Das Schweizer Cleantech-Unternehmen Oxyle entwickelt modulare Lösungen zur Entfernung von PFAS aus belasteten Gewässern. Gründerin und CEO Dr. Fajer Mushtaq blickt auf die Entwicklung für 2026 voraus und beschreibt, wie sich Regulierung, Monitoring und die Rolle von PFAS verändern dürften.
Oxyle hat sich auf modulare PFAS-Behandlungslösungen spezialisiert, die PFAS dauerhaft entfernen – einschließlich der besonders beständigen kurz- und ultrakurzkettigen Verbindungen. Das Unternehmen kombiniert eigene technologische Entwicklungen mit bewährten Verfahren, um für jedes Abwasser die wirksamste Behandlung zu gestalten. So können Betreiber den sich wandelnden regulatorischen Anforderungen voraus sein und den Weg zu PFAS-freiem Wasser anführen.
Oxyle-Gründerin, Dr. Fajer Mushtaq, blickt mit den folgenden Prognosen auf das Jahr 2026:
1. Ultrakurzkettige PFAS werden zum neuen Schauplatz regulatorischer Auseinandersetzungen
Bis vor Kurzem standen vor allem langkettige, sogenannte „Legacy-PFAS“ wie PFOS und PFOA im Fokus der Regulierung und öffentlichen Debatte. Kurz- und ultrakurzkettige PFAS hingegen blieben weitgehend unbeachtet. Das wird sich 2026 deutlich ändern. Steigende Konzentrationen von Stoffen wie TFA in Regenwasser, Grundwasser und landwirtschaftlichen Produkten sorgen weltweit für wachsende Besorgnis.
2026 werden diese Verbindungen den Sprung aus der wissenschaftlichen Nische in eine regulatorische Priorität schaffen. Immer stärker setzt sich die Erkenntnis durch, dass kurz- und ultrakurzkettige PFAS anders wirken: Sie breiten sich weiter aus, sind schwieriger zu messen und entziehen sich vielen herkömmlichen Behandlungsverfahren. Wir erwarten daher im kommenden Jahr mehr Aufmerksamkeit für analytische Lücken, niedrigere Nachweis- und Meldegrenzen sowie neue Strategien, die speziell auf diese schnell wandernden Stoffe ausgerichtet sind.
2. Monitoring und Durchsetzung werden voranschreiten – aber weiterhin ungleichmäßig
2026 wird sich die regulatorische Entwicklung der EU zu PFAS weiter konkretisieren. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA dürfte ihre wissenschaftliche Bewertung des vorgeschlagenen EU-weiten Verbots bis Ende des Jahres abschließen.
Trotzdem wird der Fortschritt in den EU-Mitgliedstaaten weiterhin unterschiedlich schnell vorangehen. Eine Kerngruppe von Ländern und Regionen dürfte strengere nationale oder regionale Regelungen einführen. Frankreich hat bereits in diesem Jahr entscheidende Schritte unternommen – darunter ein Verbot für PFAS in mehreren Produktkategorien und das Ziel, industrielle PFAS-Einleitungen bis 2028 um 70 % zu reduzieren. Andere werden folgen.
Unabhängig vom Tempo oder den regionalen Unterschieden ist der Trend eindeutig: Monitoring und Durchsetzung werden strenger. Wasserbehörden werden voraussichtlich dazu verpflichtet, PFAS-Tests in Trinkwasser, Abwasser und industriellen Einleitungen auszuweiten und Inspektionen in risikoreichen Branchen zu intensivieren. Auch Unternehmen müssen mit stärkerer Kontrolle ihrer Emissionswerte und höheren Anforderungen an eine regelkonforme Abfallwirtschaft rechnen. Das Ergebnis: ein regulatorisches Umfeld, das in Politik und Vollzug deutlich anzieht – jedoch leider in uneinheitlicher Weise.
3. PFAS werden zu einem Wasserresilienz-Thema – nicht nur zu einem Compliance-Thema
PFAS werden zunehmend weniger als isolierte Frage der Chemikalien-Compliance betrachtet, sondern als Risiko für die Wasserresilienz – und damit auch für die Klimaanpassung. Vor dem Hintergrund steigender Belastungen von Wassersystemen durch Dürren, Übernutzung, Fehlmanagement und alternde Infrastruktur werden PFAS immer stärker als Hindernis für Wasserwiederverwendung und Kreislaufführung wahrgenommen.