Schwerpunkte

Digitalisierung der Industrie

Fünf Zutaten, damit die digitale Transformation gelingt

17. Dezember 2020, 14:58 Uhr   |  Von Jan Rodig, Struktur Management Partner GmbH

Fünf Zutaten, damit die digitale Transformation gelingt
© Struktur Management Partner

Jan Rodig, Struktur Management Partner GmbH: »Mit einem systematischen Vorgehen gelingt eine erfolgreiche digitale Transformation, die das Unternehmen profitabler, zukunftsfähiger, schneller und flexibler macht.«

Wie wird die Corona-Pandemie wirklich zum Katalysator für die digitale Transformation? Viele strategische Digitalisierungsinitiativen wurden in der Krise aus Geldmangel gestoppt. Digitalentscheider sollten nun die richtigen Projekte fokussieren, meint Jan Rodig von Struktur Management Partner. 

Die meisten größeren Unternehmen investieren seit Jahren viel Zeit, Energie und Geld in die digitale Transformation. Eine Mammutaufgabe. Und ein „Moving Target“: Technologische Innovationen überschlagen sich, bewährte Gewissheiten gibt es nicht mehr, alles muss hinterfragt werden. Neben diesen Transformations-Marathon tritt durch Covid-19 seit Kurzem ein intensiver Kampf ums kurzfristige Überleben: Umsätze brechen ein, die Kosten steigen durch neu sortierte Lieferketten, dazu kommt die Zusatzbelastung im Zuge der Corona-Schulden. Die Investitionsspielräume für strategische Initiativen schrumpfen dramatisch. Gerade die Umstellung des traditionellen deutschen Industrie-Geschäftsmodells auf digitale Services, Plattformen, Erlösmodelle und Ökosysteme kostet zunächst einmal enorme Ressourcen – und ist eine Jahrhundertaufgabe. Aus dieser Perspektive wirft die Pandemie die Bemühungen der Industrie massiv zurück. Denn solche umfassenden Investitionen können sich gerade viele mittelständische Firmen aktuell nicht leisten. 

Somit ist auch die Frohlockung, dass in Deutschland die Digitalisierung in der Pandemie aufgrund der gestiegenen Nutzung von Online-Kollaborations-Tools einen großen Schritt nach vorne gemacht hätte, deutlich zu kurz gesprungen. Schließlich krankte die Digitalisierung in Deutschland bislang nicht an mangelnder Nutzung von Teams, Zoom & Co. – sondern an zu wenig strategischem Weitblick, Mut und Umsetzungskonsequenz. 

Blaupause für die digitale Transformation im „New Normal“

Doch wie sollten sich mittelständische Industrieunternehmen vor dem Hintergrund des „New Normal“ digital aufstellen, um erfolgreich durch die Krise zu steuern und die neuen Chancen zu nutzen? Eine fundierte Antwort auf diese Frage erfordert zunächst eine sorgfältige Analyse der Rahmenbedingungen des individuellen Unternehmens und der entsprechenden Veränderungen aufgrund von Corona. In einem fünfstufigen Vorgehen lassen sich systematisch alle wesentlichen Eckpunkte eines erfolgreichen und wirksamen digitalen Transformationsprogrammes definieren (Abb.1)

1. Digitales Umfeld & Leitbild
Dieser wichtige initiale Schritt wird häufig nur oberflächlich abgehandelt – oder gleich ganz vergessen. Doch eine Digitalstrategie kann nur erfolgreich sein, wenn sie die zentralen Charakteristika des Unternehmens (Stärken, Schwächen, Strategie, Kernkompetenzen etc.) sowie die wesentlichen Chancen und Risiken des spezifischen Marktumfeldes (disruptive Technologien, alte und neue Wettbewerber, Kundentrends etc.) angemessen berücksichtigt. Viele Unternehmen nehmen dadurch Bedrohungen durch neue Plattformen oder aggressive Startups erst zu spät wahr und wähnen sich selbst somit fälschlicherweise weit vorn bezüglich der Digitalisierung ihrer Branche. Also: Machen Sie Ihre Hausaufgaben!
Beispiel Maschinenbau: Gegenüber der Vor-Corona-Zeit gibt es aktuell unter anderem zwei wesentliche Veränderungen bei den Kunden, die den Trend zur sogenannten Servitization befeuern, also das zunehmende Angebot von Dienstleistungen durch Industrieunternehmen: Erstens sind die Vorbehalte vieler Kunden gegenüber einem Zugriff der Hersteller auf die Maschinendaten plötzlich ins Gegenteil umgeschlagen. Zweitens fällt vielen Kunden aufgrund ihrer knappen Budgets nun die Anschaffung von Maschinen schwerer – und damit steigt die Nachfrage nach Pay-per-Use-Modellen (statt klassischem Kauf)– eine große Chance für Maschinenbauer, die sich konsequent darauf ausrichten.

2. Digitale Werthebel
Eine gute Digitalstrategie trifft insbesondere auch dazu Aussagen, wie durch die digitale Transformation konkrete Mehrwerte für das Unternehmen entstehen. Grundsätzlich gibt es sechs digitale Werthebel: Effizienzsteigerung, Absatzsteigerung durch Marketing- und Vertriebsdigitalisierung, bessere Entscheidungen mithilfe von Data Analytics, Steigerung des Kundenerlebnisses, zusätzliche Erlöse durch innovative digitale Produkte und Services sowie neue Erlösquellen durch digitale Geschäftsmodelle.

In der Krise erlebt insbesondere der Werthebel der digitalen Effizienzsteigerung ein Revival. Bislang im Mittelstand nur zögerlich genutzte Ansätze wie Robotic Process Automation (RPA), Intelligent Process Automation oder Process Mining ermöglichen hohe zweistellige Einsparpotenziale in administrativen Bereichen. So konnte beispielsweise ein mittelständischer Elektronikhersteller in einigen Vertriebsprozessen mithilfe von RPA die Durchlaufzeiten um bis zu 80 % reduzieren. Die erforderlichen Personalressourcen konnten um bis zu 95 % reduziert und für höherwertige Aufgaben am Kunden eingesetzt werden.

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1. Fünf Zutaten, damit die digitale Transformation gelingt
2. Mit einer „digitalen“ Unternehmenskultur tun sich die meisten traditionellen Unternehmen schwer

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