VDI-Umfrage

KI im Ingenieuralltag noch nicht angekommen

27. Juli 2022, 10:00 Uhr | Tobias Schlichtmeier
Künstliche Intelligenz
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Nach dem Hype um künstliche Intelligenz (KI) in den letzten Jahren stellt sich die Frage, was seither passiert ist – gerade im Arbeitsumfeld von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Dazu wurde im März 2022 eine Umfrage unter VDI-Mitgliedern durchgeführt. Diese liefert erstaunliche Erkenntnisse.

KI erweitert technische Systeme um die Fähigkeit, Aufgaben selbstständig und effizient zu bearbeiten. Seit den Jahren 2018 und 2019 hat sie einen regelrechten Hype erfahren. Doch was ist seitdem passiert und haben KI-Methoden Einzug in den Ingenieuralltag gehalten? 

Um das herauszufinden, startete der VDI im März 2022 eine Umfrage unter seinen Mitgliedern. Die Ergebnisse wurden mit einer Umfrage aus 2018 verglichen und im Statusreport »Künstliche Intelligenz im Ingenieuralltag – Erwartungen und Realität« festgehalten. 

Mit der Umfrage wollte der VDI wissen, inwieweit Methoden der künstlichen Intelligenz inzwischen im alltäglichen Arbeitsumfeld von Ingenieuren und Ingenieurinnen zum Einsatz kommen. Dieter Westerkamp, VDI-Bereichsleiter Technik und Gesellschaft, fasst das Ergebnis zusammen: »Die Prognosen aus der letzten Umfrage aus dem Jahr 2018 erfüllen sich nicht. Die seinerzeit geäußerten Erwartungen im Hinblick auf die Nutzung von KI-Methoden werden deutlich nicht erreicht.«

Andere Herausforderungen hemmen KI-Entwicklung

Die größte Nutzung von KI-Methoden ergibt sich laut den VDI-Mitgliedern bei der Datenanalyse. Es folgen der Einsatz bei der vorausschauenden Instandhaltung, im Qualitätsmanagement sowie im Rahmen von Assistenzsystemen. Auf die Frage, in welchen Bereichen das größte Potenzial von KI außerhalb der industriellen Produktion gesehen wird, wird wie schon 2018 am häufigsten das automatisierte Fahren genannt. 

Der überwiegende Teil der Befragten gibt an, dass das eigene Unternehmen noch keine KI-basierten Produkte oder Dienstleistungen anbietet. KMUs hinken Großunternehmen hinterher. Die geäußerten Erwartungen aus dem Jahr 2018 im Hinblick auf die Nutzung von KI-Methoden werden im Vergleich zur neuen Umfrage  nicht erreicht. Ein möglicher Grund kann die Corona-Pandemie sein, die neue und andere Herausforderungen vor allem in den Jahren 2020 und 2021 mit sich brachte. Die Digitalisierung wurde allgemein durch die Pandemie forciert und hätte demnach auch einen Schub für KI-Anwendungen im Ingenieuralltag bedeuten können. Sehr pessimistisch ist die Einschätzung der VDI-Mitglieder im Hinblick auf eine führende Rolle Deutschlands im Bereich der KI. So sagten etwa 76 % der Befragte, dass Deutschland keine führende Rolle einnimmt, etwa 24 % geben an, Deutschland mindestens eine führende Rolle in einigen Bereichen zuzuschreiben.

KI-Wissen nimmt zu

Dafür steigt die Quote derer, die sich KI-Kenntnisse bereits im Studium aneignen. Aus Sicht der Befragten können Ingenieurwesen und Informatik die anstehenden Herausforderungen bei der Anwendung von KI nur gemeinsam lösen. Sie sehen sich bei der Nutzung von KI in einer wichtigen Rolle, da sie in der Regel die Anbindung von technischen Systemen zum realen Prozess verantworten. Der Stellenwert von KI im Alltag der Ingenieurinnen und Ingenieure ist Stand heute jedoch gering.

Die VDI-Umfrage bestätigt, dass der Einsatz von Methoden der KI in der Praxis noch auf Hemmnisse stößt. Weitere Ergebnisse der KI-Umfrage finden Sie im Statusreport. Rund 300 VDI-Mitglieder haben sich an der Umfrage beteiligt. Der Statusreport wurde von den Mitgliedern des »Interdisziplinären Gremiums Digitale Transformation im VDI« (IGDT) erarbeitet.

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