36 Mio. Dollar für Classiq

In Quanten-Algorithmen schnell eintauchen

2. Juni 2022, 14:24 Uhr | Heinz Arnold
Classiq-Integration mit AWS Braket.
Classiq-Integration mit AWS Braket.
© Classiq

Quanten-Software-Spezialist Classiq hat sein System in den Quantencomputerdienst Amazon Braket integriert und sich außerdem eine neue Finanzierungrunde gesichert.

Drei neue Investoren, HSBC, NTT Finance und Neva SGR, Teil der Intesa Sanpaolo Gruppe, haben sich der Serie-B Finanzierungsrunde von Classiq angeschlossen, die sich damit auf 36 Mio. Dollar erhöht. Seit der Gründung sind 51 Mio. Dollar in das israelische Start-up geflossen. 

Amazon Braket ist ein vollständig verwalteter Quantencomputerdienst von Amazon Web Services (AWS), der dazu beitragen soll, die wissenschaftliche Forschung an und die Softwareentwicklung für Quantencomputer zu beschleunigen. Dank der umfassenden End-to-End-Lösung von Classiq können Kunden schneller mit Quantenalgorithmen experimentieren. Sie erstellen anspruchsvolle Schaltungen auf der Classiq-Plattform und führen diese nahtlos auf Amazon Braket aus. 

Quantencomputing hat das Potenzial, zahlreiche Branchen grundlegend zu verändern: Ob es um Finanzdienstleistungen, Materialwissenschaften, Logistik, Gesundheitswesen, Cybersicherheit bis hin zur Automobilindustrie geht, überall versprechen sich Unternehmen Durchbrüche über die Anwendung des Quantencomputing und haben deshalb bereits Innovationsteams gebildet, um das Potenzial für sich zu erschließen. 

Dabei stoßen sie auf verschiedene Herausforderungen: Welche Quantenhardware ist am besten geeignet, wie lassen sich Quantencomputer in die klassische IT-Infrastruktur integrieren und wie lassen sie sich effizient programmieren? Die meiste Quantensoftware wird heute meist äquivalent zur Assemblersprache geschrieben: Entwickler müssen die Verbindungen zwischen Qubits und Quantengattern also explizit angegeben, oder es werden vorgefertigte Blöcke zusammengeschustert. Dieser Ansatz skaliert nicht.  

»Durch den Einsatz von Amazon Braket sind wir in der Lage, viele der Probleme zu lösen, mit denen Kunden konfrontiert sind, wenn sie kommerzielle Quantencomputing-Lösungen entwickeln wollen«, so Nir Minerbi, CEO von Classiq. 

Quantensoftware mit Classiq und Amazon Braket 

Ausgangspunkt für Entwickler ist die Classiq Quantum Algorithm Design Plattform, die es ermöglicht, Quantenschaltungen anhand eines funktionalen Modells zu entwerfen, anstatt einer Reihe von Verbindungen auf Gatterebene. Die Classiq-Plattform durchsucht dann einen Lösungsraum, der aus vielen Millionen Schaltkreiskonfigurationen besteht, um eine Implementierung zu finden, die den Ressourcenüberlegungen, den vom Entwickler vorgegebenen Einschränkungen und der Zielhardwareplattform entspricht. Von der Classiq-Plattform aus kann der resultierende Schaltkreis schnell und einfach auf Quanten-Hardware ausgeführt werden, die über Amazon Braket erhältlich ist.  

Das integrierte Angebot von Amazon Braket wendet sich an Unternehmen, die mit erfolgreichen Quanten-Proof-of-Concept-Projekten schnelle Erfolge erzielen wollen, sowie für Unternehmen, die bereits mit Quantencomputing experimentiert haben und die Raffinesse ihrer Quantenalgorithmen sowie die Robustheit und die Fähigkeiten ihres Einsatzes steigern wollen. »Amazon Braket macht es den Kunden leicht, mit Quantencomputing zu experimentieren, indem es sicheren On-Demand-Zugang zu einer Vielzahl von Quantenhardware und vollständig verwalteten Simulatoren bietet«, sagt Richard Moulds, General Manager von Amazon Braket bei AWS. 

Die Investoren

HSBC mit Sitz in Großbritannien ist die zweitgrößte Bank in Europa. Das japanische Unternehmen NTT ist das viertgrößte Telekommunikationsunternehmen der Welt und selbst Classiq-Kunde. Neva SGR ist Teil der Intesa Sanpaolo Group, der führenden italienischen Bank in Europa. Die drei neuen Investoren gesellen sich zu den bestehenden Classiq-Investoren Wing VC, Entrée Capital, Hewlett Packard Pathfinder, Team8, Phoenix, Sumitomo Corp. (über IN Venture), OurCrowd, Spike Ventures, Samsung NEXT und den Chipdesign-Titanen Lip-Bu Tan und Harvey Jones.  
 


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