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Batteriefertigung für Elektromobilität

SVolt mit Milliardeninvestition im Saarland

17. November 2020, 12:58 Uhr   |  Gerhard Stelzer

SVolt mit Milliardeninvestition im Saarland
© SVolt

Neuer Campus der Batteriezellfertigung von SVolt im saarländischen Überherrn.

Der chinesische Batteriespezialist SVolt möchte an zwei Produktionsstandorten im Saarland ab 2022 Batteriezellen und Module herstellen. Im Endausbau visiert SVolt mit einer Investition von 2 Mrd. Euro und 2000 Mitarbeitern eine Kapazität von 24 GWh an.

Die in China beheimatete SVOLT Energy Technology (SVolt), die Lithium-Ionen-Batterien und Batteriesysteme für Elektrofahrzeuge sowie Energiespeichersysteme entwickelt und produziert, wird seinen auf der IAA 2019 angekündigten europäischen Produktionsstandort nun im Saarland errichten. »Unter 32 Standortkandidaten fiel die Wahl auf das Saarland«, freut sich der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans.

Die Frage »Warum im Saarland?«, begründete Kai-Uwe Wollenhaupt, President Svolt Europe & Vice President Svolt Energy Technology damit, dass es nicht den einen Grund gebe, es sei vielmehr die Kombination aus der Verfügbarkeit hochqualifizierter Mitarbeiter und grüner Energie, einer zentralen Lage in Europa sowie der agilen und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der saarländischen Regierung.

»Für SVolt als globales Hightech-Unternehmen für Elektromobilität ist die europäische Automobilindustrie sowie der der wachsende Markt für erneuerbare Energien von großer strategischer Bedeutung«, ergänzte dessen Chef Hongxin Yang, President & General Manager SVolt Energy Technology.

Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlands: »Das Auto ist im Saarland eine der zentralen Stützen des Industriestandortes. Für uns geht es darum, eine Führungsrolle bei der Entwicklung umweltverträglicher Fahrzeuge der Zukunft zu spielen.«
© SVolt | Staatskanzlei Saarland

Tobias Hans, Ministerpräsident des Saarlands in der virtuellen Pressekonferenz: »Das Auto ist im Saarland eine der zentralen Stützen des Industriestandortes. Für uns geht es darum, eine Führungsrolle bei der Entwicklung umweltverträglicher Fahrzeuge der Zukunft zu spielen.«

An zwei Standorten im Saarland werden eine hochmoderne Zellfabrik mit 24 GWh Produktionskapazität in der finalen Ausbaustufe sowie eine Modul- und Pack-Fabrik entstehen. Geplant ist eine Gesamtinvestition von bis zu zwei Milliarden Euro in Europa. Insgesamt will SVolt in der Endausbaustufe bis zu 2.000 Arbeitsplätze schaffen. Die Batteriezellfertigung mit geplantem Produktionsstart Ende 2023 wird nahe der saarländischen Ortschaft Überherrn entstehen. Der Spatenstich ist für das dritte Quartal 2021 vorgesehen. Die Modul- und Pack-Fabrik wird auf einem 30 km entfernten, bereits industrialisierten Gelände bei Heusweiler realisiert, das für die Modul- und Pack-Fertigung umgebaut wird. Hier soll die Produktion bereits Mitte 2022 anlaufen. Geplant ist außerdem der Aufbau einer F&E-Einrichtung im Saarland, die die Batterietechnik weiter vorantreiben soll. Die anvisierte Produktionskapazität von 24 GWh entspricht Batterien für 300.000 bis 500.000 Elektrofahrzeuge.   
 
Umgesetzt wird das Großprojekt in enger Zusammenarbeit zwischen Solt, dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr (MWAEV) des Saarlandes und der Strukturholding Saar GmbH (SHS). Das saarländische Wirtschaftsministerium ist mit seinem Umsetzungskonzept aktiv in die Ansiedlungsgespräche gegangen und konnte SVolt überzeugen. Die SHS wird von SVolt zunächst mit der Errichtung und dem schlüsselfertigen Aufbau der beiden Fabriken beauftragt. Anschließend soll laut Thomas Schuck von der SHS mit SVolt über die Vermietung oder Veräußerung verhandelt werden.

SVolt plant 24-GWh-Batteriefabrik im Saarland

Im saarländischen Überherrn soll die neue Batteriezellfertigung von SVolt entstehen.
Im Endausbau sollen in Überherrn Batterien mit einer Kapazität von insgesamt 24 GWh gefertigt werden.
Der neue Produktionsstandort von SVolt im saarländischen Überherrn.

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Spin-off von Great Wall Motors

Als Spin-off des chinesischen Automobilherstellers Great Wall Motors kombiniert SVolt tiefgreifendes systemisches Wissen im Bereich der Batteriesysteme und des -managements sowie umfassendes Know-how im Bereich der Fahrzeugintegration. Das Produktportfolio umfasst hochwertige Batteriezellen und deren Zellchemie, Module und Hochvoltspeicher (Packs) ebenso wie Batteriemanagementsysteme (BMS) und cloudbasierte Softwarelösungen.
 
Als systemischer Anbieter entwickelt und produziert SVolt für den Automotive-Sektor optimierte Lithium-Ionen-Batterien. Dazu zählen neben Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP) und Lithium-Nickel-Kobalt-Mangan-(NCM)-Batterien, auch neuartige kobaltfreie Batterien (NMX). Zudem bietet Svolt Batteriezell-Designs in den bekannten Bauformen (prismatisch, zylindrisch und Pouch) an. Das umfasst Produkte nach MEB- und VDA-Standard mit Top-Terminal-Design ebenso wie die eigens entwickelten L-Typ-Batteriezellen mit Side-Terminal-Design.
 
Auf Modul-Ebene offeriert das Unternehmen Automotive-Standardsysteme (MEB, VDA) sowie spezifische Sonderlösungen. Darüber hinaus entwickelt SVolt Batterie-Packs für eine Vielzahl von Fahrzeugarten und -größen. Künftig sollen Fahrzeughersteller die Daten von Fahrzeugen außerdem mit SVolt-Technologie über die sogenannte »SVOLT Cloud Plattform« analysieren und ihren Kunden so Zusatzdienste, wie eine intelligente Batterieüberwachung anbieten können. So erhalten Fahrzeugeigentümer unter anderem Informationen zum Restwert der Batterie etwa zum Lebensende des Fahrzeugs.

Hochnickelzellchemie ohne Kobalt

Neben Lösungen, die den gängigen Marktstandards entsprechen, arbeitet Svolt intensiv an der Entwicklung neuer und der kontinuierlichen Weiterentwicklung bestehender Technologien. Mit zwei großen R&D-Zentren in Baoding und Wuxi, China, und drei R&D-Hubs beschäftigt das Unternehmen derzeit rund 1.500 Mitarbeiter allein im Bereich Forschung & Entwicklung und meldete 2019 über 550 Patente an. So ist SVolt unter anderem das erste Unternehmen, dem es gelungen ist, eine Hochnickelzellchemie ohne Kobalt zu massentauglicher industrieller Serienreife zu bringen.
 
Die neuartigen Nickel-Mangan-Batteriezellen (NMX), die ebenfalls auf der IAA 2019 erstmals angekündigt wurden, verzichten vollständig auf das umstrittene Schwermetall Kobalt. Sie bestehen zu 75 Prozent aus Nickel und 25 Prozent aus Mangan und werden über eigens entwickelte Dotierungs- und Beschichtungsprozesse stabilisiert. Auf diese Weise erzielen die NMX-Batteriezellen von SVolt eine Energiedichte, die mit der von herkömmlichen Hochnickelbatteriezellen (NCM) vergleichbar ist. Gleichzeitig werden die Zellen durch den Verzicht auf Kobalt nachhaltiger, langlebiger und preiswerter. Bereits Mitte 2021 will das Unternehmen die ersten kobaltfreien Hochnickelbatteriezellen in Fahrzeugen verbaut auf den Markt bringen. Derzeit laufen bereits Feldversuche.
 
Der Hauptsitz von SVolt befindet sich im Jintan District, Changzhou, Provinz Jiangsu in China. Firmensitz der europäischen Tochter SVolt Energy Technology (Europe) GmbH ist Frankfurt am Main. Weltweit beschäftigt SVolt rund 3.000 Mitarbeiter, davon die Hälfte im Bereich Forschung & Entwicklung (R&D).

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