Elektroniknet Logo

Transparenz, Vertrauen, Zuverlässigkeit

Auf die Differenzierung kommt es an


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

IoT, Industrie 4.0, Automatisierung, RFID und Sensorik

Mit seiner Strategie, über persönliche Kontakte sowohl zu den Herstellern als auch zu den Kunden ein beiderseitiges Vertrauensverhältnis aufzubauen und schnell vor Ort reagieren zu können, ist er gut gefahren. »Wer nur 50 Stück bestellt, den behandeln wir genauso gut wie einen Kunden, der sehr hohen Stückzahlen bezieht«, sagt Wolf. quarzwerk ist auch großzügig, was die Lieferung von Mustern betrifft. Wer sie brauche, der bekomme sie auch. Besteht da nicht die Gefahr, ausgenutzt zu werden? »Diese Beobachtung haben wir bisher nicht gemacht. Im Gegenteil, die Kunden honorieren es und verhalten sich durchweg korrekt«, antwortet Wolf.

Die genaue Produktkenntnis und der enge Kontakt zu den Herstellern einerseits und der Service-Gedanke andererseits habe dazu geführt, dass viele ehemals kleine Kunden immer noch dabei sind: »Wir sind zusammen groß geworden«, erklärt Wolf – und das Unternehmen entwickele sich weiter positiv: Im fünften Jahr seines Bestehens werde quarzwerk 2019 deutlich zweistellig wachsen, die aktuell fünf Mitarbeiter werden Zuwachs bekommen, das Lager wird ausgebaut. Das zeige, dass quarzwerk mit seinem Service-orientierten Modell so falsch nicht liegen könne. Dazu zählt er auch die Transparenz in der Preisgestaltung. Während die großen Abnehmer die Kostenstruktur der Hersteller kennen, bleibt sie kleineren Anwendern meist verborgen. »Auch wenn jetzt jemand lächeln mag, Ehrlichkeit halte ich für ein ganz wichtiges Kriterium«, so Wolf.

Relevante Anbieter

Quarzwerk
Der kleinste 32,768-kHz-Uhrenquarz im SMD1210-Gehäuse
© Bilder: quarzwerk

Was quarzwerk, aber auch den übrigen Firmen, die sich hierzulande mit Quarzen und Oszillatoren beschäftigen, entgegenkommt: Die bekannte Entwicklung, dass selbst große Anwender auf diesem Gebiet die eigenen Entwicklungsressourcen zurückfahren und zunehmend auf externe Services zugreifen wollen. Das Know-how der Quarz-Spezialisten wird also gebraucht, sie können neue Geschäftsfelder erschließen. Zwar fertigen kaum noch Firmen in Europa Quarze, doch der Bedarf, Quarze und Oszillatoren vor Ort schnell beziehen zu können und unkompliziert Unterstützung im Design der Systeme zu erhalten, ist deutlich gestiegen.

Das gilt laut Wolf umso mehr, als Anwender, die ihre Produktion nach Asien verlagert hatten, nun zunehmend ihre Produktionen wieder nach Deutschland zurückholen. Das bringe zusätzlich Geschäft, sogar im Konsumgütermarkt, etwa wenn es um DSL-Router oder Schnurlostelefone gehe. Dieser Sektor entwickle sich für quarzwerk derzeit sehr positiv.

Zu den weiteren Märkten, die das Unternehmen anvisiert, gehören die Automatisierungstechnik im Allgemeinen, die Sensorik, Inspektionssysteme wie Vision-Kameras, insbesondere auch Funksysteme und RFID. IoT und Industrie 4.0 sollten hier nach Ansicht von Wolf einen weiteren Wachstumsschub bringen. In Asien sei aus diesen Bereichen schon eine deutliche Belebung zu spüren, hierzulande werde dieses Thema über die nächsten Jahre verstärkt Einzug halten.

Das führt direkt zur Frage, nach welchen technischen Neuerungen die verschiedenen Märkte verlangen – und was die Hersteller überhaupt noch verbessern können. Nach wie vor geht es laut Wolf in erster Linie um die Miniaturisierung. Erstaunlich sei, was immer noch möglich ist. 8-MHz-Quarze wandern bereits in Gehäuse mit Abmessungen von 3,2 mm × 2,5 mm, River kann sogar Quarze in nur noch 1,2 mm × 1,0 mm großen Gehäusen liefern, sowohl kHz-Stimmgabel-Typen als auch AT-Cut-SMD-Quarze. Sie können dann selbstverständlich keine niedrigen Frequenzen erreichen, aber für bestimmte Einsätze, beispielsweise in digitalen Hörgeräten, eignen sich solche Typen sehr gut.

Insgesamt spielen kleinere Bauformen aber auch im Gesamtumfeld von RFID und IoT, insbesondere rund um die Sensoren, eine wichtige Rolle. Die Siegeszug der KI in all den Gebieten wird zusätzlich für weiteren Bedarf an schnellen und platzsparenden Taktgebern sorgen. »Dann sind Gewicht und Größe noch entscheidender als bisher«, so Wolf. An der Reduzierung des Serienresonanzwiderstands arbeiten die Hersteller genauso wie an der Reduzierung der Energieaufnahme und daran, die Anschwingzeit zu verkürzen.

Und was würde er sich für die vorhersehbare Zukunft wünschen? Erstaunlicherweise nichts, was direkt mit den Quarzen zu tun hat: »Was wir hier in der ländlichen Gegend unbedingt benötigen, ist der Internet-Anschluss mit über 50 Mbit/s. Wir sind ja bei Weitem nicht das einzige Unternehmen, das sich vorkommt, als ob wir in der Einöde sitzen. Obwohl unser Standort nur 15 km von Heidelberg und 14 km von Mannheim entfernt ist. Es darf doch wohl nicht wahr sein, dass ein High-Tech-Land wie Deutschland hinsichtlich der Internet-Infrastruktur derartig hinterherhinkt. Das sehe ich derzeit als eine der großen Herausforderungen für Deutschland an.«

Das wäre sicherlich auch eine Voraussetzung dafür, dass hierzulande der Trend anhält, die Fertigung in größerem Umfang wieder ins Land zurückzuholen, wie es einige Kunden von quarzwerk bereits getan haben. Denn dazu ist die funktionierende Infrastruktur mit Hochgeschwindigkeits-Internet unabdingbar. Das wäre auch eine Voraussetzung, damit sich ein Traum von Frank Wolf erfüllen könnte: »Die Fertigung in China zu spiegeln und hier ebenfalls ein Werk aufbauen: Quarze hergestellt in Deutschland.« Ob sich dieser Traum tatsächlich erfüllen lässt? Die nächsten Jahre werden die Antwort bringen.


  1. Auf die Differenzierung kommt es an
  2. IoT, Industrie 4.0, Automatisierung, RFID und Sensorik
  3. Die kleinsten Uhren- und MHz-Quarze der Welt

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

GEYER ELECTRONIC, JAUCH QUARTZ GmbH