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Navigation mit EV-Features ist im Kommen

2. Dezember 2022, 5:34 Uhr | Iris Stroh
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© HERE Technologies/WEKA Fachmedien

Vor kurzem gab Here Technologies bekannt, dass der neue Lotus ELETRE EV-Navigation und Reichweiten-Assistenten von Here ausgestattet ist. Ronak Amin, Product Marketing Manager bei Here Technologies, ist überzeugt, dass der Markt immer stärker auf vernetzte Navigationsdienste setzt.

Markt & Technik: Strategy Analytics geht davon aus, dass die weltweite Produktion von EV-Fahrzeugen zwischen 2022 und 2027 um 286 Prozent auf 258,5 Mio. Fahrzeuge ansteigen wird. Wie viel Prozent dieser Fahrzeuge werden mit einem Navigationssystem ausgestattet sein, das die Besonderheiten von EVs unterstützt?

Ronak Amin: Die Industrie erwartet inzwischen ganz klar, dass On-Board-Navigationssysteme mit robusten, integrierten Funktionalitäten für die Elektromobilität ausgestattet sind. Wir sind überzeugt, dass, ganz allgemein gesprochen, vernetzte Dienste schneller aus dem Premium- ins Volumensegment skalieren werden. Der starke Anstieg der Produktion von Elektrofahrzeugen in den nächsten Jahren bedeutet unserer Meinung nach auch, dass immer mehr Fahrer:innen Fahrzeuge mit vernetzten Navigationssystemen als Mehrwertdienste bevorzugen werden.

Könnte solch ein System überflüssig werden, wenn die Ladeinfrastruktur endlich richtig ausgebaut wäre oder geht es um mehr als nur um Reichweitenangst?

Reichweitenangst ist in der Elektromobilität nach wie vor ein großes Thema. Gleichzeitig wird die Ladeinfrastruktur fortlaufend besser. Letzten Endes ist das eine Frage des Vertrauens. Navigationslösungen für Elektrofahrzeuge, die Reichweitenangst lindern, tragen zur flächendeckenden Akzeptanz der E-Mobilität bei. Nutzer:innen werden sich an den Komfort solcher Navigationslösungen gewöhnen und sie zu schätzen wissen. Daher werden sie diese auch bei einem fortgeschritteneren Ausbau der Ladeinfrastruktur nachfragen.

Here ist bereits im Lotus Eletre vertreten, wobei betont wurde, dass der Lotus Eletre das erste europäische Fahrzeug mit dieser Navigation ist. Werden ähnliche Systeme, von Here oder von konkurrierenden Anbietern in anderen Regionen schon stärker eingesetzt?

Der Lotus Eletre ist das erste Fahrzeug in Europa, das EV Routing, EV Range Assistant und Predictive Routing von Here nutzt – alles Teile von Here Navigation. Weltweit nutzen aber auch andere OEMs bereits Here Navigation. Bei diesem Produkt handelt es sich um eine White-Label-SaaS-Lösung für die Fahrzeugnavigation, die am Markt etabliert ist. Im Zuge dessen setzen auch immer mehr Hersteller auf unsere Navigationslösungen für die Elektromobilität. Sie kennen und nutzen bereits das Grundprodukt und können es an die speziellen Anforderungen der Elektromobilität anpassen.

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Ronak Amin
Ronak Amin, HERE Technologies: »Unsere vernetzten Navigationslösungen sind hochgradig skalierbar und anpassbar. Sie geben unseren OEM-Kunden die Flexibilität, die Nutzererfahrung so zu gestalten, wie es am besten zu ihren Marken und ihrem Markt passt. Das heißt, die Lösung ist für sämtliche Fahrzeugtypen und Klassen geeignet.«
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Welche Besonderheiten muss eine auf EV optimierte Navigation aufweisen, wodurch unterscheidet sich Here in diesem Bereich von konkurrierenden Anbietern?

Navigation in der Elektromobilität hat andere Ansprüche, als nur das Fahrzeug von A nach B zu bringen. Es geht auch darum, Fahrer:innen die Furcht zu nehmen, dass sie liegenbleiben, weil die Batterie leer ist. Darum muss eine Navigationslösung immer aktuell sein, was Standort und Verfügbarkeit der Ladesäulen entlang der Strecke betrifft. Diese Aktualität und Verlässlichkeit bietet unsere Datenbank Here EV Charge Points, die sich über eine API anbinden lässt. Hinzu kommen weitere Informationen wie Straßengeometrie, Topographie, Verkehrsaufkommen oder das Wetter, die Einfluss auf die Reichweite haben. Wie liefern über unsere Navigationslösungen auch diese Informationen. Unsere Algorithmen verarbeiten sie, um die Reichweite des Fahrzeugs zu berechnen und mögliche Ladestopps entlang der Route einzuplanen.

Ein weiterer Faktor ist der individuelle Fahrstil. Wer gerne aufs Gas tritt und einen rasanten Fahrstil pflegt, verbraucht mehr Strom. Unsere Lösung erlernt das Fahrverhalten der Fahrer:innen und ist in der Lage, es in die Berechnung der Route mit einzubeziehen.

Inwieweit müssen die Systeme auf die verschiedenen Modelle/OEMs angepasst werden?

Das spielt natürlich eine Rolle, weil jedes Fahrzeug einen anderen Stromverbrauch hat. Die Batterie ist ein weiterer entscheidender Faktor. Es geht um die Gesamtkapazität, aber auch um das Alterungsprofil und den spezifischen Verbrauch des Batteriemodells. Wir sind in der Lage, die Navigationslösung daraufhin anzupassen.

Die Fragen stellte Iris Stroh


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