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Roboter-Management in der Cloud

26. Februar 2021, 10:48 Uhr   |  Andreas Knoll

Roboter-Management in der Cloud
© Franka Emika

Felix Kuperjans, Franka Emika: »Weil sich die Welt hin zu einer Remote-Arbeitsweise verlagert, wird es mehr Möglichkeiten für die Fernprogrammierung von Robotern und autonomen Lösungen geben.«

Der Roboterhersteller Franka Emika hat seine E-Commerce-Plattform »Franka World« um Cloud-Funktionen und eine Community-Plattform erweitert und eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Commercetools vereinbart. Felix Kuperjans, Head of Cloud Development bei Franka Emika, gibt nähere Informationen.

Markt&Technik: Welche neuen Funktionen bietet die aktualisierte Franka-World-Version?

Felix Kuperjans: Wir haben mit dem Launch unseres Franka Hubs eine neue Community-Plattform für alle Nutzer unserer Roboter bereitgestellt. Der neue Bereich bietet sowohl die Möglichkeit zum ständigen Austausch der Nutzer untereinander und mit uns als auch einen schnellen Zugriff auf viele Ressourcen rund um unsere Produkte. Dort finden sich unter anderem Dokumentationen, 3D-Modelle, Tools und vieles mehr. Außerdem umfasst das neue Release das „3D-Lab“, in dem man sich mit wenigen Klicks die perfekten Greiferbacken zum Greifen eines Objekts erstellen lassen kann, um sie anschließend mit dem 3D-Drucker auszudrucken. Dies ermöglicht es jedem, in kurzer Zeit den Greifer „Franka Hand“ an die zu greifenden Werkstücke anzupassen. Damit kommt die Franka World dem Ziel, das Zentrum unseres Ecosystems rund um Roboter und aller seiner Nutzer zu sein, deutlich näher.

Welche der neuen und der bisherigen Funktionen werden jetzt in der Cloud ausgeführt?

Die Verbindung ihrer Robotersysteme mit unserem Franka-World-Cloud-Dienst ermöglicht es den Nutzern, viel mehr aus ihren Robotern herauszuholen – vom Installieren der neuesten Updates bis hin zum Übertragen gekaufter Apps auf einen Roboter bzw. von einem auf einen anderen Roboter.

Was hat sich an der Franka World generell durch die Cloud-Anbindung geändert?

Durch die Franka World können wir unsere Software und Updates viel flexibler und vollautomatisch auf alle verbundenen Systeme übertragen. So haben wir beispielsweise ein Pre-Release unserer nächsten Software-Version über die Franka World abgewickelt. Auch unsere Partner profitieren davon, weil sie flexibel Updates an alle Roboter verteilen können, die Apps dieses Partners einsetzen. Ebenso ermöglicht es den Kunden ein effizientes Lizenzmanagement in Form von Lizenzen, die zwischen den Robotern transferiert werden können. Zudem stellt diese Verbindung die Grundlage aller weiteren zukünftigen Entwicklungen im Industrial-IoT-Bereich dar.

Auf welcher Cloud von welchem Dienstleister beruht die Anbindung?

Franka World setzt auf die Dienste von Amazon Web Services (AWS).

Worin besteht die Zusammenarbeit von Franka Emika und Commercetools bei der Franka World? Welches Unternehmen steuert welche Elemente und Funktionen der Plattform bei?

Teil der Franka World ist unser Store, in dem unsere Roboter sowie Software-Lizenzen und Zusatz-Hardware für die Roboter bestellt werden können. Dieser nutzt die Microservice-Architektur von Commercetools, um mit einem effizienten Backoffice im Merchant Center den Produktkatalog pflegen zu können, die Bestellungen von Kunden in Franka World aufzunehmen und zu verarbeiten und letztlich alle Informationen mit den bestehenden ERP-Lösungen auszutauschen. Als weiteren Schritt kann eine freigegebene Bestellung schließlich aus Commercetools heraus den Prozess zur Bereitstellung von Software-Lizenzen automatisiert anstoßen.

Worin unterscheidet sich die Franka World von anderen E-Commerce-Plattformen und Hersteller-Ecosystems in der Robotik?

Franka World ist mehr als eine einfache E-Commerce-Plattform. Sie ist die Zentrale für drei große Themenbereiche: die Flottenverwaltung aller Franka-Emika-Roboter, die Abwicklung von Lizenzbestellungen, auch von Software unserer Partner, und eine aktive Community für Forscher, Entwickler und alle Nutzer unserer Roboter, um Zugriff auf sämtliche Tools und Informationen zu haben und sich untereinander auszutauschen.

Durch die direkte Verbindung der Roboter mit dem Shop-System der Franka World lässt sich eine neue Dynamik in der industriellen Automatisierung erreichen. Mit wenigen Klicks ist eine neue Lösung gekauft, in der gesamten Roboterflotte installiert und innerhalb von wenigen Momenten betriebsbereit.

Welche Roadmap verfolgen Franka Emika und Commercetools für die absehbare Zukunft der Franka World?

Wir wollen vor allem die Möglichkeiten unserer Kunden ausweiten, um ihre Roboter noch wertschöpfender, effizienter und übersichtlicher in der Franka World verwalten zu können. Zudem sollen für unser Partnernetzwerk neue und innovative Möglichkeiten geschaffen werden, sodass sie ihre Produkte noch einfacher selbst in der Franka World veröffentlichen, pflegen und vertreiben können. Das Cloud-basierte System wird uns auch in Zukunft erlauben, flexibel auf die Bedürfnisse unserer Kunden und Partner einzugehen und sie mit neuen Vertriebs- und Nutzungsmodellen zu unterstützen.

Inwieweit hat die Coronavirus-Pandemie die Entwicklung der Franka World bisher beeinflusst oder verändert?

Wirklich betroffen war die Franka World als Cloud-Produkt weniger. Sie hat vielmehr aufgezeigt, wie essenziell die Cloud-Technologie ist, besonders in Zeiten einer Pandemie. Updates und Wartungen der Roboter ließen sich durch die Remote-Verbindung, die uns die Franka World ermöglicht, aus der Ferne durchführen – ohne persönlichen Kontakt.

Welche Trends zeigen sich in der Robotik derzeit?

Durch einfache, geradlinige und zugängliche Lösungen lassen sich mehr Probleme in der realen Welt lösen. 2020 war ein gutes Beispiel dafür, und so fanden solche realitätsnahen Ansätze ihren Einsatz beispielsweise in der Unterstützung von Krankenhäusern und Covid-19-Testern.

Weil sich die Welt hin zu einer Remote-Arbeitsweise verlagert, wird es mehr Möglichkeiten für die Fernprogrammierung von Robotern und autonomen Lösungen geben, die mit wenig bis gar keiner menschlichen Unterstützung in den wachsenden Lagerhallen arbeiten können.

Der Bedarf an einfach zu programmierenden, vielseitigen Lösungen, die leicht angepasst oder umprogrammiert werden können – von jedem – steigt, und zwar vor allem bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Durch die rasante Entwicklung von IoT und Industrie 4.0, die eine Verbindung und Interaktion von immer mehr Geräten und Technologien ermöglicht, lassen sich immer komplexere Aufgaben lösen.

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