und Simulationsfunktionen umfasst.

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