Dekra-Arbeitsmarkt-Report

Automotive-Ingenieure arbeiten an der Schnittstelle

29. Juni 2022, 12:00 Uhr | Corinne Schindlbeck
soft skills
Die sieben wichtigsten Softskills, die in Stellenanzeigen von Ingenieuren gefordert werden. Basis ist eine Auswertung von 350 Stellenanzeigen.
© Dekra Akademie

Für ihren aktuellen Arbeitsmarkt-Report hat die Dekra 350 Stellenangebote für Ingenieure in der Automobilbranche genauer unter die Lupe genommen: Was wird geboten, was wird verlangt und welche Rolle spielt die Transformation zur Elektromobilität?

In der von der Dekra untersuchten Auswertung der Stellenanzeigen – im Februar wurden dazu zwei Online-Jobbörsen sowie zehn deutsche Tageszeitungen ausgewertet – machten Elektroingenieure den Löwenanteil aus, knapp 65 Prozent der Stellengesuche entfielen auf sie. Ingenieure für den Maschinen- und Fahrzeugbau waren nur noch zu 35,4 Prozent gesucht. 

Der Hintergrund ist der Trend zur Elektromobilität und zum automatisieren Fahren. Ein Auto im virtuellen Windkanal zu testen, während die Kollegin nebenan mit Datenexperten unterschiedliche Szenarien im Straßenverkehr auswertet, gehört zum Arbeitsalltag. Genauso wie Koordinationsaufgaben an der Schnittstelle zu anderen Abteilungen oder Dienstleistern, wie die Dekra-Analyse zeigt. Bis ein neues Auto entwickelt ist, greifen unterschiedlichste Disziplinen ineinander. Ein komplexer Prozess, der koordiniert und abgestimmt werden muss. Aus diesem Grund reicht der Branche technische Expertise allein nicht mehr aus. Arbeitgeber wünschen sich für ihre offenen Stellen Tüftler und Organisationstalente, die besonders teamfähig und kommunikativ sind. OEMs locken dabei mit vielen Extras und lukrativen Prämien.

Drei von zehn der gesuchten Ingenieure übernehmen an ihrem neuen Arbeitsplatz Aufgaben im Anforderungsmanagement. Sie erheben an der Schnittstelle zwischen Auftraggeber und Entwicklung beispielsweise die Anforderungen, prüfen diese und stimmen sie im Team ab. Auch Betriebsorganisation und Kostenmanagement gehören zum Joballtag von fast einem Fünftel der zukünftigen Mitarbeitenden. 

An jedem vierten Arbeitsplatz sollen die gesuchten Ingenieure Fahrzeuge oder Komponenten wie Sensoren testen; die entsprechende Erfahrung hinsichtlich des perfekten Zusammenspiels der Elektronik im Fahrzeug wird vor allem bei Elektroningenieuren vorausgesetzt. Auch die Transformation zu elektrischen Antrieben macht sich in den Gesuchen deutlich bemerkbar: Für jede sechste Position wird entsprechendes Wissen vorausgesetzt. Zum Vergleich: Nur in mageren sieben Stellenanzeigen der 350 untersuchten werden Aufgaben in der Entwicklung von Verbrennungsmotoren erwähnt.

Auch IT-Kenntnisse und Erfahrung mit bestimmten Programmiersprachen gehören zum Job-Alltag. Bewerber müssen das Zusammenspiel zwischen Soft- und Hardware in Fahrzeugen verstehen und deren Architekturen auslegen können. Ebenso oft wünschen sich Arbeitgeber, dass Bewerber C und C++ beherrschen, die unter anderem im Bereich der Maschinensteuerung eingesetzt werden. Fast jedes zehnte Anforderungsprofil fragt explizit nach Python. Spezifische IT-Kenntnisse werden in Stellenanzeigen für Elektroingenieure fast doppelt so häufig verlangt wie für die Spezialisierung Maschinen- und Fahrzeugbau.

Daneben sind aber auch andere Fachrichtungen gesucht, ein abgeschlossenes Studium ist für Ingenieure die Regel. Bei knapp jeder zehnten Position darf es aber alternativ auch eine Techniker-Weiterbildung sein (9,1 Prozent). Vergleichsweise flexibel zeigt sich die Branche, was das Studienfach anbelangt: In den Anforderungsprofilen nennen sie durchschnittlich 2,4 Fachrichtungen, die für eine Stelle infrage kommen. Als Alternative zum Abschluss in Elektrotechnik kommen am häufigsten die Spezialisierungen Mechatronik, Informatik sowie Fahrzeugbau vor. Die Fachrichtung Fahrzeugtechnik findet sich oft kombiniert mit einem Studium der Elektrotechnik, Mechatronik oder Maschinenbau. Das zeigt: Zwischen den unterschiedlichen Ingenieurdisziplinen gibt es einige Schnittmengen. Einschlägige Berufserfahrung ist bei vielen Positionen ein Muss. Gut jeder dritte Arbeitgeber setzt sie voraus (35,4 Prozent). Bei einem weiteren Viertel wird langjährige Erfahrung vorausgesetzt, um in die engere Auswahl zu kommen (26,6 Prozent). 

Soft Skills entscheiden mit 

Vor allem in der Fahrzeugentwicklung arbeiten interne und externe Fachkräfte mit Spezialisierungen zusammen – die Arbeit an unterschiedlichen Schnittstellen gehört damit zum Joballtag. Arbeitgeber legen deshalb besonderen Wert auf die Team- und Kommunikationsfähigkeit ihrer Mitarbeiter. Gleichzeitig sollten sie aber auch durchsetzungsfähig sowie service- und kundenorientiert sein. Eine strukturierte und analytische Denk- und Arbeitsweise wird ebenfalls vorausgesetzt. Buzz Skills wie »Kreativität« oder »Lernbereitschaft« hingegen werden auffällig selten verlangt (6,0 bzw. 3,7 Prozent).

Wer genommen wird, kann sich auf nahezu perfekte Rahmenbedingungen freuen. Eine flexible Arbeitszeitgestaltung und die Möglichkeit, mobil zu arbeiten, finden sich ganz oben auf der Angebotsliste (59,7 bzw. 41,7 Prozent). Auch Gesundheits- und Fitnessangebote gehören bei vielen Arbeitgebern zum Standard (29,1 Prozent). An mehr als jedem fünften Arbeitsplatz kommen berufstätige Eltern in den Genuss von Kinderbetreuung. Im Trend sind zudem angesichts der Fachkräfteengpässe Zusatzleistungen, die auf die Work-Life Balance der Beschäftigten abzielen. 

»Die Branche befindet sich mitten in einer Transformation. Beschäftigte benötigen nicht nur neue Fachkompetenzen, sondern teilweise auch ein anderes Mindset«, so Katrin Haupt, Geschäftsführerin der Dekra-Akademie. »Sie müssen sich in neue Technologien einarbeiten und zugleich an veränderte Herangehensweisen gewöhnen. Das ist eine große Herausforderung.«  

Der Dekra-Arbeitsmarkt-Report 2022 kann als PDF kostenfrei per E-Mail unter service.akademie@dekra.com angefordert werden.


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