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Globale Zusammenarbeit trotzt geopolitischen Herausforderungen

12. Januar 2026, 8:54 Uhr | Iris Stroh
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Das Global Cooperation Barometer 2026 zeigt, dass der starke Druck auf multilaterale Institutionen dazu führt, dass sich die globale Zusammenarbeit zwar verändert, dass das Gesamtniveau aber nicht zurückfällt.

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Laut dem Global Cooperation Barometer des Weltwirtschaftsforums, das in Zusammenarbeit mit McKinsey entwickelt wurde, erweist sich die globale Zusammenarbeit als stabil, das Gesamtniveau wurde gehalten. Allerdings verloren klassische multilaterale Kooperationsformen an Bedeutung, während kleinere, flexiblere Bündnisse von Staaten – und teilweise auch Unternehmen – eine entscheidende Rolle spielten, um das Gesamtniveau der Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten.

Allerdings hieß es auch, dass das Niveau der Zusammenarbeit unter dem erforderlichen Maß blieb, um zentrale wirtschaftliche, sicherheitspolitische und ökologische Herausforderungen wirksam bewältigen zu können. Die klare Forderung: »In einem zunehmend komplexen und unsicheren geopolitischen Umfeld sind offene und konstruktive Dialoge entscheidend, um gemeinsame Interessen zu identifizieren und tragfähige Kooperationswege zu finden.«

Was misst das Global Cooperation Barometer?

Das Barometer erscheint 2026 zum dritten Mal und nutzt 41 Kennzahlen, um das weltweite Kooperationsniveau in fünf Bereichen zu bewerten:

  • Handel und Kapital
  • Innovation und Technologie
  • Klima und natürliche Ressourcen
  • Gesundheit und Wohlbefinden
  • Frieden und Sicherheit

Zentrale Ergebnisse des Barometers 2026

Das Gesamtniveau der Zusammenarbeit ist in den letzten Jahren weitgehend stabil geblieben. Die Form der Zusammenarbeit verändert sich jedoch: Klassische multilaterale Mechanismen verlieren an Gewicht, während regionale, themenspezifische und flexiblere Kooperationsformate zunehmen. Die größten Fortschritte gab es dort, wo globale Ziele mit nationalen Interessen übereinstimmen – insbesondere bei Klima, Natur sowie Innovation und Technologie. Gesundheit sowie Handel und Kapital stagnierten. Der Bereich Frieden und Sicherheit verzeichnete den stärksten Rückgang.

Børge Brende, Präsident und CEO des World Economic Forum, kommentiert: »In einer der volatilsten und unsichersten Phasen seit Jahrzehnten hat sich Zusammenarbeit als widerstandsfähig erwiesen. Auch wenn sie heute anders aussieht als früher, bleiben kooperative Ansätze unverzichtbar – um Volkswirtschaften sinnvoll weiterzuentwickeln, Innovation verantwortungsbewusst voranzutreiben und uns auf die Herausforderungen einer zunehmend unsicheren Ära vorzubereiten. Flexible, reaktionsfähige und zielgerichtete Ansätze können den aktuellen Turbulenzen am ehesten standhalten und Ergebnisse liefern.« Bob Sternfels, Global Managing Partner bei McKinsey, ergänzt: »Führungskräfte definieren grenzüberschreitende Zusammenarbeit neu. Sie sieht heute anders aus und umfasst andere Partner, wichtig ist jedoch, dass sie weiterhin einigen wesentlichen gemeinsamen Prioritäten gerecht wird. Auch in Zeiten globaler Spaltung kann und wird die Zusammenarbeit weiter zunehmen.«

Wie sich Zusammenarbeit konkret verändert

Handel und Kapital - die Zusammenarbeit stagnierte, blieb aber über dem Niveau von 2019. Der Welthandel mit Gütern wuchs langsamer als die Weltwirtschaft insgesamt. Handels- und Kapitalströme verlagern sich zunehmend zu politisch und wirtschaftlich stärker abgestimmten Partnern. Während das multilaterale Handelssystem unter Druck gerät, gewinnen kleinere Koalitionen an Bedeutung, etwa durch Initiativen wie die Future of Investment and Trade (FIT) Partnership.

Innovation und Technologie - die Zusammenarbeit nahm zu, trotz verschärfter Export- und Technologiekontrollen. IT-Dienstleistungen, Talentmobilität und internationale Datenkapazitäten wuchsen stark – die globale Bandbreite ist heute viermal so hoch wie vor der COVID-19-Pandemie. Gleichzeitig nahmen Beschränkungen für kritische Technologien zu, insbesondere zwischen den USA und China. Dennoch entstehen neue Kooperationsformate, z. B. bei KI, 5G-Infrastruktur und anderen Zukunftstechnologien unter gleichgesinnten Staaten.

Klima und natürliche Ressourcen - die Zusammenarbeit wuchs, bleibt jedoch unterhalb der global notwendigen Ziele. Investitionen und globale Lieferketten beschleunigten den Ausbau sauberer Technologien, der Mitte 2025 Rekordwerte erreichte. China trug rund zwei Drittel zum Zubau bei Solar-, Wind- und Elektrofahrzeugen bei, doch auch andere Schwellenländer holten auf. Da multilaterale Klimaverhandlungen schwieriger werden, setzen Gruppen wie die Europäische Union oder ASEAN verstärkt auf regionale Kooperationen, die Klimaschutz mit Energiesicherheit verbinden.

Gesundheit und Wohlbefinden - die Zusammenarbeit blieb insgesamt stabil, unter anderem weil sich Gesundheitsindikatoren nach der Pandemie weiter verbesserten. Diese Stabilität verdeckt jedoch zunehmende Fragilität: Die Finanzierung multilateraler Organisationen und Entwicklungshilfe für Gesundheit ging deutlich zurück – besonders zulasten von Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen.

Frieden und Sicherheit - dieser Bereich verzeichnete den stärksten Rückgang. Alle gemessenen Kennzahlen lagen unter dem Vor-Pandemie-Niveau. Konflikte eskalierten, Militärausgaben stiegen, und multilaterale Krisenlösungsmechanismen erwiesen sich als wenig wirksam. Ende 2024 erreichte die Zahl der weltweit gewaltsam Vertriebenen mit 123 Millionen Menschen einen historischen Höchststand. Gleichzeitig wächst der Druck, neue Kooperationsformen zu entwickeln, etwa über regionale Friedens- und Sicherheitsmechanismen.

Schlussfolgerung des Berichts

Das Global Cooperation Barometer zeigt, dass Länder die Art der Zusammenarbeit grundlegend neu gestalten. Dafür braucht es:

  • neue Kooperationsformate,
  • neue institutionelle Strukturen (z. B. Handelsabkommen oder Standard-Allianzen),
  • sowie neue Partnerschaften, auch zwischen Staat und Privatwirtschaft.

Abschließend betont der Bericht, dass ein belastbarer, konstruktiver Dialog die Grundlage dafür ist, gemeinsame Interessen zu erkennen und wirksam voranzubringen.


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