Interview mit Markus Bauer

Entwicklung und Distribution finden zusammen

8. April 2022, 9:00 Uhr | Tobias Schlichtmeier
Markus Bauer
Markus Bauer ist Supplier Development Manager bei EBV Elektronik.
© EBV Elektronik

Mit eigener Entwicklung und Fertigung nimmt Avnet Embedded eine Sonderstellung im Avnet-Konzern ein. Durch Zusammenarbeit mit EBV Elektronik wird das Unternehmen nun stärker in den Avnet-Verbund integriert, EBV erweitert die Reichweite von Avnet Embedded. Mit Vorteilen für beide Seiten.

Markt&Technik: EBV Elektronik vertreibt ab sofort Produkte von Avnet Embedded. Gab es diese Zusammenarbeit mit ehemals Avnet Integrated nicht? Was ist neu an der Strategie?
Markus Bauer: Bislang agierte Avnet Embedded – ehemals Avnet Integrated – unabhängig von den anderen Teilen der Unternehmensgruppe. Aktuell sind wir dabei, den Embedded-Spezialisten mit allen Kompetenzen in den Konzern zu integrieren, sodass die Produkte und Dienstleistungen von Avnet Embedded über alle Geschäftsbereiche verfügbar sind. Das bedeutet, dass Avnet Embedded ab sofort auf die Vertriebskanäle von EBV Elektronik zugreifen kann.

Hinzu kommt der Wunsch unserer Kunden, immer komplexere Embedded Designs umzusetzen. Wir bei EBV Elektronik konnten dem Wunsch vielfach nicht mehr nachkommen. Unsere Entwickler bei Avnet Embedded adaptieren schnell und gewährleisten so eine kurze Time to Market. Zudem können wir verschiedene Applikationen bedienen – vom Standardmodul bis hin zum kundenspezifischen Design.

Inwiefern profitiert EBV Elektronik von der Neuausrichtung?
Als EBV Elektronik können wir ab sofort einen wesentlich größeren Kundenkreis ansprechen. Zwar gibt es beim Produktportfolio einige Überlappungen, zum Beispiel bei Prozessoren. Als reiner Halbleiterlieferant waren wir in der Vergangenheit jedoch sehr eingeschränkt, was spezielle Kundenwünsche betraf. Ab sofort können wir viele Synergien nutzen, zum Beispiel über unsere FAEs, die sogar First Level Support durchführen.

Welche Konsequenzen hat das für das umfassende Portfolio der EBV Elektronik?
Zum Beispiel hatte EBV bislang keine x86-Technologien im Angebot. Ab sofort können wir diese zusammen mit Modulen von Avnet Embedded anbieten. Erwähnenswert sind auch Display-Technologien, die uns Avnet ab sofort bereitstellt. Bislang konnten wir zwar Displays verschiedener Hersteller anbieten, mit dem neuen Portfolio eröffnen sich aber ganz neue Einsatzbereiche. Zum Beispiel im PCAP-Touch-Bereich; hier können wir nun spezielle Kundenwünsche berücksichtigen.

Das heißt, Sie setzen künftig stärker auf kundenspezifische Entwicklungen?
Ja, ab sofort können wir auf Basis unserer Standard-Module jederzeit auf Wunsch individuelle Applikationen entwickeln. Beispielsweise setzen wir eigene PCB-Layouts um, designen CPUs oder Speicher ein oder passen die Peripherie an. Zudem ist es vorstellbar, CPUs einzusetzen, die wir bislang nicht in der Linecard hatten. Jedoch muss der Kunde in dem Fall mit längeren Entwicklungszeiten rechnen; adaptieren wir existierende Designs, sind wir wesentlich schneller.

Gilt das auch für die Software? Mit Witekio haben Sie sich kürzlich einen Spezialisten ins Unternehmen geholt.
Witekio arbeitet sehr anwendungsbezogen, die Wurzeln des Unternehmens liegen im Bereich Board Support Packages. Allerdings entwickeln die Mitarbeiter dort auch GUIs, Anwendungssoftware oder KI-Applikationen. Zusätzlich zu Witekio konnten wir kürzlich den Software-Spezialisten Softweb mit etwa 500 Entwicklern akquirieren. Die Mitarbeiter sind beispielsweise in den Bereichen IoT und Data Mining sehr versiert. Somit decken wir im Bereich Software-Entwicklung ab sofort einen sehr großen Bereich selbst ab.

Die Lieferengpässe machen derzeit allen Unternehmen der Elektronik-Branche zu schaffen. Wie gehen Sie mit den Herausforderungen um?
Wir sind derzeit in einer einigermaßen komfortablen Situation. Unsere Geschäftsbeziehungen sind in der Regel langfristig ausgerichtet. So planen wir den Bedarf unserer Kunden über einen sehr langen Zeitraum ein. Kunden, die frühzeitig Bedarf angemeldet haben, können wir sehr gut beliefern, kurzfristige Bedarfe zu bedienen ist hingegen schwierig. Auch wir bekommen nicht alle Bauteile, die wir benötigen, wir profitieren aber von der Langfristigkeit unserer Geschäfte.

Gibt es Ansätze, Lieferketten – oder gar Produktionen – wieder lokaler aufzustellen?
Bei uns ist das seit Langem der Fall, da wir in Stutensee und Freiburg entwickeln und fertigen. Viele Marktbegleiter haben ihre Produktionen vor Jahren outgesourct – wir halten dagegen sowohl die Produktion als auch die Logistik in eigenen Händen. So sind wir zudem nicht von den Strafzöllen bei einer Fertigung in China betroffen. Außerdem besitzen wir noch eine weitere Produktionsanlage in Malta. Als nächsten Schritt setzen wir unser Werk in Freiburg komplett neu auf und vergrößern den Logistikbereich. Unser neues Design Center in Deggendorf hilft uns ebenfalls, Aufträge zu gewinnen.

Sprechen wir über Halbleiter und Komponenten, ist die Situation eine andere. Es ergibt keinen Sinn, diese selbst zu fertigen, jedoch erreichen wir bereits eine sehr große Produktionstiefe. Beispielsweise versuchen wir ab sofort, PCBs in Europa zu beziehen. Unsere Experten arbeiten laufend daran, die Lieferketten zu stabilisieren.

Wie nehmen Sie die Preisanstiege wahr und wie können Sie hier gegensteuern?
Wir hoffen, dass sich die Preise wieder stabilisieren; ich bin mir jedoch nicht sicher, wann das sein wird. Ein Vorteil bei den Produkten der Avnet Embedded ist, dass wir einen breiten Produktmix anbieten können. So konnten wir in der Vergangenheit positive Effekte mitnehmen, die sich aus einem Preisverfall bestimmter Komponenten ergaben, beispielsweise günstigere Speicher-Bausteine. Höhere Preise von Prozessoren glichen sich somit gut aus. Über die Logistikwege der Avnet ergeben sich weitere Verbesserungspotenziale und Einsparmöglichkeiten bei den Transportkosten.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Bauer.

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