Stimmt die Strategie noch?

Was auf mittelständische Maschinenbauer zukommt

15. März 2021, 15:07 Uhr | Corinne Schindlbeck

Fortsetzung des Artikels von Teil 4

Herausforderung 4: Produktentwicklung muss neu gedacht werden – ganz fokussiert auf den Kunden-Nutzen

Die Ausgangslage

Deutsche Maschinenbauer entwickeln die technische beste Lösung, die sich bisher häufig selbst einen Nachfrage-Markt gesucht hat. „Dabei waren und sind viele Maschinen qualitativ auf einer Wertigkeitsstufe gebaut, die vom Kunden eigentlich gar nicht benötigt wird“, sagt Karsten Schulze. „Da gibt es noch die selbst entwickelte Schraube, die vor allem teuer, aber nicht effizient ist. Und da sind Sortimente in einer Breite verfügbar, die zu einer viel zu hohen Komplexität führen – und damit die Marge signifikant verringern.“

Das Problem

Industrie-übergreifend ist die Idee, vom Kunden her die eigenen Produkte zu denken, in einer Frühphase. „Vorreiter sind erneut die Hersteller von Konsumgütern“, sagt Schulze. „Die schauen sich an: Was will der Kunde? Was braucht er dazu? Und wie lässt sich das effizient herstellen? Maschinenbauer gehen oft von einem abstrakten Problem aus, dass sie versuchen bestmöglich zu lösen – und machen dies zur Grundlage von Entwicklung. Bei steigendem Preisdruck bietet aber nur eine Fokussierung die Möglichkeit, Margen zu halten oder sogar zeitweilig auszubauen. Da braucht man dann nicht die Spezialschraube, sondern normierte Zulieferung.“

Was jetzt tun: Maschinenbauer müssen den Entwicklungsprozess neu denken. „Anstatt ins Abstrakte hinein zu entwickeln, sollten sie mit ihren Kunden in einem ständigen Dialog stehen und spezifisch auf dessen Bedürfnisse hin entwickeln“, sagt Karsten Schulze. „Das bedeutet übrigens nicht, anstatt zehn künftig zwanzig Varianten anzubieten. Im Gegenteil: Oft benötigen Kunden gar nicht den Grad der Detaillierung. Neue Management-Konzepte wie ‚Design Thinking‘ können nicht nur Anbietern von Unterhaltungselektronik, sondern auch Maschinenbauern dabei helfen, Entwicklung neu zu denken.“
 
 


  1. Was auf mittelständische Maschinenbauer zukommt
  2. Herausforderung 1: Geschäftsmodelle und Produkte müssen neu erfunden werden – sonst macht es die Konkurrenz
  3. Herausforderung 2: Ohne Kooperationen geht es nicht mehr – stets mit dem Risiko, dass der bisherige Freund zum Wettbewerber wird
  4. Herausforderung 3: Daten müssen integraler Bestandteil der Wertschöpfung werden – neue Anbieter sind der tradierten Industrie oft voraus
  5. Herausforderung 4: Produktentwicklung muss neu gedacht werden – ganz fokussiert auf den Kunden-Nutzen
  6. Herausforderung 5: ‚Green Tech‘ muss als Stärke ausgespielt und langfristig besetzt werden – Wettbewerber rücken schon längst nach
  7. Herausforderung 6: Know-how-Aufbau in Blockchain wird unverzichtbar sein – auch wenn die Anwendungsfelder zunächst limitiert sind
  8. Herausforderung 7: Der Aufbau von resilienten Produktionsnetzwerken bedarf Investition – unverzichtbar, trotz keinem direkten ROI

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