Handelsstreit und Protektionismus

China beschleunigt Ausbau der Chip-Industrie

18. September 2018, 8:21 Uhr | Heinz Arnold
Keine Auswirkungen hätten die Zölle auf die Halbleiterindustrie in China, sie würden China nicht dazu veranlassen, die eigenen unfairen Handelspraktiken zu ändern – dafür aber der US-Chipindustrie heftig schaden: die SEMI und die SIA können den neuen
Jetzt erst recht: China beschleunigt unter dem Eindruck des eskalierenden Handelsstreits den Ausbau der eigenen Chipindustrie.
© SEMI

Der bisher vernachlässigte Sektor der Maschinen für die Chipfertigung in China bekommt neuen Schwung. Das ist eine Auswirkung der US-Zölle und des Protektionismus.

Eskalierender Handelsstreit, das Verbot, Komponenten an ZTE liefern zu dürfen, der Ausschluss von Geräten der chinesischen Hersteller Huawei und ZTE vom Aufbau der eigenen 5G-Netze in Ländern wie Australien und Indien –  das alles zeigt China, dass es auf den Ausbau der eigenen High-Tech-Industrie angewiesen ist. Das gilt insbesondere für die Chip-Branche.

Eine eigene IC-Industrie aufbauen – das wollte China im Rahmen von »Made in China 2015« sowieso tun, was der US-Regierung wiederum ein Dorn im Auge war, befürchtete sie doch, dass die amerikanische Industrie ins Hintertreffen geraten könnte. Das war schon ein Grund dafür, die Übernahme von Qualcomm durch Broadcom von US-Seite nicht zu genehmigen. Auch die Warnung, Geräte von Huawei und ZTE für den 5G-Aufbau einzusetzen, dürfte teilweise von der Befürchtung angetrieben sein, im 5G-Rennen den Kürzeren zu ziehen.

Befürchtungen, dass chinesische Firmen hier unfaire Praktiken anwenden, um amerikanische und europäische Firmen preislich unterbieten zu können, sind ja nicht von der Hand zu weisen. Auch Befürchtungen, damit sei Spionageaktivitäten Tür und Tor geöffnet, entbehren sicherlich nicht eines wahren Kerns. Doch ob Zölle, Lieferverbote und einfach Ausschluss die Antworten drauf sein können?  

China handelt

China liest daraus nur eine Aufforderung ab: Selber handeln. Dem Land wird jetzt gewahr, dass es nicht nur darum gehen kann, eine eigene IC-Industrie aufzubauen, es kommt auch drauf an, an die Maschinen, die die Chips in den Fabs produzieren, heran zu kommen. Die Zölle könnten das zunächst erschweren und »Made in China 2015« etwas zurückwerfen. Doch das zeigt dringlich: Vergleichbare Hersteller wie Applied Materials, Lam Research in China zu etablieren, wäre eine dringliche Aufgabe. Wurde dieser Teil in den Aufbau-Programmen also bisher etwas vernachlässigt (im 20-Mrd. Dollar schweren »Big Fund« macht er rund 8 Prozent aus), so dürfte der Blick nicht zuletzt unter dem Eindruck der weiteren Ausweitung der Zölle jetzt auf diesen Sektor gefallen sein. Selber verfügt China heute nur über eine wenig entwickelte Equipment-Industrie, es dürfte für China nicht einfach werden, sie aufzubauen, kann aber von außen kaum verhindert werden.  

Reichhaltige Erfahrungen in der Entwicklung

»China verfügt über reichhaltige Erfahrungen, die Wirtschaft weiter zu entwickeln, die Regierung kennt die Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft. Die Reformen der vergangenen Jahre haben Hürden beseitigt und die makroökonomische Landschaft für weitere Entwicklungen bereitet«, war in der Global Time zu lesen, einer englischsprachigen chinesischen Publikation, hinter der die KP Chinas steht. »Der beste Weg, um die chinesische Gesellschaft zu einen und zu ermutigen, besteht darin, die Wirtschaft Chinas weiter zu beflügeln und an das Gewinnstreben der Menschen zu appellieren«, heißt es dort weiter. Damit dürfte der Autor des Kommentars »Weitere Entwicklung klärt die Verwirrung«  vor allem die blühende Venture-Capital-Szene und an die vielen neu gegründeten High-Tech-Unternehmen in China gemeint haben.

Ob die US-Regierung auch daran denkt, wenn sie frohgemut einfach mal die globalen Lieferketten durcheinander rütteln will?  

 



Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

elektroniknet