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Datenmanagement im digitalen Zeitalter

Porsche sieht Softwarekompetenz als Haupt-Unterscheidungsmerkmal

25. Februar 2021, 13:55 Uhr   |  Irina Hübner

Porsche sieht Softwarekompetenz als Haupt-Unterscheidungsmerkmal
© Porsche

Der Porsche Taycan Turbo.

Softwarekompetenz ist für OEMs kein »Nice-to-Have« mehr, sondern wesentliches Unterscheidungsmerkmal in einem hart umkämpften Markt. Automobilhersteller haben keine andere Wahl, als sich digital neu zu erfinden. Porsche hat in Sachen digitaler Transformation bereits einiges unternommen.

Die Fortschritte in der Informationstechnologie, die zunehmende Vernetzung und das Aufkommen neuer Technologien wie maschinelles Lernen, Blockchain und das (industrielle) Internet der Dinge verändern die Automobillandschaft rasant. Um erfolgreich am Markt zu bestehen, müssen Automobilhersteller nach Ansicht von Porsche an mehreren Fronten gleichzeitig innovativ sein, einschließlich digitaler Technologien und Dienstleistungen.

Die digitale Transformation hat bei Porsche bereits vor einigen Jahren. Im Jahr 2015 hat das Unternehmen seine digitale Strategie als Teil der »Porsche Strategie 2025« aktualisiert und die sogenannte Mission D ins Leben gerufen. Das Ziel des Unternehmens: das Porsche-Erlebnis in die digitale Zukunft zu bringen.

»Seitdem ist viel passiert, und wir haben große Fortschritte gemacht, etwa bei der Modernisierung unserer gesamten Datenlandschaft, der Entwicklung einer zentralen Daten-Streaming-Lösung und dem Aufbau intelligenter und nachhaltiger Fabriken«, erklärt Helge Silberhorn, Chief Data Architect bei Porsche. »Dennoch sind wir mit unserer Entwicklung noch lange nicht am Ende. Eine Hürde ist die Datenexplosion, die in meinen Verantwortungsbereich fällt. Eine meiner Aufgaben bei Porsche ist es, die Datenrevolution mit einer effektiven Strategie zu managen.«

Gemeinsam mit Silke Dongus-Sattler, Leiterin des Strategiefelds Artificial Intelligence (AI) & Data Science und Matthias Löffler, Fachreferent Geschäftsleitung Data, Analytics & AI, leitet Silberhorn die Transformation von Porsche zur Data Driven Company. Zusammen mit Stakeholdern im gesamten Unternehmen legen sie die wichtigsten Maßnahmen für die digitale Transformation fest.

Porsche Data Organisation: Daten als Schlüsselressource

Das Aufkommen von Big Data wirft eine Reihe von tiefgreifenden Fragen für die Automobilbranche auf. »Daten entstehen heute überall. Unsere Fahrzeuge, Fabriken und all unsere anderen Aktivitäten erzeugen Tag für Tag kolossale Sammlungen«, legt Silberhorn dar. »Doch wir hatten in den vergangenen Jahren nicht immer die perfekte Lösung dafür, wie die enormen Datenmengen genutzt, geteilt oder über unser gesamtes Unternehmen verteilt werden können.« So gab es Datensilos und Geschäftsbereichs-Silos, die aufgebrochen werden mussten, um die Zusammenarbeit zu verbessern.

Im Laufe des vergangenen Jahres wurde deshalb ein strategischer Plan für die Porsche-Datenorganisation ausgearbeitet. Im Kern umfasst er drei Säulen:

  1. Eine gemeinsame Zielsetzung und eine abgestimmte Roadmap für alle Data-Analytics- & AI-Aktivitäten
  2. Ein Framework mit gemeinsamen Methoden, Best Practices und Prozessen, um Data-Analytics- & AI-Lösungen zu ermöglichen und zu beschleunigen
  3. Eine Kultur zum Verstehen, Verwalten und Teilen von Daten im gesamten Unternehmen in einer wiederholbaren Weise

Das Gerüst für ein datengetriebenes Unternehmen besteht ebenfalls aus mehreren Kernbausteinen: (i) Datenstrategie & Kultur, (ii) Datenvertrauen & Datenmanagement sowie (iii) Technologie & IT-Architektur. Ein vierter Baustein befasst sich mit der Wertgenerierung. Diese Bausteine sind in weitere Ströme unterteilt, wie beispielsweise Operational Excellence, Datenvertrauen und Architektur. Dieses Framework soll es ermöglichen, intelligentere Entscheidungen zu treffen und die Produktivität zu steigern.

Silberhorn erklärt: »Um nur ein Beispiel zu nennen: Anstatt Daten auf bestimmte Geschäftsbereiche zu beschränken, verwenden wir jetzt Datendomänen, die uns helfen, Silos zu vermeiden. Eine Domäne verknüpft verschiedene Daten, Datenobjekte und Datenquellen mit Geschäftsinteressen. Somit sind Daten ein gemeinsam genutztes und zugängliches Gut, das im Besitz von Porsche als Ganzes ist. Dies ist auch der erste Grundsatz unserer Architekturprinzipien.«

Eine neue Datenarchitektur

Zur Unterstützung der Porsche-Datenorganisation wurde außerdem die Porsche-Architektur entwickelt. Sie besteht aus drei Zielen und 13 Prinzipien. Die drei übergreifenden Ziele sind:

  1. Think Beyond: Fokus auf den Unternehmenswert
  2. Build for Resilience: Geschäftskontinuität sicherstellen
  3. Stay Lean: Fähigkeiten und Ressourcen optimieren

Der Zweck von Daten sollte es sein, die Entscheidungsfindung zu unterstützen und das Kundenerlebnis zu verbessern. Die Pflege der Daten in einer einzigen logischen Umgebung und die gemeinsame Nutzung verbessert die Qualität, die Effizienz der Erfassung und reduziert die Kosten. Darüber hinaus helfen gut dokumentierte Daten jedem in der Organisation, diese leicht zu finden und auch zu nutzen.

Die Daten gehören Porsche als Ganzes, repräsentiert durch Führungskräfte, die für die Qualität und Verfügbarkeit der Daten verantwortlich sind. Unterstützt werden sie von sogenannten Data Stewards, die für das eigentliche Handling verantwortlich sind, und von Data Domain Managern für die Ausrichtung auf das große Ganze. Darüber hinaus werden die Informationen unternehmensweit einheitlich definiert. Gemeinsame Richtlinien für den Zugriff sollen eine angemessene Sicherheit gewährleisten. Porsche betont, die Zustimmung der Kunden zur Datennutzung, -sicherheit und Compliance sehr ernst zu nehmen und integriert eine Vielzahl starker Sicherheitsfunktionen.

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