Dena-Umfrage zur Verkehrswende

Potenziale alternativer Antriebe noch nicht ausgeschöpft

24. März 2022, 13:01 Uhr | Kathrin Veigel
Dena Alternative Antriebe Umfrage
Laut Dena besteht noch erheblicher Informations- und Aufklärungsbedarf zu Fahrzeugen mit alternativen Antrieben.
© Shutterstock/ Alexander Steamaze; Dena

Verbraucherinnen und Verbraucher sind nach wie vor nicht ausreichend über die Vorteile und die Notwendigkeit alternativer Antriebe informiert. Das hat eine Umfrage der Deutschen Energie-Agentur im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz ergeben.

Obwohl die Neuzulassungszahlen insbesondere der batterieelektrischen Fahrzeuge steigen und das Thema in der Öffentlichkeit präsent vertreten ist, würde sich lediglich ein gutes Viertel (29 Prozent) der Befragten bei einer Neuanschaffung für ein Elektrofahrzeug entscheiden (gegenüber einem Fünftel für ein Hybrid-Fahrzeug und 23 Prozent für einen Benzinantrieb).

Das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2030 15 Millionen Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen zu bringen, kann mit dieser Entwicklung nicht erreicht werden. Insbesondere im ländlichen Raum muss laut der Deutschen Energie-Agentur (dena), Überzeugungsarbeit geleistet werden. Hier fällt die Bereitschaft zur Anschaffung eines Fahrzeugs mit einem alternativen Antrieb nochmals geringer aus. Nichtsdestotrotz geht die Hälfte der Befragten davon aus, dass batterieelektrische Fahrzeuge im Jahr 2030 Marktführer sein werden. Nur jeder Vierte erwartet das für Brennstoffzellenfahrzeuge, lediglich 10 Prozent der Befragten für reine Verbrennungsmotoren.

»Die Bundesregierung forciert die Elektromobilität und den Ausbau der Ladeinfrastruktur erfreulicherweise mit hoher Priorität. Die aktuellen Umfrageergebnisse zeigen dabei einmal mehr, dass es zu einem nachhaltigen Markthochlauf mehr bedarf als einer durchaus auch kritikwürdigen und daher immer wieder zu überarbeitenden Förderregelung«, so Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Dena-Geschäftsführung. 

Neben dem weiteren intensiven Ausbau der Ladeinfrastruktur solle vermehrt dafür gesorgt werden, dass perspektivisch auch ohne staatliche Förderung ein attraktives Fahrzeugangebot entstehen kann, sowohl im Neuwagen-, als auch im Gebrauchtwagenmarkt. Zudem seien Informationskampagnen zu den Vorteilen dieser Antriebe und ihrer Unterhaltskosten weiterhin notwendig, insbesondere mit Hinblick auf die abzusehenden noch weiteren Preissteigerungen fossiler Kraftstoffe.

Informationsbedarf ist nach wie vor hoch

Großer Informationsbedarf besteht der Umfrage zufolge auch bei der Einschätzung der ökologischen Vorzüge von Elektrofahrzeugen. Die Hälfte der Befragten hält Brennstoffzellenfahrzeuge für die ökologischste Wahl. Lediglich ein Viertel sieht in batterieelektrischen Fahrzeugen die ökologischste Variante. Beim aktuell kontrovers diskutierten Thema »synthetische Kraftstoffe« halten 60 Prozent der Befragten Verbrenner-Fahrzeuge für umweltverträglich, sofern der synthetische Kraftstoff unter Einsatz erneuerbarer Energien hergestellt wird.

Dena Umfrage Alternative Antriebe
Brennstoffzellenfahrzeuge sind für die meisten der Befragten der Dena-Studie die ökologischste Wahl.
© Dena

Auch die Umfrageergebnisse zu gebrauchten Elektrofahrzeugen zeigen Informationsdefizite der Befragten auf. Über die Hälfte (56 Prozent) lehnt den Kauf eines gebrauchten Elektrofahrzeugs bisher ab, 70 Prozent dieser Gruppe gaben als Hauptgrund Zweifel an der Batterielebensdauer an. Hier besteht noch erheblicher Aufklärungs- und Handlungsbedarf, da sich die Entwicklungssprünge der Batterietechnologie in den letzten Jahren erheblich beschleunigt haben und der Gebrauchtwagenmarkt eine zentrale Rolle in der dauerhaften Bestandssteigerung von Elektrofahrzeugen haben wird.  

»Die Umfrage zeigt eindrücklich auf, dass der derzeitige rasante Anstieg der Zulassungszahlen im Neuwagenbereich nicht über umfangreiche offene Baustellen für eine nachhaltige positive Entwicklung hinwegtäuschen darf. Ein attraktives Angebot an Neu- und Gebrauchtwagen ist zwingend notwendig, zudem müssen die Sorgen der Verbraucherinnen und Verbraucher im Gebrauchtwagensektor ernst genommen und adressiert werden, ansonsten besteht die Gefahr baldiger Ernüchterung im Markthochlauf der alternativen Antriebe«, mahnt Andreas Kuhlmann.  


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