Studie im Auftrag von Trendence

Bewerber wünschen, dass Arbeitgeber auf Kritik reagieren

5. April 2022, 13:41 Uhr | Corinne Schindlbeck
kununu
Auf Bewertungsplattformen wie kununu.com werden Arbeitgeber anonym bewertet
© Kununu Screenshot

Wie Arbeitgeber auf Bewertungsportalen wie Kununu mit Kritik umgehen, ist für Bewerber entscheidend. Das ist ein Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie zum Thema Arbeitgeberbewertungen.

Jobsuchende, die sich über potentielle Arbeitgeber informieren, registrieren sehr wohl, wie Unternehmen mit negativen Bewertungen auf Jobportalen umgehen.

So lautet die Einschätzung von Katharina Pernkopf von der Universität Innsbruck. Ihre Interpretation stützt sie auf Studienergebnisse, wonach fast 60 % der Nutzer:innen von Arbeitgeberbewertungsportalen sich nicht nur für die Gegendarstellungen von Unternehmen als Antwort auf Bewertungen interessieren, sondern sie sogar als bewerbungsrelevant einstufen. Weitere 33,7% interessieren sich ebenfalls dafür, machen davon aber nicht ihre Entscheidung für oder gegen den potenziellen Arbeitgeber abhängig. 
 
Auch inhaltliche Auseinandersetzung mit Kritik wird erwartet

„Bewerbungsrelevant oder nicht: In jedem Fall erwarten Bewerber*innen, dass sich Arbeitgeber mit der Kritik auf Seiten wie kununu oder Glassdoor auseinandersetzen. Denn auf derartigen Bewertungsportalen geht es letztlich auch um Feedbackverarbeitung“, so Professor Wolfgang Mayrhofer von der Wirtschaftsuniversität Wien. Dazu passt: knapp 90% der Kandidaten, die hier unterwegs sind, finden, dass Unternehmen das negative Feedback ernst nehmen, die Kritik prüfen und gegebenenfalls Verbesserungsmaßnahmen in die Wege leiten sollten. 

Laut Analyse haben sich Arbeitgeberbewertungsportale längst zu festen Größen in der Jobsuche entwickelt

So nutzt bereits mehr als die Hälfte aller Kandidaten (52,9%) kununu & Co. immer oder häufig, um sich über Arbeitgeber zu informieren. 29,8% tun dies immerhin noch gelegentlich. Nur die Karrierewebsite des Arbeitgebers wird noch öfter (38,3% immer und 36,0% häufig) herangezogen. Dabei stehen die Befragten auch solchen Bewertungen offen gegenüber, die von den Arbeitgebern selbst gefördert werden. 70% sind einverstanden, wenn Unternehmen dies tun – einzige Bedingung: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen dies regelmäßig und neutral tun, um ein authentisches Stimmungsbild zu fördern. 
 
Weniger hoch im Kurs steht es stattdessen, wenn Unternehmen auf anwaltliche Hilfe zurückgreifen, um kritische Bemerkungen verschwinden zu lassen. Das billigen Bewerber nur dann, wenn die entsprechende Kritik gegen die Regeln des jeweiligen Bewertungsportals verstößt.

 „Viele Anwaltskanzleien haben Bewertungen als lohnendes Geschäftsfeld für sich entdeckt und eine entsprechende Angebotspallette entwickelt. Arbeitgeber, die diese nutzen möchten, müssen sich aber gemäß der Ergebnisse unserer Studie im Klaren darüber sein, dass das ihrer Arbeitgeberreputation schaden kann. Sich der Kritik zu stellen, ist für die Arbeitgebermarke die bessere Strategie“, so Markus Latzke von der IMC Fachhochschule Krems.
 
Für die Studie wurden 1.647 Bewerber:innen befragt. Drei Viertel (73,8 %) davon nutzen Bewertungsportale wie etwa Kununu. Für die repräsentative Umfrage wurde ein interuniversitäres Forscherteam unter der wissenschaftlichen Leitung von Katharina Pernkopf (Universität Innsbruck), Markus Latzke (IMC FH Krems) und Wolfgang Mayrhofer (WU Wien) beauftragt. 1.647 Menschen, die sich in den vergangenen 12 Monaten in mindestens einem Bewerbungsprozess befanden, nahmen teil.

 


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