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Europäischer Erfinderpreis 2021

OLED-Pionier Prof. Karl Leo ausgezeichnet

18. Juni 2021, 10:50 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

OLED-Pionier Prof. Karl Leo ausgezeichnet
© Europäisches Patentamt

Für seine Erfindungen zur Herstellung hocheffizienter organischer Leuchtdioden (OLED) wurde Karl Leo in der Kategorie „Lebenswerk“ ausgezeichnet.

Das Europäische Patentamt hat den Erfinder organischer Leuchtdioden, den deutschen Physiker Karl Leo von der TU Dresden, in der Kategorie Lebenswerk mit dem Europäischen Erfinderpreis 2021 ausgezeichnet.

Der Physiker Prof. Dr. Karl Leo (59) von der Technischen Universität Dresden wird für sein Lebenswerk, die OLED-Technologie, ausgezeichnet. 

„Karl Leos Lebenswerk hat auf viele Bereiche enormen Einfluss. Er hat umweltfreundliche Technologien vorangetrieben und Produkte verbessert, die von Millionen von Menschen heute auf der ganzen Welt genutzt werden“, sagt EPA-Präsident António Campinos. Im Laufe seiner Karriere habe er zudem die Fähigkeit gezeigt, in bahnbrechender Grundlagenforschung kommerzielle Anwendungen zu erkennen, seine Technologie zur Lösung von Problemen einzusetzen und so Unternehmen und Arbeitsplätze zu schaffen, so Campinos weiter.  

Leo hat zahlreiche Start-ups in „Silicon Saxony“ mitgegründet. Und forscht und gründet weiter: „Ich sehe Möglichkeiten, die weit über das bisher Erreichte hinausgehen: Flexible, leichte, umweltfreundliche organische Elektronik kann fast überall eingesetzt werden“, meint der Erfinder. „Wenn mich meine Vergangenheit etwas gelehrt hat, dann dies, dass sich Träumen lohnt.“

Leo hatte schon früh ein Interesse an Technik. 1985 begann er sich im Rahmen seiner Diplomarbeit am Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE damit zu beschäftigen, wie man elektronische Geräte besser machen kann.

Leos Doktorarbeit und seine Arbeit in den Anfangsjahren seiner Karriere konzentrierten sich auf anorganische Halbleiter, die aus nicht-kohlenstoffbasierten Materialien bestehen. Organische Halbleiter galten zu dem Zeitpunkt aufgrund ihrer schlechten elektrischen Leitfähigkeit und kurzen Lebensdauer als unpraktisch. Leo fiel auf, dass nur wenige Wissenschaftler in Betracht gezogen hatten, organische Halbleiter zu dotieren, d.h. winzige Mengen von Substanzen hinzuzufügen, die frei bewegliche Elektronen erzeugen, um die Leitfähigkeit eines Materials zu erhöhen. „Ein frischer Blick auf die Forschung ist häufig hilfreich, weil er dazu führt, dass man Dogmen hinterfragt“, so der Erfinder.

1998 gelang der entscheidende Durchbruch, als es Leo und sein Forscherteam, darunter die damaligen Doktoranden Martin Pfeiffer und Jan Blochwitz, an der Technischen Universität Dresden schafften, eine organische Halbleiter-LED zu entwickeln, die mit nur einem Fünftel der zuvor benötigten Spannung auskam.

Ihre hohe Effizienz, lange Lebensdauer, der energiesparende Produktionsprozess und die Möglichkeit des Recyclings machten diese organischen Halbleiter zu einer nachhaltigeren Alternative zu anorganischen Halbleitern. Leo und sein Team verfeinerten den Prozess weiter, und 2001 war der Wissenschaftler Mitbegründer des deutschen Start-up-Unternehmens Novaled zur Kommerzialisierung von OLED-Technologien und Materialien. Das Unternehmen wurde später von Samsung übernommen.

In den Folgejahren begann Leo, die Halbleiter an organische Solarzellen anzupassen. Dies führte zur Mitbegründung eines Spin-Offs, das hinter der weltweit ersten industrietauglichen organischen Solarfolie steht, die auf Gebäuden angebracht werden kann. „Mein Traum ist, dass sie in 10 oder 20 Jahren auf jedem Gebäude genutzt wird und dabei hilft, die Klimakrise zu lösen“, sagt Leo.

Karl Leo wurde am 10. Juli 1960 in Freiburg im Breisgau geboren. Nach seinem Studium der Physik in Freiburg promovierte er an der Universität Stuttgart und am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung. In den frühen Jahren seiner Karriere konzentrierte er sich bei AT&T Bell Laboratories in den USA und dann in Deutschland an der RWTH Aachen auf anorganische Halbleiter.

1993 nahm er eine ordentliche Professur für Optoelektronik an der Technischen Universität Dresden (TU Dresden) an. Seine Forschungen zur Verbesserung der Leitfähigkeit organischer Halbleiter führten zur Kommerzialisierung von Elementen wie organischen Leuchtdioden (OLEDs) und zur Übernahme des OLED-Spin-Offs Novaled durch Samsung. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Dresden, wo er Lehrstuhlinhaber und Professor für Optoelektronik an der TU Dresden und Direktor des interdisziplinären Dresden Integrated Center for Applied Physics and Photonic Materials (IAPP) ist. Der Mitbegründer mehrerer Unternehmen ist in 22 erteilten europäischen Patenten genannt. 

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