Schwerpunkte

Forum Künstliche Intelligenz 2020

Künstliche Intelligenz ist kein Selbstzweck

25. Juni 2020, 12:47 Uhr   |  Von Stefanie Eckardt und Gerhard Stelzer

Künstliche Intelligenz ist kein Selbstzweck
© Mercedes-Benz

Dr.-Ing. Steven Peters, der das Team »AI Research« innerhalb der Konzernforschung von Mercedes-Benz leitet: »Nicht weil wir einen glänzenden neuen Hammer haben, sollten wir jedes Problem als Nagel begreifen.«

Am 14.Mai fand zum dritten Mal in Folge das Forum Künstliche Intelligenz der Medienmarken Elektronik, Elektronik automotive und Computer&Automation statt. Aufgrund der Corona-Pandemie fand das Forum virtuell statt – was der Qualität der hochkarätigen Vorträge aber keinen Abbruch tat.

150 Teilnehmer, Referenten und Aussteller wollten sich aktuelle Entwicklungen rund um das Thema künstliche Intelligenz trotz Corona nicht entgehen lassen. Sie wurden auch nicht enttäuscht, denn schon alleine die vier Keynotes des Forums Künstliche Intelligenz 2020 gewährten einen Rundumblick zum aktuellen Stand von künstlicher Intelligenz und welche Herausforderungen noch zu bewältigen sind.

»KI kann Menschen konstruktiv unterstützen, aber nicht kreativ ersetzen«

Das dritte Forum KI startete mit dem Vortrag »KI + Mensch = Zusammen unschlagbar!«, den Reinhard Karger, Unternehmenssprecher des Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) hielt. Er erklärte zunächst, dass künstliche Intelligenz (KI) die Digitalisierung menschlicher Wissensfähigkeiten meint, also der Versuch ist, Leistungen, für die der Mensch Intelligenz benötigt, durch Computer erbringen zu lassen mit dem Ziel, dem Menschen physische oder kognitive Assistenzfunktionen anzubieten. Die Frage ist nur, wie sich dieses bewerkstelligen lässt, ohne das Bewusstsein zu haben, dass der Mensch im Endeffekt nicht ersetzbar ist. »KI kann Menschen konstruktiv unterstützen, aber nicht kreativ ersetzen«, betonte Karger. Aktuelle KI-Anwendungen ermöglichen viele Arten, den Menschen zu unterstützen, ihm neue Erlebnisse zu bieten oder neue Produkte zu entwickeln. Aber die Vielfalt der neuen Werkzeuge führt noch nicht zu einer allgemeinen KI, einem Ganzen, das mehr ist als die Summe seiner Teile. Jetzt geht es um konkrete Fragen, die der Mittelstand adressieren kann, um konkrete Ziele und Wege, wie KI helfen kann, diese zu erreichen. Karger unterstrich vor allem: »KI hat viel Potenzial, aber der gesunde Menschenverstand ist unschlagbar. Menschen sind Meister, Komplexität zu reduzieren und dann das Richtige zu tun. Wir haben eine Meisterschaft, die wir meisterlich unterschätzen.«

»Man darf Ethik nicht dazu instrumentalisieren, KI zu verhindern.«

Im Anschluss brachte Prof. Dr. Christoph Lütge von der Technischen Universität München seinen Zuhörern Ethik in der künstlichen Intelligenz näher. Denn natürlich hat KI das Potenzial, das Leben vieler Menschen nachhaltig zu verbessern, zum Beispiel beim autonomen Fahren. Aber natürlich kann künstliche Intelligenz die Gesellschaft auch negativ verändern. Daher sind klare Regeln notwendig. Dieses Regeln sollten nicht nur rechtliche Regulierungen sein, es braucht vor allem ethische Richtlinien, um weitverbreitete Befürchtungen zu adressieren. Denn letztendlich sind Algorithmen nur so gut, wie die Annahmen auf denen sie letztendlich beruhen. Der Mensch muss Vertrauen in die KI entwickeln und wenn er dem KI-System nicht vertraut, wird er es auch nicht nutzen, ist Lütge überzeugt: »KI wird ohne Ethik nicht fliegen!« Aber er warnte auch: »Man darf Ethik nicht dazu instrumentalisieren, KI zu verhindern.«

»Nicht weil wir einen glänzenden neuen Hammer haben, sollten wir jedes Problem als Nagel begreifen.«

Dr.-Ing. Steven Peters, der das Team »AI Research« innerhalb der Konzernforschung  von Mercedes-Benz leitet referierte zum Thema »KI als Werkzeug für Ingenieure«. Sein Team erforscht maschinelle Lernverfahren für den Einsatz in zukünftigen Fahrzeugfunktionen wie auch als Assistenzsystem für Entwicklungsingenieure. Peters ging in seinem Vortrag zunächst auf die Unterschiede zwischen klassischen Algorithmen und maschinellem Lernen ein. Peters beschrieb wie die Wege des Lernens im Auto – vom individuellen Lernen über Lernen aus der Flotte und empathischem Lernen bis hin zum individuellen Training und brachte zum Abschluss dem Zuhörer die KI-Prinzipien des Automobilherstellers nahe: Wie sieht der verantwortungsvolle Einsatz von KI aus – »man muss sich immer die Frage stellen, gibt es einen anderen Ansatz, der eventuell besser geeignet ist, sein Ziel zu erreichen«. Welche Rolle spielen die Erklärbarkeit, der Schutz der Privatsphäre sowie Sicherheit und Zuverlässigkeit? Peters verglich KI mit einem neuen glänzenden Hammer: »Nicht weil wir einen glänzenden neuen Hammer haben, sollten wir jedes Problem als Nagel begreifen.«

Streifzug durch das Forum KI 2020

Bild 1. Prof. Lütge von der TU München erläuterte in seiner Keynote das Spannungsfeld von KI und Ethik.
Bild 2. Dr.-Ing. Steven Peters, der das Team »AI Research« innerhalb der Konzernforschung  von Mercedes-Benz leitet, erläuterte das Prinzip des Deep Reinforcement Learnings anhand einer Automatengetriebe-Anwendung dar.
Bild 3. Bilderkennung ist eines der Hauptanwendungsfelder von KI. Mit der SmartCamera+-Plattform von Xilinx lassen sich Bildverarbeitungsanwendungen einfach evaluieren.

Alle Bilder anzeigen (11)

Domänenspezifische Architekturen bieten Anpassungsfähigkeit

Das dritte Forum Künstliche Intelligenz schloss mit einer Keynote des US-Chipherstellers Xilinx, der programmierbare Logik massiv zur Verarbeitung von KI-Algorithmen einsetzt. Ramine Roane, Vice President Software and AI Product Marketing, hielt einen Vortrag zum Thema »Herausforderungen bei der KI-Produktion: Anpassungsfähigkeit vom Sensor über das Gehirn zur Handlung.« Roane sieht zwei große Herausforderungen: Zum einen eine um Größenordnungen höhere Rechenleistung, wobei Preis, Leistung, Latenz und Formfaktor intakt bleiben müssen. Des Weiteren bedarf es einer entsprechenden Architektur, um die hohen Anforderungen zu erfüllen, die komplexe Algorithmen stellen. Dafür ist seiner Meinung nach eine anpassungsfähige domänenspezifische Architektur notwendig, die vom Sensor über das Gehirn bis hin zu den Aktionen implementiert werden muss.

___________________________________________________________________

Das vierte Forum Künstliche Intelligenz wird voraussichtlich wieder als Präsenzveranstaltung am 21.04.2021 in Stuttgart stattfinden.

___________________________________________________________________

Die Präsentationen und Videos unseres virtuellen Forums KI 2020 stehen auch für Nichtteilnehmer zum Preis von 349,-- Euro zum Download zur Verfügung. Kontaktieren Sie bitte dazu die Eventabteilung der WEKA Fachmedien.

___________________________________________________________________

Nach den Keynotes splittete sich das Forum in drei Sessions: Künstliche Intelligenz in Embedded-Anwendungen, KI in der Fabrik und Künstliche Intelligenz im Fahrzeug.

Seite 1 von 3

1. Künstliche Intelligenz ist kein Selbstzweck
2. Künstliche Intelligenz in Embedded-Anwendungen
3. Künstliche Intelligenz im Fahrzeug

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

»Immer dann wenn es funktioniert, dann ist es keine KI mehr«
Chip-Innovation treibt KI-Revolution
Nvidia steigt bei DFKI ein
Nvidia schließt Übernahme von Mellanox ab
KI und IoT – zusammen als »AIoT« unschlagbar
KI-Funktionen in »Deep Learning Toolbox« erweitert
»KI sollte nicht zum Selbstzweck genutzt werden«
Virtuelle Premiere zieht rund 150 Teilnehmer an
Mercedes und Nvidia kooperieren für Softwarearchitektur

Verwandte Artikel

DFKI Deutsches Forschungszentrum f. Künstliche Intelligenz GmbH, ZF Friedrichshafen AG, Microsoft Deutschland GmbH, Valeo Schalter und Sensoren GmbH, Mercedes Benz AG EP/ZEMM, XILINX GmbH, TU München Funkt. Materialien, M&M Software GmbH, STMicroelectronics GmbH, MTS Sensor Technologie GmbH & Co. KG, Fraunhofer-Allianz Vision