Schwerpunkte

Initiative für sichere Straßen

Jetzt andere Verkehrsteilnehmer vor Gefahrenstellen warnen

01. Februar 2021, 08:57 Uhr   |  Irina Hübner

Jetzt andere Verkehrsteilnehmer vor Gefahrenstellen warnen
© FeGiS+ | gefahrenstellen.de

Unfallvorhersagen könnten sich verbessern lassen, indem alle Verkehrsteilnehmer Gefahren online melden.

Schlechte Straßenverhältnisse, unübersichtliche Stellen. Verkehrsteilnehmer erleben solche gefährlichen Verkehrssituationen täglich – egal ob Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer. Nun können permanente Gefahrenstellen per App gemeldet und damit andere Verkehrsteilnehmer geschützt werden.

Eine repräsentative Umfrage der Initiative für sicherere Straßen mit dem Marktforscher OmniQuest ergab, dass 61 % der Deutschen täglich eine oder mehrere Gefahrenstellen auf ihren Wegen erleben. Am häufigsten wurden dabei mit 46 % schlechte Straßenverhältnisse sowie mit 42 % unübersichtliche Stellen genannt. Die Untersuchung bezog sich auf längerfristig vorhandene Gefahrenquellen, also nicht auf Staus oder Sperrungen. Aber auch die anderen Verkehrsteilnehmer stellen beispielsweise durch Fehlverhalten ein Risiko dar.

»Fast jeder kennt Gefahrenstellen vor seiner Haustür, die es meist schon sehr lange gibt«, sagt Arno Wolter von der Initiative für sichere Straßen. »Aber oft wird von offizieller Seite erst etwas unternommen, nachdem es zu Unfällen bzw. zu Unfallhäufungen kam. Jetzt können alle Verkehrsteilnehmer selbst zu mehr Sicherheit auf der Straße beitragen und gefährliche Stellen auf einer zentralen Online-Karte melden oder bereits gemeldete Stellen unterstützen.«

Zusammen mit der RWTH Aachen hat die Initiative für sicherere Straßen im Pilotprojekt »FeGiS+ Früherkennung von Gefahrenstellen im Straßenverkehr durch Smart Data« solche Meldungen im Raum Bonn/Aachen bereits erfolgreich getestet. Nun startet das daraus entstandene Portal www.gefahrenstellen.de bundesweit.

»Im Rahmen des Pilotprojektes wurden Tausende Meldungen zu Gefahrenstellen samt Kommentaren und Fotos von Nutzern eingetragen«, erklärt Wolter. »Diese Informationen bringen wir mit polizeilichen Unfalldaten sowie mit Wetterdaten und weiteren Einflussfaktoren zusammen und berechnen daraus einen Gefahrenscore. Die bisherigen Auswertungen zeigen, dass wir damit künftig Vorhersagen über Unfallschwerpunkte treffen können, bevor es zu Unfällen kommt.«

Selbst Gefahrenstellen melden

Alle Verkehrsteilnehmer sind aufgerufen, ab sofort selbst gefährliche Stellen zu melden. Dies funktioniert über die Internetseite www.gefahrenstellen.de oder über die Gefahrenstellen Android App. Die so entstehende deutschlandweite Gefahrenstellen-Karte soll nicht nur dazu beitragen, andere Verkehrsteilnehmer vor Gefahren zu warnen, sondern soll es zudem möglich machen, bei der Navigation nicht nur die schnellste, sondern alternativ die sicherste Route zu wählen.

Darüber hinaus soll die Gefahrenkarte Basis sein für den Dialog mit Kommunen: »Wenn sich bestimmte Gefahrenstellen aufgrund von hoher Bürgerbeteiligung herauskristallisieren, ist dies ein klarer Auftrag an die jeweilige Kommune, zu prüfen, inwieweit gefährliche Stellen zum Beispiel durch bauliche Maßnahmen entschärft werden können«, regt Verkehrsexperte Wolter an. Das könne vom Zurückschneiden von Bewuchs über einen neuen Überweg bis hin zu besonders gekennzeichneten Fahrradwegen reichen.

Verstärkt wird das Forschungs-Konsortium inzwischen durch die Deutsche Hochschule der Polizei sowie die Verkehrsplaner von PTV AG und DTV-Verkehrsconsult. Das Forschungsprojekt FeGiS+ wird im Rahmen der Förderrichtlinie Modernitätsfonds mFUND durch das Bundesverkehrsministerium gefördert.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

RWTH Aachen International Academy, PTV Planung Transport Verkehr AG