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ZVEI zur SPS

Automatisierungsbranche leidet 2020 gewaltig

24. November 2020, 09:41 Uhr   |  Gerhard Stelzer

Automatisierungsbranche leidet 2020 gewaltig
© ZVEI

Roland Bent, Vorstand des ZVEI-Fachverbands Automation: »Es zeigt sich, dass ein hoher Automatisierungsgrad durch Steuerungen, Sensorik, Aktorik hilft, die Produktion auch unter Wahrung der Corona-Sicherheitsregeln aufrechtzuerhalten.«

Im laufenden Jahr musste die Automatisierungsbranche nach Erhebungen des ZVEI ein Umsatzminus von 11 Prozent in den ersten neun Monaten verkraften. Für 2021 erwartet der Branchenverband allerdings wieder eine spürbare Erholung.

Die aktuelle Konjunktur der Automation sei weiterhin schwierig, wie der ZVEI anlässlich seiner (virtuellen) Pressekonferenz zur virtuellen Automatisierungsmesse SPS connect feststellt. Nach den ersten neun Monaten 2020 beträgt der in Deutschland gemeldete Umsatz der Automation 34,5 Mrd. Euro. Das entspricht einem Minus von elf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit setzen sich die Verluste im zweiten Jahr infolge fort. Erfreulich ist, dass sich der globale Automationsmarkt erholt und die Rückgänge mit minus drei Prozent deutlich geringer ausfallen werden als erwartet.

»Auch wenn die aktuelle konjunkturelle Lage nur schwierig einzuschätzen ist und die Unsicherheit pandemiebedingt hoch bleibt, rechnen wir für das nächste Jahr mit einer deutlichen Erholung«, erklärt Roland Bent, Vorstand des Fachverbands Automation. »Zumal die langfristigen Entwicklungstrends, insbesondere die Anforderungen an einen wirkungsvollen Klimaschutz und die voranschreitende Digitalisierung, für die Automation nach wie vor intakt sind.«

Insgesamt kommt der Weltmarkt Automation 2020 auf ein Volumen von umgerechnet 558 Mrd. Euro und sei seit 2000 jährlich im Durchschnitt um 4,6 Prozent gewachsen, sagt Bent. Für 2020 erwartet er einen Rückgang von drei Prozent. Allerdings rechnen die Volkswirte schon 2021 mit einer Erholung und einer Fortschreibung des Wachstums.

Nur fünf Handelsländer beherrschen derzeit den Weltmarkt für Automatisierungsgüter, größter Nachfrager ist China mit 43 %, gefolgt von den USA mit 13 %, Südkorea mit 5 % sowie Deutschland und Japan mit jeweils 4 %. China sei in der Vergangenheit jährlich um fast 15 % gewachsen, so dass sich bedingt durch die Pandemie der chinesische Markt weiter der 50-%-Marke nähern dürfte.

Der Markt für Automation 2020

Bereits 2019 zeichnete sich ein Abschwung bei den Produktionszahlen der Automation in Deutschland ab. Corona-bedingt kam es 2020 zu einer deutlichen Talfahrt.
Deutsche Exporte in der Automation nach Zielländern. Über 50 % davon gehen in europäische Länder.
Der globale Automationsmarkt wird von fünf Ländern dominiert.

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Systementscheidung zwischen China und USA wäre fatal

Deutschland exportiert fast doppelt so viel an Automatisierungsausrüstung wie es importiert, 15 % im Verhältnis zu 8 %. Die Exporte gehen zu 38 % nach Asien und zu 15 % nach Amerika. Deshalb blickt Bent mit Sorge auf das Verhältnis von China zu den USA: »Für die Automation wäre eine Systementscheidung pro westlich gegen China oder pro China gegen USA fatal.«

An der Automation gehe die derzeitige Krise nicht spurlos vorüber, so Bent. »Bei der Beschäftigung haben wir aktuell folgende Situation: Die Automatisierer beschäftigten im September 2020 259.410 Personen im Vergleich zu 263.379 Personen am Jahresende 2019. Um sich an die aktuelle wirtschaftliche Lage anzupassen, nutzen Unternehmen derzeit flexible Arbeitszeitmodelle. In einigen Betrieben gibt es konjunkturbedingt Kurzarbeit.«

Bent plädiert angesichts der Corona-Pandemie und einer immer komplexeren Welt dafür, mehr Anstrengungen zu unternehmen, um die Automatisierungsbranche widerstandsfähiger zu machen: Dafür brauche es Offenheit, Transparenz in der Lieferkette, Agilität und Effizienz durch Digitalisierung & Automatisierung. Einen wesentlichen Teil zur Resilienz trage dabei die Digitalisierung bei.

Der Fachverbands-Vorstand betont darüber hinaus, dass die Automation gerade in der Corona-Krise ihre Stärken ausspielt und einen wichtigen Beitrag zur Fortsetzung der Produktion geleistet habe. »Es zeigt sich, dass ein hoher Automatisierungsgrad durch Steuerungen, Sensorik, Aktorik hilft, die Produktion auch unter Wahrung der Corona-Sicherheitsregeln aufrechtzuerhalten.«

Automation als Basis für Klimaschutz

Einen wichtigen Beitrag der Automation zum Klimaschutz zeigt das Beispiel einer CO2-neutralen Fabrik durch den Einsatz von Gleichstromnetzen. 70 Prozent der in der Industrie anfallenden elektrischen Energie entfallen auf Elektromotoren, die damit größter Verbraucher sind. »Ein gleichstrombasiertes Smart Grid in der industriellen Produktion ist deutlich energieeffizienter als eine wechselstrombasierte Energieversorgung«, erläutert Gunther Koschnick, Fachverbandsgeschäftsführer Automation. »In Modellanlagen konnten wir nachweisen, dass die Energieverbräuche im Durchschnitt bis zu zehn Prozent gesenkt werden können.« Hinzu kämen auch Materialeinsparungen.

Industrie 4.0 mit 5G

Ein Jahr nach Inkrafttreten der Vergabebedingungen für lokale industrielle und landwirtschaftliche Mobilfunknetze, sogenannte 5G-Campus-Netze, sind bereits knapp 90 Anträge bei der Bundesnetzagentur eingegangen. »Die hohe Nachfrage ist sehr erfreulich. Campus-Netze sind in Verbindung mit Industrie 4.0-Anwendungen essenziell für den Industriestandort Deutschland und Voraussetzung für eine fortgesetzte starke Stellung im internationalen Wettbewerb«, erklärt Koschnick.

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