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Interview

»Spagat zwischen Großserienfertigung und Manufaktur«

01. September 2020, 14:44 Uhr   |  Corinna Puhlmann-Hespen

»Spagat zwischen Großserienfertigung und Manufaktur«
© Bopla

Ralf Bokämper: »Dienstleistungen sind bei Weitem der wichtigste Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Dieser ermöglichte uns die Rekordergebnisse der letzten Jahre.«

Der Gehäusehersteller Bopla und der Spezialist für Folientastaturen Kundisch werden künftig ihre Kompetenzen bündeln, um Synergien bei Produktion, Einkauf und Vertrieb zu nutzen. Warum dieser Schritt nur konsequent ist, erklärt Geschäftsführer Ralf Bokämper im Interview.

Markt&Technik: Warum haben Sie sich dazu entschlossen, die beiden Firmen Bopla und Kundisch – beides Schwesterunternehmen – zusammenzuführen?

Ralf Bokämper: Ein elektronisches Gerät bietet dann die beste Funktion, wenn Gehäuse und HMI perfekt aufeinander abgestimmt sind. Aus diesem Grund war die Kooperation zwischen Bopla und Kundisch bereits in der Vergangenheit sehr eng. So hat Bopla zum Beispiel eine eigene Konstruktionsabteilung für Folientastaturen, welche direkten Zugriff auf die Fertigungsstätten von Kundisch hat. Durch den Zusammenschluss möchten wir jetzt das Know-how und die Technologien beider Marken noch enger miteinander verzahnen und durch eine schlankere Managementstruktur die internen Prozesse optimieren. Darüber hinaus gewinnen beide Marken quasi einen Vertriebsstandort im wichtigen Markt Deutschland hinzu. Somit verkürzen sich die Wege für unsere Systemspezialisten zum Kunden drastisch.

Was verändert sich noch für Ihre Kunden durch den Zusammenschluss?

Für unsere Kunden wird sich außer einem deutlich erweiterten Angebot an Systemlösungen aus HMI und Gehäuse keine weitere Änderung ergeben. Die bekannten Ansprechpartner bleiben bestehen und beide Marken werden auch weiterhin ihre individuellen Produkte und Technologien betreuen. Wir werden bewusst beide Unternehmen als eigenständige Marken weiterführen, aber das in der Produktion gelebte „Teamplay“ deutlich stärken. Die Vertriebs- und Entwicklungsteams beider Marken werden sich künftig mit ihrer Expertise gegenseitig unterstützen und auf diese Weise für den Kunden die jeweils optimale, maßgeschneiderte Systemlösung schaffen.

Die Firma Kundisch gilt als Spezialist für Folientastaturen mit echten Kupferleitbahnen. Was ist das Besondere an dieser Technologie und wie profitiert ihr Kunde davon?

Die marktübliche Technologie der im Siebdruckverfahren erstellten Leiterbahnen in Leitsilbertechnologie ist für uns selbstverständlich, aber die Kupfertastatur zeichnet uns aus. Leiterbahnen aus Kupfer bieten viele Vorteile, auf die ich an dieser Stelle nicht im Detail eingehen möchte, aber zwei wichtige Themen zeigen besonders gut die technologischen Synergien zwischen Bopla und Kundisch auf: Unsere Gehäuse kommen häufig in anspruchsvollen Umgebungsbedingungen zum Einsatz und die Kupfertechnologie bietet eine extrem gute Widerstandsfähigkeit und hohe Lebensdauer. Außerdem lassen sich in einer Kupfertastatur elektronische Bauteile optimal integrieren. Während diese in einer Silbertastatur lediglich verklebt werden, ermöglichen die Leiterbahnen einer Kupfertastatur einen echten Lötprozess. Auf Basis der Kupfertechnologie und den daraus resultierenden Möglichkeiten zur Integration von Elektronikkomponenten hat Kundisch einzigartige Lösungen wie beispielsweise Tastaturen mit integrierten E-Paper Displays, seriellen Schnittstellen, integrierten NFC-Komponenten und entsprechender Hinterleuchtung entwickelt. Diese komplette Toolbox steht unseren Kunden bei der Realisierung ihrer individuellen HMI-Lösung zur Verfügung, welche dann direkt in das Gehäuse von Bopla integriert werden kann. So entstehen Systeme aus einem Guss – maßgeschneidert und falls erforderlich ab Stückzahl 1.

Wie wichtig ist das kundenspezifische Geschäft für Ihr Unternehmen – neben Ihrem sehr breiten Standardprogramm?

Bopla wird aufgrund seiner Marktposition und ursprünglichen Ausrichtung – leider – trotz intensiver Marketingaktivitäten immer noch viel zu stark als reiner Standardgehäuse-Hersteller wahrgenommen. Daher haben wir bereits vor ca. zehn Jahren damit begonnen, parallel zum etablierten Standardgehäuse-Programm die kundenspezifisch modifizierten und auch komplett kundenspezifischen Gehäuselösungen zu forcieren. Die dafür notwendigen Investitionen in geeignete Fertigungstechnologien wurden ebenso getätigt. Heute verfügen wir in der „Phoenix Mecano“-Gruppe über die zentralen Kerntechnologien zur Produktion der Roh-Gehäuse und an zahlreichen Standorten weltweit über die Kapazitäten zur Modifikation und Systemintegration.

Das Standardgeschäft aus dem Katalog ist und bleibt noch immer ein wichtiges Standbein für Bopla. Es hat sich aber überwiegend auf die Distributionsschiene verlagert.

Heißt dies, dass sich Ihr Unternehmen im Direktgeschäft verstärkt auf Dienstleistungen fokussiert?

Ein typischer Direktkunde kauft bei uns zumindest ein Gehäuse mit „Loch“ – und wenn wir unseren Job besonders gut machen, vertraut uns der Kunde sogar die komplette Realisierung seines elektronischen Gerätes an. Solche Projekte umfassen das komplette Portfolio an Know-how und Fertigungstechnologien, das uns in der „Phoenix Mecano“-Gruppe und bei unseren zuverlässigen externen Partnern zur Verfügung steht. Das Thema Displayintegration – insbesondere mit den Technologien zur Integration kapazitiver Touch-Systeme – haben wir in den vergangenen fünf Jahren besonderes stark vorangetrieben und decken damit offenbar exakt den Bedarf unserer Kunden ab. Dienstleistungen sind bei Weitem der wichtigste Bestandteil unseres Geschäftsmodells, ohne den die Rekordergebnisse der letzten Jahre nicht denkbar gewesen wären.

Mit der Marke Bopla haben wir über die vergangenen drei Jahre die höchsten Umsätze unserer 50-jährigen Firmenhistorie realisieren können und das Ganze mit steigender Tendenz. Die Integration von HMIs aller Art in unsere Gehäuse hat sich dabei als zentrales Standbein erwiesen.

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2. Interview, Teil 2: Technische Herausforderungen, die aktuelle Marktsituation und Covid-19

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