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Verträge von Distributoren und Kunden

Warum rechtliche Fallstricke lauern

08. Februar 2021, 12:09 Uhr   |  Karin Zühlke

Warum rechtliche Fallstricke lauern
© Gudeco

Ralf Liebetrau, Gudeco: »Ein seriöser Distributor kann nicht alle Aspekte betreffend Leistungserbringung und Vertraulichkeit zusagen, weil sie entweder nicht in seinem Erfüllungsbereich liegen oder in punkto Kommunikation ein Dritter einzubeziehen ist – in der Regel der Hersteller der Komponenten.«

Die Distribution erfüllt keine Werk- oder Dienstverträge, sondern Kaufverträge. Nicht jeder Verhandlungspartner auf Kundenseite ist sich dessen bewusst. Ein Gespräch mit Ralf Liebetrau, Gudeco, Leiter des Competence Teams Umwelt & Compliance des FBDi.

Markt&Technik: Das Competence Team Qualitätsmanagement des FBDi wird von Ihnen zusammen mit Patrick Lehn von Rutronik und Klaus Ullmer von Avnet geleitet. Neuester Wurf ist das „Quality-Paket“. Im Mittelpunkt steht dabei die Tatsache, dass ein Distributor in der Regel weder Werk- noch Dienstverträge erfüllt, sondern Kaufverträge. Wo genau liegen dabei die Unterschiede?

Ralf Liebetrau: Kundenseitige QSVs & NDAs sind zugeschnitten auf Produktionsbetriebe bzw. auf Entwicklungsbetriebe. Oft finden darin die darüber hinausgehenden Erfordernisse in Bezug auf Kommunikation und Logistik in der Distribution keine Berücksichtigung. Ein seriöser Distributor kann nicht alle Aspekte betreffend Leistungserbringung und Vertraulichkeit zusagen, weil sie entweder nicht in seinem Erfüllungsbereich liegen oder in puncto Kommunikation ein Dritter einzubeziehen ist – in der Regel der Hersteller der Komponenten.

Hier setzt die von unseren FBDi-Mitgliedern erarbeitete QSV an: Sie ist für alle Marktteilnehmer ein Instrument mit größter Rechts­sicherheit und spiegelt dieses Leistungsspek­trum bzw. den Verantwortungsbereich der Distribution wider.

Durch den geringeren Klärungsbedarf erreichen wir verkürzte Durchlaufzeiten bei den Verhandlungen zwischen Distributoren und Kunden. Dabei gibt es die QSV in zwei Versionen, die beide auf Erfahrungen der Mitglieder basieren und in Deutsch und Englisch verfügbar sind: eine „reine“ QSV bei bereits bestehenden Rahmen- und Lieferverträgen und eine Version mit Haftungs- und AGB-Regelung bei neuen Geschäftsbeziehungen.

Und inwieweit handelt es sich dabei um deutsches oder EU-Recht?

Die reinen Qualitätsthemen sind universell. Natürlich basieren die Dokumente auf deutschem Recht, aber bei Lieferung in ein Drittland sind selbstverständlich die Qualitätsaspekte des Empfängerlandes einzubeziehen.

Was ergibt sich für Distributoren daraus – insbesondere, wenn es um die Qualität bzw. Mängel und Reklamationen der von den Distributoren vertriebenen Produkte geht?

Unser FBDi-Leitfaden für Produktanalysen und 8D-Reports enthält Maßnahmen, die zur Verbesserung der Kommunikation, zur Klärung des Workflows und zur Definition von Verantwortlichkeiten bei Produktanalysen führen soll. Dabei gilt: Je qualifizierter der Antrag auf Produktanalyse erstellt wird, desto höher ist die Chance einer weiteren Bearbeitung durch die Hersteller.

Die Informationen sollten mit ausführlicher Fehlerbeschreibung in englischer Sprache (zur Vermeidung von Übersetzungsfehlern) in der vom Hersteller geforderten Form vorliegen. Finden die Vorgaben dieses Leitfadens Erfüllung, beschleunigt und verbessert das den ganzen Prozess. Das kommt dem Kunden entgegen, weil ein eventueller Produktionsstopp oder ein Lieferverzug damit vermieden bzw. verkürzt wird.

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