Schwerpunkte

US-Zölle

Die Auswirkungen auf die Halbleiterindustrie

11. April 2018, 07:41 Uhr   |  Heinz Arnold

Die Auswirkungen auf die Halbleiterindustrie
© ZVEI

Dr. Andreas Gontermann, ZVEI: »Vor dem Hintergrund des sehr hohen Internationalisierungsgrades unserer Branche machen wir uns weiter große Sorgen vor einer Eskalation der Handelsstreitigkeiten.«

Kaum eine chinesische High-Tech-Branche ist nicht von den Zöllen betroffen, die die USA auf chinesische Produkte erheben. Lässt das die Halbleiterindustrie leiden?

Luft-und Raumfahrt, ITK, Maschinenbau, Energie, Mobilität, Gesundheitswesen – das sind die wichtigsten Branchen, auf deren Produkte – rund 1.300 – die USA künftig 25 Prozent Einfuhrsteuer aufschlagen wollen, um die heimische Industrie zu schützen, was insgesamt 50 Mrd. Dollar ausmachen soll. Diese Produkte wiederum sind vollgestopft mit elektronischen Komponenten, angefangen von Leiterplatten über Chips, Einzelhalbleiter, passive Komponenten, LEDs, PCB und Laser, um nur einige zu nennen.

Doch trotz allem Getöse würden die Maßnahmen auf die chinesische High-Tech-Industrie laut Trendforce begrenzte Auswirkungen haben. Nur die TV-Hersteller seien sofort betroffen. Für die Hersteller von LEDs, PV-Modulen, Autos und Halbleiter gelte das nicht.

Allerdings könnte sich die Entwicklung neuer Technologien verzögern und selbstverständlich hätten höhere Preise für Consumer-Produkte Auswirkungen auf die Kaufkraft.

Was die Halbleiterindustrie anbelangt, so ist sie in China bisher nicht gerade bedeutend, der Export in die USA ist eher bescheiden. Auf der Zollliste der USA sind aus diesem Sektor unter anderem bestimmte Maschinen für die Halbleiterfertigung gelandet, was aber nur einen Bruchteil des Halbeitermarktes ausmache. Auch andere elektronische Komponenten wie Widerstände und Kondensatoren seien betroffen, aber die Exporte in die USA machten in diesem Sektor nur 10 Prozent aus.

China ist aber mit Hochdruck dabei, eine eigene Halbleiterindustrie aufzubauen. Das Ziel besteht darin, den Anteil der Halbleiter aus heimischer Produktion zu steigern, um von Zulieferern aus anderen Regionen unabhängiger zu werden. Auf den Export in die USA werde sich das kurzfristig kaum auswirken, so die Analysten von TrendForce.

Langfristig könnte es aber die Entwicklung der chinesischen Halbleiter- und der Autoindustrie zumindest verzögern.

Wie die Auseinandersetzung weitergehen werde – dazu wollen die Analysten keine Prognose abgeben. Sie geben sich aber zuversichtlich, weil die beiden stärksten Handelsmächte der Welt durchaus bereit seien, weiter zu verhandeln. So bestehe die Hoffnung, dass beide Vernunft walten ließen und Friede und Freundschaft bewahrten.

»Vor dem Hintergrund des sehr hohen Internationalisierungsgrades unserer Branche machen wir uns weiter große Sorgen vor einer Eskalation der Handelsstreitigkeiten. Denn dies könnte eine Abwärtsspirale gegenseitiger Vergeltungsmaßnahmen in Gang setzen, die liberale, multilaterale, regelbasierte, institutionell von der WTO abgesicherte Welthandelsordnung unterminieren und damit die globale Arbeitsteilung untergraben – am Ende hätten alle Nachteile«, sagte Dr. Andreas Gontermann Chef-Volkswirt des ZVEI gegenüber Markt&Technik. Konkrete Folgenabschätzungen seien indes schwierig, weil die weitere Entwicklung nicht nur von den unmittelbaren Maßnahmen abhänge, sondern auch von mittelbaren Effekten sowie sonstigen Einflüssen, etwa der Welt-Konjunktur.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Dauert IC-Boom noch ein Jahr?
3.000 zu 1 gegen Einfuhrzölle
Betreffen US-Zölle die Elektronikbranche?
Fällt die nächste Industrialisierungsstufe aus?
VDE fordert World Innovation Organisation
Größte Wachstumsrate seit 14 Jahren

Verwandte Artikel

elektroniknet