Auswirkungen von Corona auf Distribution

»Wir können digital!«

26. Mai 2020, 11:37 Uhr | Karin Zühlke

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Persönliche Vertriebskontakte sind wichtig

Denn trotz Digitalisierung: Die Distribution lebt von persönlichen Vertriebskontakten. Die Pandemie-bedingten Kontakteinschränkungen sind für diese Branche demnach eigentlich „Worst Case“. Damit komme man nach den Worten von Steinberger aber – wiederum auch dank digitaler Technologien – ganz gut klar: »Ich gehe davon aus, dass echte Besuche derzeit bei keinem genehmigt sind und dass alles über Teams, Zoom, Skype etc. läuft. Erstaunlicherweise läuft das ganz gut, wir hören, dass die persönliche Stimmung der Ansprechpartner bei den Kunden recht gut ist. Ich möchte jetzt nicht sagen, stressbefreit, aber doch sehr positiv und kollaborativ.«

Globalisierung hat Vor- und Nachteile

Inwieweit die Verwerfungen in der Lieferkette auch der starken Globalisierung geschuldet sind, wird derzeit heiß diskutiert. Steinberger entgegnet, dass Disruptionen mit Auswirkungen auf die Lieferkette im Prinzip nichts Neues sind, und nennt einige Beispiele: »Als 1993 eine Epoxy-Fabrik von Sumitomo in Japan in die Luft flog, gab es recht schnell eine Allokation. Dann Fukushima, der Vulkanausbruch in Island, der für eine Woche zum Stillstand des Flugverkehrs führte. Die Globalisierung an sich hat ihre Vor- und Nachteile.« Deglobalisierung habe genauso ihren Preis wie die radikale Verlagerung vieler Fertigungen nach China. »Wenn man die moderne Gesellschaft danach abklopft, wie viele ihrer Aktivitäten volkswirtschaftlich oder ökologisch unsinnig sind, dann reden wir über die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung.«

Die Notwendigkeit für gegenseitiges Verständnis aller Lieferketten-Partner ist nicht nur, aber vor allem in Krisenzeiten essenziell, um diese bestmöglich zu überstehen. Wie kann der FBDi dabei helfen? Der Verband sieht laut Steinberger seine Aufgabe nicht darin, Unternehmensstrategien zu definieren, sondern sicherzustellen, dass die vertretene Industrie in ihrer Bedeutung und ihrem Wert gehört wird. »Wir können Begriffe wie Solidarität und Common Sense betonen; ob die Solidarität dann tatsächlich gelebt wird, ist eine Frage der einzelnen Unternehmen. Unsere Aufgabe als Verband ist es auch, mit der Politik unsere Standpunkte über Innovation und Weichenstellungen für eine modernere Infrastruktur zu diskutieren. Da läuft seit Jahren Umsatz dieses Jahr wohl zweistellig zurückgeht. Umsatz dieses Jahr wohl zweistellig zurückgeht. Vieles falsch, überwiegend durch den Lobbyismus der gleichen Unternehmen, die jetzt mit dem Klingelbeutel in die Hauptstädte ziehen«, resümiert Steinberger.

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FBDi-Umsätze nach Produkgruppen in Q1
Wie verteilt sich der Umsatz bzw. Rückgang auf der im FBDi organisierten Distributoren im ersten Quartal nach Produktgruppen? Während Halbleiter, Sensoren, Elektromechanik und Stromversorgungen unterdurchschnittlich betroffen waren, verloren vor allem die passiven Bauelemente, Displays und Baugruppen teils deutlich. Die Halbleiterverkäufe schrumpften um 13,2 % auf 562 Millionen Euro, Passive um 28 % auf 95 Millionen Euro, Elektromechanik um 12,4 % auf 101 Millionen Euro. Die Sensoren (ohne Halbleitersensoren) blieben mit –0,3 % nahezu stabil, Stromversorgungen mit –9,2 % wenigstens einstellig. Display-Umsätze sanken um 15,1 % und Baugruppen und Werkzeuge um 17,7 %. Dies bringt eine leichte Gewichtsverschiebung am Markt: Halbleiter sinken auf 69 % Anteil am Gesamtmarkt, Passive auf 11,6 %, die Elektromechanik steigt auf 12,4 % (und überholt damit zum ersten Mal die Passiven) und die Stromversorgungen auf 3,5 %, den höchsten Wert seit der Erfassung in 2003. Alle anderen Produktgruppen kommen zusammen auf 3,7 %.


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