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Netzverstärkung-Spezial „Supply Chain“

Von Dienstreisen, Chipmangel und Superhelden

Netzverstärkung KW 43
© WEKA FACHMEDIEN

Die Autoindustrie lässt Federn, Tesla hat Oberwasser, endlich wieder USA und der RaspPi im Undercover-Einsatz: u. a. darüber sprechen wir im Netzverstärkung-Spezial „Supply Chain“.

Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zu »Netzverstärkung: Die Woche aus der Sicht von elektroniknet«. Diesmal mit einer Spezial-Ausgabe zum Thema „Supply Chain“.  

Seit Monaten haben alle Branchen, die elektronische Baugruppen fertigen oder einsetzen mit der anhaltenden Lieferknappheit von Bauelementen zu kämpfen. Die Herausforderungen sind unglaublich vielschichtig. Einige Facetten wollen wir in „Netzverstärkung Spezial Supply Chain“ beleuchten.

Netzverstärkung - Die Woche aus Sicht von elektroniknet (KW43/2021): Die Autoindustrie lässt Federn, Tesla hat Oberwasser,endlich wieder USA! und der RaspPi im Supply Chain Undercover-Einsatz: u. a. darüber sprechen wir im Netzverstärkung-Spezial „Supply Chain“.

Kurz&Kompakt: Nachrichten aus der Supply Chain

Halbleiter-Engpässe und Gewinnsprung
Auch Intel ächzt unter Bauteile-Knappheit

Der Chipriese Intel konnte im vergangenen Quartal weniger Chips für Notebooks verkaufen - weil den Herstellern andere Bauteile fehlten, um die Geräte fertigzustellen. Der Konzern will demnächst in Europa investieren und viel Geld in neue Automotive-Kapazitäten stecken. Großkunden wie BMW sind hoch erfreut.

Lieferkettenprobleme gefährden Erholung
Globales Auftragsvolumen sinkt in Q3 alarmierend

Das Verhältnis zwischen Bestellungen und Rechnungsstellung ist in Schieflage geraten. Im Q3 Index of Global Trade Health von Tradeshift werden die Lieferketten-Probleme sichtbar.

Autovermieter Hertz
100.000 Tesla bestellt

Tesla trotzt der Chipkrise. Im dritten Quartal brachte das Unternehmen 241.391 Fahrzeuge an seine Kundschaft, rund 73 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Überzeugt hat Elon Musk auch den Autovermieter Hertz. Der kaufte für 4,2 Mrd. Dollar Autos bei Tesla. Das ließ die Anleger jubilieren und den Börsenwert die magische Billionenmarke knacken.
 

Sorgenkind der Woche

Dudenhöffer
Schwächstes Autojahr seit Wiedervereinigung

Das Sorgenkind ist einmal mehr die Automobilindustrie: Auf dem deutschen Automarkt werden nach Einschätzung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer in diesem Jahr so wenige Neuwagen zugelassen wie noch nie seit der Wiedervereinigung:  Das Center Automotive Research in Duisburg prognostiziert, dass die eh schon schwachen Zulassungszahlen von gut 2,9 Mio. Autos im vergangenen Jahr in 2021 nicht erreicht werden. Als Grund nennt Dudenhöfer – wie zu erwarten war - den Chipmangel. Der lässt bekanntlich bei vielen Herstellern die Produktion stocken. Pech für den Verbraucher: Auch die Rabatte gingen in den Keller. Durchschnittlich gab es 17,2 Prozent Ermäßigung auf den Listenpreis. Damit sind die Rabatte laut Dudenhöfer so niedrig wie seit 10 Jahren nicht mehr.    
 

(Un)begrenzte (Un)möglichkeiten

Einreisehürden nach China und USA
»Reisebeschränkungen behindern Expansion«

Noch immer sind Geschäftsreisen nach China und in die USA infolge der Pandemie schwierig bis unmöglich. Ab 8. November soll es endlich Erleichterungen geben: Geimpfte können dann mit einem negativen PCR-Test ohne Quarantäne oder besondere Auflagen einreisen.

Zementiert scheinen dagegen die rigiden Einreisevorschriften für China: Wer einreisen will, muss nicht nur sein Vorhaben begründen, sondern auch einen PCR- ´´ und einen Antikörpertest im Gepäck haben und nach der Einreise bis zu vier Wochen in Quarantäne.

Die Einreisehürden machen europäischen Elektronik-Firmen vor allem bei ihren Expansions- und Investitionsvorhaben einen Strich durch die Rechnung.

Dazu fünf Fragen an Dr. Martin Rausch, CTO von Recom: 

1)    Inwieweit behindern die aktuellen Einreisebeschränkungen nach USA und China ihre Expansionsabsichten in den beiden Regionen?
Die aktuellen Beschränkungen sind eine große Herausforderung bei unseren Expansionen, da für einen Erstkontakt - z.B. Neukunden-Generierung - ein Face-to-Face-Meeting unersetzlich ist. Als Maßnahme hat RECOM lokale vertrauensvolle General Manager eingesetzt, die quasi als Sprachrohr vom HQ in die lokale Mannschaft agieren.

2)    Welche Auswirkungen haben die Beschränkungen auf laufende Projekte in den genannte Ländern?
Durch die obige Maßnahme sind die Auswirkungen akzeptabel. Fachliche Themen können zudem sehr gut über Online-Meetings abgewickelt werden. Auch mit China funktioniert hierbei MS Teams bei RECOM ausgezeichnet. Kundenaudits werden mittels Online-Meetings mit einer „Kamera-Übertragung“ von den lokalen Arbeitsplätzen durchgeführt.

3)    Und auf Ihre Betriebsabläufe vor Ort?
Durch die obige Maßnahme sind die Auswirkungen akzeptabel.

4)    Was lässt sich auch durch Online-Meetings abwickeln und wofür ist aus Ihrer Sicht unbedingt Präsenz erforderlich?
Fachliche Themen sowie der Austausch mit Personen, die man bereits einmal persönlich (physikalisch) getroffen hat, lassen sich sehr gut durch Online-Meetings abwickeln. Herausfordernd sind alle Personalthemen sowie Erstkontakte, wo der zwischenmenschliche Austausch essentiell ist.

5)    Wenn die Hürden zur Einreise in die USA fallen: Planen Sie kurzfristig die Möglichkeit einer Geschäftsreise in die USA wahrzunehmen?
Aufgrund der unter 4.) angeführten Themen, wo eine Präsenz unbedingt erforderlich sind, werden Geschäftsreisen nach USA oder China nach Öffnung der Grenzen zeitnah durchgeführt.

 

Versteckte Helden

Einsatz im Distributionszentrum

Raspberry Pi automatisiert die Logistik bei reichelt

Auch wenn deutsche Mittelständler das große Weltgeschehen in Sachen Supply Chain nicht in der Hand haben – Verbesserungen fangen ja bekanntlich im Kleinen an. Mit einer kreativen Idee hat der Distributor Reichelt Elektronik aus Norddeutschland die hauseigene Logistik optimiert:  Der neue Star im Logistikzentrum ist der legendäre Minicomputer Raspberry Pi: Diesmal nicht als Verkaufsschlager sondern im „Feldeinsatz“: Vom zentralen Lager in Sande versendet Reichelt Elektronik täglich bis zu 10.000 Pakete an Privat- und Geschäftskunden in 128 Länder weltweit.
Dafür werden in der Logistik ein- und zweistufige Kommissionierstationen sowie ein automatisches Kleinteilelager und ein vollautomatisches Palettenlager verwendet. Alle sind miteinander verknüpft.  Bislang steuerten die Mitarbeiter die Kommissionierstationen über Sensoren. Um noch effizienter agieren zu können und weil die Drucktaster und Sensoren verschleißanfällig waren, setzt der Elektronikhändler jetzt Raspberry Pi Computer für die Steuerung der Stationen ein. So kann die Ware über einen kapazitiven Sensor berührungslos empfangen, quittiert und eingelagert werden. Außerdem zeigt eine intelligente LED-Leiste an, welche Fächer für die kommissionierte Ware frei sind.

 

Thementag "Lieferengpässe"

Am 11. November 2021 gibt es einen Online-Thementag zum Thema Chipkrise. Drei kompetente Referenten berichten über Ursachen, Folgen und mögliche Lösungswege. Die Teilnahme ist kostenfrei.

 


 


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