Einkaufsmanager-Index

Geschäftsaussichten verbessern sich, Lieferketten unter Druck

5. Januar 2026, 14:04 Uhr | Karin Zühlke
© melita/stock.adobe.com

Zum Jahresende 2025 zeigte sich die deutsche Industrie laut dem Einkaufsmanager-Index - EMI - weiterhin in einem herausfordernden Umfeld, sendet jedoch auch Signale der Stabilisierung und des vorsichtigen Optimismus.

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Der HCOB Einkaufsmanagerindex (EMI) für Deutschland, der gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) erhoben wird, lag im Dezember bei 47,0 Punkten. Damit blieb der Index zwar unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, spiegelt jedoch vor allem eine Phase der Anpassung nach einem volatilen Jahr wider.

Produktion im Dezember rückläufig

Die Produktion ging im Dezember erstmals seit zehn Monaten leicht zurück – eine Entwicklung, die Marktteilnehmende vor allem auf die anhaltend verhaltene Nachfrage im In- und Ausland zurückführen. Besonders der Konsumgüterbereich war von dieser Zurückhaltung betroffen. Gleichzeitig deutet die moderatere Dynamik darauf hin, dass viele Unternehmen ihre Kapazitäten gezielt anpassen und sich strategisch auf die kommenden Monate ausrichten.

Lieferketten bleiben unter Druck – Preise ziehen moderat an

Trotz geringerer Produktionsvolumina standen die Lieferketten zuletzt erneut im Fokus. Die Vorlaufzeiten verlängerten sich den vierten Monat in Folge, was auf Kapazitätsengpässe bei Zulieferern sowie anhaltende globale Handelskonflikte zurückzuführen ist. Parallel dazu stiegen die Einkaufspreise erstmals seit fast drei Jahren wieder an. Treiber dieser Entwicklung waren insbesondere höhere Preise für Metalle und elektronische Bauteile – ein Hinweis auf wieder anziehende Nachfrage in ausgewählten Schlüsselindustrien.

Unternehmen setzen auf Innovation und Investitionen

Ermutigend ist vor allem der Blick nach vorn: Die Geschäftsaussichten verbesserten sich im Dezember bereits den zweiten Monat in Folge und erreichten den höchsten Stand seit Juni 2025. Viele Unternehmen rechnen mit positiven Impulsen durch die Einführung neuer Produkte sowie durch steigende Investitionen, insbesondere in den Bereichen Verteidigung und Infrastruktur. Diese Erwartungen stärken das Vertrauen in eine schrittweise Belebung der industriellen Aktivität im Laufe des Jahres 2026.

Differenziertes Bild in den Industriesegmenten

Im Konsumgüterbereich führten sinkende Auftragseingänge zwar zu einer gedrosselten Fertigung, gleichzeitig gelang es den Unternehmen jedoch, Verkaufspreise leicht anzuheben und Kostenstrukturen zu stabilisieren.

Bei den Vorleistungsgütern zeigte sich eine geringere Produktion infolge schwächerer Neuaufträge, während die Fertigwarenlager deutlich aufgebaut wurden – ein Zeichen für vorbereitende Maßnahmen mit Blick auf eine mögliche Nachfrageerholung.

Der Investitionsgüterbereich erwies sich als besonders zukunftsorientiert: Trotz nahezu stagnierender Produktion infolge rückläufiger Exportaufträge stiegen die Geschäftsaussichten auf ein 46-Monatshoch, was die langfristig positive Erwartungshaltung der Unternehmen unterstreicht.

Fazit

Die aktuellen EMI-Daten zeigen eine Industrie im Übergang: kurzfristig noch geprägt von Zurückhaltung, mittelfristig jedoch getragen von Innovationsplänen, Investitionserwartungen und einem zunehmenden Vertrauen in eine wirtschaftliche Erholung.


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