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5-Jahres-Plan für die Mikroelektronik

China: große Chance - und große Gefahr?


Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Die Politik ist gefordert: Europa, aufgepasst!

»Alle 10 bis 20 Jahre  verändert sich die Geographie  in der Mikroelektronik.  Wir müssen in Europa  sicherstellen, dass wir nicht  unter die Räder kommen.«
Jens Drews, GlobalFoundries: »Alle 10 bis 20 Jahre verändert sich die Geographie in der Mikroelektronik. Wir müssen in Europa sicherstellen, dass wir nicht unter die Räder kommen.«
© Globalfoundries

China stellt Finanzmittel zur Verfügung, gegen die kein anderer Staat ankommen kann, Europa schon gar nicht. Genau diese Finanzmittel können aber zum riesigen Problem werden, was die Entwicklung in der Solarindustrie belegen. Jürgen Weyer, Global Sales & Marketing, Vice President Automotive Sales EMEA von Freescale Semiconductor, kritisiert: »Europa hat China im Solarbereich subventioniert, anstatt das Geld in die eigene Mikroelektronik zu stecken.« Und Claudio Valesani, Group Vice President, Head of EMEA Central Europe Sales Unit von STMicroelectronics, führt das Versagen in Europa darauf zurück, dass damals die Dynamik zu schnell war. Das sei ein echtes Problem für Europa, denn aus Weyers Sicht nimmt die Dynamik sicherlich zu anstatt ab. Valesani: »Die Politik ist nicht so schnell. Jedes Mal, wenn man die Politik braucht, wird es schwierig.«

Aber genau die ist gefordert. »Indien redet seit Jahren darüber, eine eigene Mikroelektronik aufzubauen. Russland nimmt ebenfalls einen erneuten Anlauf, um die Fab in Zelenograd auf Vordermann zu bringen und sucht hier externe Partner. Alle großen Wirtschaftsräume sehen die Mikroelektronik als Key-Enabler an. Nichts läuft ohne Zugang zu Mikroelektronik, die bezahlbar ist, energieeffizient und verfügbar, und die nicht irgendwie abgeschnitten werden kann«, so Jens Drews, Director Communications, Government Relations von GlobalFoundries.

Soweit ist Europa zwar auch schon, immerhin hat man die Mikroelektronik vor Jahren in Europa zur Key-Enabling-Technologie gemacht, dennoch wird bis heute darum gerungen, was die richtigen Werkzeuge seien, um diese Key-Enabling-Technologie in Europa zu halten. Und dass ams im vergangenen Jahr bekannt gegeben hat, im Staat New York innerhalb der nächsten zehn Jahre 4000 neue Arbeitsplätze schaffen und mehr als 2 Mrd. Dollar in eine hochmoderne, 33.400 m² große Wafer-Fab investieren zu wollen, ist sicherlich keine europäische Erfolgsgeschichte. Dennoch ist Drews zuversichtlich: »Wir bereden sehr viel mehr, das ist zugleich eine Stärke und eine Schwäche von Europa. Aber wenn wir uns einmal entscheiden haben, etwas zu machen, haben wir auch die Fähigkeit, es dann zu tun.« Außerdem seien mittlerweile einige interessante Instrumente auf den Weg gebracht worden, die es in Zukunft ermöglichen, die Mikroelektronik zu stärken. In diesem Zusammenhang verweist er auf die »Important Projects of Common European Interest«, kurz IPCEI. Die Kommission hatte 2014 neue Regeln für die Förderung »wichtiger Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse« festgelegt. Damit soll möglich werden, dass die Mitgliedstaaten vor allem große Vorhaben fördern können.

Drews abschließend: »2016 wird das Testjahr sein, das zeigt, ob unsere Politik erkannt hat, was nötig ist, um die Mikroelektronik als Key-Enabler zu stärken.«


  1. China: große Chance - und große Gefahr?
  2. IDM, fabless Unternehmen oder Foundry?
  3. Die Politik ist gefordert: Europa, aufgepasst!
  4. Expertenmeinung: China wird den Markt nicht aufrollen!

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