China unter Sicherheitsaspekten

»Nicht naiv sein!«

16. April 2019, 11:30 Uhr | Corinne Schindlbeck
Statista
Deutschland hängt beim Thema Künstliche Intelligenz (KI) hinterher. Das geht aus dem zur Hannover-Messe veröffentlichten VDE Tec Report 2019 hervor.
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China ist für deutsche Unternehmen Partner und Rivale zugleich. Wie steht es um die Chancengleichheit? China-Expertin Dr. Kristin Shi-Kupfer vom Mercator Institute for China Studies (MERICS) referierte dazu vor Sicherheitsexperten bayerischer Unternehmen, die sich am Spitzingsee zur Tagung trafen.

Bereits Ende des letzten Jahres bei den Trierer China-Gesprächen des Mercator Institut for China Studies und der Bundesakademie für Sicherheitsstudien, der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Alumni-Verein der Universität Trier kam es zur Sprache: Wenn es um hochklassige Forschung zu künstlicher Intelligenz geht, kann Deutschland derzeit noch mit China mithalten. Aber wie lange noch? Zur Hannover-Messe brachten die großen Industrieverbände ihre Sorge zum Ausdruck: Deutschland verliere bei der KI den Anschluss. »Fast zwei Drittel unserer Fachleute sind der Auffassung, dass uns in Deutschland die Kompetenzen fehlen, KI-Technologien effizient einzusetzen«, sagte VDI-Präsident Dr. Volker Kefer. Ähnlich der VDE: Deutschland, Europa hänge beim Thema künstliche Intelligenz hinterher. Nur ein Prozent der Mitgliedsunternehmen und Hochschulen der Elektro- und Informationstechnik sind laut einer neuen Umfrage der Meinung, dass Deutschland in puncto KI eine Vorreiterrolle einnimmt.

Ganz anders China. Durch gezielte Industriepolitik ist das Land bereits auf vielen relevanten Forschungsfeldern weit fortgeschritten, darunter KI. Das sagen z.B. Experten wie Hans Uszkoreit vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Durch die wirtschaftliche Öffnung sei das Land mittlerweile Partner und Rivale der westlichen Welt zugleich. Ohne China geht es nicht mehr. Wo liegen die Risiken? China-Expertin Dr. Kristin Shi-Kupfer vom Mercator Institute for China Studies (MERICS) referierte dazu vor ein paar Wochen vor Sicherheitsexperten bayerischer Unternehmen, die sich am Spitzingsee zur jährlichen Tagung trafen. »Man hat in Peking erkannt, dass man bei den traditionellen Industrien den Anschluss verpasst hat. Aber bei den neuen will man nun gewinnen«, erklärt Shi-Kupfer und wirft eine erste PowerPoint-Folie an die Wand des Tagungsraums im Arabella Sheraton.

Mit „Made in China 2025“ habe die Partei klare Ziele für Schlüsseltechnologien bis 2030 definiert, lang angelegte Planungshorizonte bei Chiptechnologie, Telekommunikation, Kabelsystemen, Routern, Switches oder Telekom-Infrastruktur. Ziel: die Abhängigkeit von ausländischen Technologieherstellern – vor allem aus den USA – zu verringern.

Dazu gehört auch gezielte Einflussnahme, um die eigenen Technologien zu etablieren, etwa in internationalen Standardisierungsgremien oder über die Initiative „neue Seidenstraße“, die auch in einer digitalen Variante existiere. »China will die eigenen Technologien, die eigenen Standards nach außen tragen. Und schafft damit neue Abhängigkeiten in anderen Ländern«, so Shi-Kupfer. Wie etwa bei 5G. Das zeigen die andauernden Diskussionen in Deutschland über den richtigen Umgang mit Netzwerkausrüstern aus China.

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Dr. Kristin Shi-Kupfer leitet den Forschungsbereich Politik, Gesellschaft und Medien bei Mercator Institute for China Studies. Sie ist als Expertin für Chinas Digitalpolitik, Ideologie und Medienpolitik, Zivilgesellschaft und Menschenrechte gerade sehr gefragt: Wie schafft man als deutsches Unternehmen in China den Spagat, die enormen Marktchancen für sich zu nutzen, ohne Unabhängigkeit und Kontrolle zu verlieren?
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