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Neuheiten auf der SPS Connect

Kontron setzt auf KI

25. November 2020, 08:30 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier

Kontron setzt auf KI
© Pixabay

Zur SPS Connect, die von 24. bis 26. November rein virtuell stattfindet, präsentiert der Augsburger Embedded-Spezialist Kontron neue Produkte. Außerdem legt der Konzern seine aktuellen Wirtschaftszahlen für das aktuelle Quartal vor.

Auffallend ist das leichte Wachstum, das der Konzern trotz der Corona-Krise erreicht. So stieg der Umsatz der s&t-Gruppe, der Kontron angehört, um 11 Prozent auf 836,4 Mio. Euro, der operative Cashflow erhöhte sich um etwa 45 Mio. Euro. Mittlerweile sind bei Kontron über 5.000 Mitarbeiter beschäftigt. Grund für die steigenden Mitarbeiterzahlen sind Akquisitionen, zum Beispiel von Iskratel und Citycomp.

Bereits im letzten Jahr übernahm Kontron das Motherboard-Geschäft von Fujitsu. Hier zieht das Unternehmen bis dato ein positives Fazit. Im Zuge der SPS gab Kontron außerdem neue Entwicklungen und Produkte bekannt. Alle Raspberry-Pi-Fans können sich über die Serien »Pi-Tron« und »PiXtend« freuen. Mit den Modulen will Kontron den Raspberry vollends in die Industrie-Klasse hieven und gar den SPS-Markt erobern. Kontron arbeitet dabei mit CodeSys und Python zusammen, so kann das Unternehmen seinen Kunden ein umfangreiches Angebot an Software bereitstellen.

TSN Starterkit
© Kontron

Ein Update des TSN Starterkits ermöglicht ab sofort die TSN-Standards IEEE 802.1Qbu und 802.1CB.

TSN-Umgebungen sicher aufbauen

Neu bei Kontron ist eine aktualisierte Version des TSN Starterkits. Im aktuellen Starterkit ist das Software-Upgrade bereits enthalten, es kann jedoch genauso in bestehende Soft-PLCs, Box-PCs, Gateways und Industrie-Server eingespielt werden. Es ermöglicht ab sofort auch die TSN-Standards IEEE 802.1Qbu und 802.1CB.

Mithilfe des Starterkits können Anwender TSN-Umgebungen schnell und sicher aufbauen und Geräte einbinden. Eine PCIe-Karte mit optimiertem DMA-Interface und acht Kanälen regelt den Abgleich von TSN-Prioritäten, um Latenz und Jitter zu minimieren. Der neue Standard IEEE 802.1Qbu ermöglicht es, Pakete vorzuziehen, die Echtzeitreaktionen benötigen, 802.1CB gewährleistet dagegen einen redundanten Frame-Transfer in sicherheitskritischen Anwendungen. Zwei verschiedene FPGA-Versionen unterstützen ein formbasiertes oder zeitgatterbasiertes Priorisieren. Das Starterkit basiert auf dem Industrie-PC »KBox C-102-2« mit einem Intel Core-i5-Prozessor, einer vorintegrierten TSN-Netzwerkkarte und einem Switch. Mit dem aktualisierten, auf dem Software-Tool »netopeer2« basierenden NETCONF-Daemon, ist ein zentrales Datenmanagement möglich.

FabEagle connect
© Kontron

Mit dem »FabEagle Cconnect« will Kontron IT und Geschäftsprozesse verbinden.

Daten schnell und einfach übertagen

Mit dem »FabEagle connect« bietet Kontron ein neues Software-Tool für seine Hardware-Anwendungen an, welches Fertigung und IT miteinander verbinden soll – mithilfe schneller Datenübertragungen.

Der Aufbau des Tools ist modular und individuell konfigurierbar – mit verschiedenen Schnittstellen-Funktionen. Zum einen lassen sich über die Cloud Daten aus der Fertigung zu Big-Data-Anwendungen über REST, MQTT oder AMQP übertragen. Zum anderen lassen sich Fertigungs- mit Geschäftsprozessen über OPC-UA, SOAP, FTP und TCP/IP verbinden. Zum Umfang gehören außerdem Schnittstellen für das Übertragen von Daten für Steuerungen von Siemens, Beckhoff oder Omron. Einen reibungslosen Betrieb gewähren diverse Diagnosefunktionen, zusätzliche Komponenten für neue Schnittstellen lassen sich über C# erstellen. Zudem kann der Anwender Datenbanken wie Microsoft SQL, Oracle oder PostgreSQL mit nativen oder ODBC-Treibern einbinden. Ein Daten-Export als Datei im Binär- oder Textformat ist ebenso möglich wie das Aggregieren von Daten über einen konfigurierbaren Formelinterpreter. So ist es möglich, Daten aus mehreren Quellen miteinander zu verrechnen. Außerdem ist ein Konvertieren von CSV-Daten in JSON und umgekehrt ausführbar.

KI-Plattform
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Kontrons neue KI-Plattform besteht aus einem M.2-Modul sowie einem Single Board Computer inklusive Software.

KI-Edge-Anwendungen entwickeln

Weiterhin greift Kontron ein Trend-Thema der Industrie im Jahr 2020 auf: künstliche Intelligenz am Edge. Hierzu bringt das Unternehmen eine KI-Plattform auf den Markt. Sie besteht aus

  • einem Single Board Computer im Formfaktor 2,5 Zoll Pico-ITX mit i.MX8M-Prozessor von NXP sowie
  • einem M.2-Modul mit einem Google-Coral-Beschleuniger-Chip für die Software TensorFlow Lite

Über die Software sind sämtliche TensorFlow Lite-Anwendungen erhältlich – für das schnelle und unkomplizierte Entwickeln eigener KI-Anwendungen. Mit der Coral Edge TPU (Tensor Processing Acceleration Unit) sind bis zu 4 TOPS (trillion operations per second) möglich, sie benötigt 1 W für 2 TOPS, also 2 W bei 4 TOPS. Alle aktuellen Anwendungen von TensorFlow Lite sowie vortrainierte Modelle können Anwender kostenlos herunterladen. Die Plattform eignet sich für den Einsatz in Temperaturbereichen von -40 bis +85 °C und unterstützt Yocto Linux mit aktuellem Kernel. Ab dem ersten Quartal 2021 wird die Plattform auf weiteren Kontron-Systemen verfügbar sein.

Web Panels auf Basis aktueller Prozessoren.
© Kontron

Neu bei Kontron sind außerdem Web Panels auf Basis aktueller Prozessoren.

Individuelle Gestaltung

Neu bei Kontron sind außerdem Web Panels auf Basis aktueller Prozessoren. Die Software basiert auf Kontrons »QIWI-Toolkit«, die Web Panels auf NXP i.MX8M-Mini-Prozessoren sowie einer kapazitiven Multitouch-Technik – die Displays sind in 7, 10,1 und 15,6 Zoll verfügbar. Sie wurden für Umgebungstemperaturen von 0 bis +55 °C entwickelt. Über einen modularen Aufbau sind kundenspezifische Anpassungen möglich. Mit dem integrierten QIWI-Software-Paket wird dem Anwender ein HTML-5 Browser bereitgestellt. Außerdem lassen sich mit dem QIWI-Toolkit Netzwerke konfigurieren, ebenso Display-Eigenschaften und Zeit- und Spracheinstellungen. Zudem stellt es einen File- und Package-Manager bereit. Individuell gestalten können Anwender Sprache, Schriftart und Firmenlogo. Das Layout und die Größe des virtuellen Keyboards, über das ebenfalls asiatische, arabische und kyrillische Schriftzeichen erfassbar sind, lassen sich ebenfalls anpassen.

Computer-Module
© Kontron

Bereits im September kündigte Kontron ein Update seiner Computer-Module an.

Computer-Module

Bereits im September kündigte Kontron ein Update seiner Computer-Module an. Hier setzt der Embedded-Spezialist, wie andere Marktteilnehmer, auf Intels neue Core- und Atom-Prozessoren. Das COM-Express-Compact-Typ-6-Modul »COMe-cTL6« bietet Varianten bis zu Quad Core i7-Prozessoren zusammen mit Dual Channel DDR4-3200 Speicher bis zu 48 GB. Zudem ist eine NVMe SSD on-board bestückbar, so können externe Speichermedien entfallen.

Das »VPX Computer Blade VX3060« besitzt ausgewählte CPUs, die für Nutzungsprofile mit verlängerter Lebensdauer vorgesehen sind. Quad-Core-CPUs mit spezialisierten Vector Neural Network Instructions (VNNI) für künstliche Intelligenz, AVX512 für eine Doubled Signal Processing Pipeline sowie 96 Execution Units der integrierten Intel Iris-Xe-Grafik-Engine, die über OpenCL zugänglich sind, gewähren eine hohe Rechenleistung. In zwei Varianten ist das VX3060 erhältlich, die sich über verschiedene Robustheitsgrade auszeichnen. Zusätzlich kündigt Kontron an, im nächsten Jahr verschiedene Module mit dem neuen COM-HPC-Standard auf den Markt zu bringen.

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