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Neuer Traceabilitly-Leitfaden am Start

»Schnell auf einem gemeinsamen Sprach-Level«

19. März 2021, 08:00 Uhr   |  Karin Zühlke

»Schnell auf einem gemeinsamen Sprach-Level«
© Brady Corp.

Mit den neu definierten Traceability Levels hat der ZVEI seine Traceability-Initiative von 2010 ins Industrie-4.0-Zeitalter gehoben. Das neue Stufenmodell soll den Einstieg in die Rückverfolgbarkeit dazu deutlich vereinfachen.

Durch die Unterteilung in die Level 1-2-3-4 kann nun klar kategorisiert werden, in welches Level das jeweilige Produkt fällt und welcher Detailgrad an Informationen sich dahinter verbirgt; sie stellt eine eindeutige Zuordnung dar, welche Traceability-Daten jeweils gefordert werden.

Für Unternehmen war es bislang häufig schwierig, einen Einstieg bei der Einführung von Traceability zu finden. Bernd Enser, COO von Semikron, hat im ZVEI-Arbeitskreis mitgewirkt. »Das Stufenmodell entstand in der Intention, die Implementierung und Umsetzung besser zu beschreiben und somit den Unternehmen nicht nur einen umfassenden Leitfaden zur „ganzheitlichen Traceability“ zu geben, sondern auch detailliert darzustellen, wie man das zum Leben erweckt. Mit den einzelnen Stufen haben wir versucht, die bereits im Leitfaden definierte Level-Struktur auf real existierende Aufbau- und Ablaufstrukturen in Unternehmen zu spiegeln und konkret in Bezug auf die existenten Wertschöpfungsprozesse einzugehen. Verbessert wurde somit nicht nur die Darstellung, sondern es wurde aus meiner Sicht eine Art Schlüssel generiert, der die Einführung gewährleistet.«

Alois Mahr, Vice President Global Engineering von Zollner Elektronik und ebenfalls Mitglied des zuständigen Arbeitskreises im ZVEI, ergänzt: »Die praxisorientierte Definition der verschiedenen Level hilft enorm dabei, die unterschiedlichen beteiligten Unternehmen in der Kette, sei es Bauteilhersteller, EMS oder OEM, sehr schnell auf ein gemeinsames Sprach-Level“ zu hieven.« Mahr weiter: »Damit kann auch die Tiefe der Anforderungen klar und transparent abgestimmt werden, sodass jeder schnell weiß, was bei welchem Level von ihm gefordert wird bzw. was er von seinem Gegenüber erwarten kann.«

Die ZVEI-Traceability-Levels dienen also als Hilfestellung und sollen die Anforderungen an verschiedene Produktkategorien genauer beschreiben. Dabei werden alle Produkte entlang der Wertschöpfungskette vom Rohmaterial über die elektronischen Bauelemente bis hin zu Baugruppen, Modulen, Geräten und Systemen berücksichtigt. Ergänzt werden die Traceability Levels durch praktische Beispiele von Parametern, die während des Fertigungsprozesses erfasst werden sollen.

Update und Anpassungen an heutige Anforderungen

»Viele Firmen, die an Standorten bereits Traceability eingeführt haben, sind gezwungen, diese auch an anderen Standorten zu implementieren – hier wollten wir primär die Erfahrungen dokumentieren. Zum anderen entwickeln sich Systeme ständig weiter, und je mehr man ERP/MES und z.B. Traceability vernetzt, also automatisiert, umso mehr ist man darauf angewiesen, dass dieser Automatisierungsgrad auch über die Lieferketten besteht – somit macht es Sinn, dafür zu sorgen, dass Traceability in der Fläche weiter ausgebaut wird. Nicht zuletzt konnten wir damit aber auch eine Art Update erstellen, welches dafür sorgt, dass der vor Jahren gelegte Grundstein zeitgemäß verwendet werden kann«, schildert Enser.

Schließlich sei der Bedarf an Daten heute ein ganz anderer als vor 15 Jahren, gibt Mahr zu Bedenken. »Dies ist vor allem auch im privaten Sektor zum Beispiel durch Shopping im Internet sehr greifbar. Heute wissen Sie genau, wo ein Produkt herkommt oder wann es individuell für Sie produziert wird, wann es zum Versand bereit steht und wann es geliefert wird, eventuelle Verschiebungen inklusive. Es wurde den heute in der typischen Supply Chain beteiligten Unternehmen klar, dass wir hier weiteren Detaillierungsbedarf haben, und den haben wir mit der ZVEI-Leitfaden-Ergänzung aufgegriffen.«

Enser_Bernd
© Markt&Technik

Bernd Enser, Semikron: »Bei der Erstellung haben wir versucht, soweit möglich die Sicht der Anwender einzunehmen. Unter diesem Blickwinkel wollen wir eine möglichst große Anzahl erreichen und diese entsprechend ihrem Stand abholen.«

Leichter anwendbar

Mahr hegt wie die anderen Arbeitskreis-Teilnehmer die Erwartung, dass der Leitfaden leichter und noch verständlicher anwendbar ist und sich so weiter in den verschiedenen Industrien vom Komponentenhersteller über den EMS bis hin zum OEM verbreitet und Anwendung findet. »Die Traceability Levels sorgen für noch mehr Klarheit bezüglich der notwendigen Anforderungen und deren angemessene nachhaltige Umsetzung. Durch unsere weltweiten Logistikketten können der Leitfaden und dessen Detaillierungen in den Levels einen enormen Mehrwert darstellen in Bezug auf transparente, durchgängige und nachhaltige Umsetzungen. Die Fragen und die Unklarheiten, die in der Vergangenheit aufgetreten sind, werden mit dieser Ergänzung in die Level 1-2-3-4 im Detail beantwortet«, unterstreicht Mahr.

Das bestätigt auch Bernd Enser: »Bei der Erstellung haben wir versucht, soweit möglich die Sicht der Anwender einzunehmen. Unter diesem Blickwinkel wollen wir eine möglichst große Anzahl erreichen und diese entsprechend ihrem Stand abholen. Mit den dargestellten Szenarien und Erklärungen sollte es möglich sein, die im Leitfaden umfassend dargestellte ganzheitliche Traceability zu erfassen, gemäß der eigenen Systemumgebung anzupassen und einzuführen. Wir hoffen, damit den Kreis der erfolgreichen Anwender größtmöglich zu erhöhen.« Zum anderen sind dem Ganzen laut Enser natürlich auch Grenzen gesetzt, welche nicht außer Acht gelassen werden dürfen: »Diese haben wir bei den Szenarien durchaus berücksichtigt, da das technisch Machbare nicht unbedingt immer das Sinnvollste für die einzelnen Unternehmen darstellt. Auch diesbezüglich erwarten wir vor allem durch den Ansatz des Stufenmodells eine möglichst realitätsnahe Machbarkeit.«

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1. »Schnell auf einem gemeinsamen Sprach-Level«
2. Kennzeichnungsmatrix zur Datenweitergabe
3. Wie international ist der ZVEI-Leitfaden?

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