Schwerpunkte

Was 5G für die Distribution bedeutet

In die Lücken der Mobilfunkanbieter springen

26. April 2021, 09:29 Uhr   |  Karin Zühlke

In die Lücken der Mobilfunkanbieter springen
© Deutsche Telekom

Den Bedarf zur Vernetzung in allen Bereichen sehen Experten aus der Distribution als einen der wichtigsten Technologietrends. Eine Schlüsselrolle wird 5G spielen – und dabei möchte auch die Distribution ein gewichtiges Wort mitreden.

»5G wird nicht nur die Art der Kommunikation im privaten Umfeld beeinflussen, sondern auch im Geschäftsumfeld einiges verändern. Die Potenziale für die Distribution sind mannigfaltig, speziell in Bereichen, in denen die großen Drei Ericsson, Nokia und Huawei keine Aktivitäten entwickeln wollen«, fasst Michael Röder zusammen, Manager Software and Services EMEA von Avnet Silica. Als Beispiele dafür nennt er 5G-Kommunikation für Bereiche wie Hotels, Stadien, Messen, Flughäfen, Veranstaltungen wie Konzerte oder große Treffen, wo viele Menschen auf relativ engem Raum zusammenkommen. »Zudem sehen wir bei den 5G-Testern gute Möglichkeiten, die Lösung unserer Hersteller zu platzieren. Ein sich entwickelnder Markt sind beispielsweise Radar-Applikationen, etwa für den Bereich Aerospace«, so Röder weiter.

Die Etablierung von 5G als neuem Standard ermöglicht durch die neuen Frequenzbänder mit höheren Bandbreiten, höherer Kapazität und effizienterer Nutzung des vorhandenen Spektrums spürbar höhere Datenübertragungsraten und schließlich auch deutlich niedrigere Latenzzeiten. Diese Eigenschaften sieht Anja Schaal, Team Leader Product Marketing Wireless von Rutronik, als Basis für viele neue Anwendungen, die von Smart Factory über autonom fahrende Fahrzeuge bis hin zur Smart City und Smart Agriculture reichen – und vieles davon wird nahtlos zusammenspielen.

Röder_Michael
© Avnet Silica

Michael Röder, Avnet Silica: »Die Potenziale für die Distribution sind mannigfaltig, speziell in Bereichen, in denen die großen Drei Ericsson, Nokia und Huawei keine Aktivitäten entwickeln wollen.«

»Es mag noch ein wenig nach Science Fiction klingen, aber in naher Zukunft kommunizieren zum Beispiel Verkehrsschilder, Ampeln und Parkplätze mit autonom fahrenden Autos. Oder unsere Gärten und Felder kümmern sich quasi um sich selbst, wenn Bewässerungssysteme und Rasenmäher automatisiert arbeiten. So könnten auch Mülltonnen und Recyclingplätze verfügbare Kapazitäten melden und die Folgeprozesse optimieren«, schildert Schaal. »Für uns als Distributor für elektronische Bauelemente bedeutet das, dass wir immer weiter über unseren bestehenden Kundenstamm und die damit verbundenen Applikationsfelder hinausdenken müssen.«

So werden für die Distribution immer mehr Berührungspunkte mit Kunden und Bereichen geschaffen, die bis dato wenig mit Elektronik zu tun hatten bzw. sich kaum über die neuen Möglichkeiten informiert haben. »Wir erkennen aktuell noch eine Fokussierung auf 5G in den Sub-6-GHz-Bändern und das Thema Campusnetzwerke, sprich: den Aufbau privater Firmennetzwerke. Hier lässt sich bereits die Ausrichtung hin zur Smart Factory und Industrial Automation erkennen«, so Schaal.

Tischler_Margit
© Arrow

Margit Tischler, Arrow: »Viele Hersteller setzen jedoch zunehmend auf das Thema, und somit eröffnen sich neue Felder für die Distribution und die Chance, Expertise dazu aufzubauen, was natürlich schnell passieren muss.«

Auch Margit Tischler, Vice President Engineering bei Arrow Global Components EMEA, hebt bei den 5G-Anwendungen die industrielle Fertigung hervor, gibt aber auch zu bedenken, dass dort die derzeit hohen Kosten, zum Beispiel für 5G-Modems. noch eine Rolle spielen. »Viele Hersteller setzen jedoch zunehmend auf das Thema, und somit eröffnen sich neue Felder für die Distribution und die Chance, Expertise dazu aufzubauen, was natürlich schnell passieren muss«, betont Tischler.

Und wo genau sind die Anker für die Distribution, um sich in dieses Thema einzuklinken? »Die Distribution kann letztlich ähnlich wie in anderen Bereichen unterstützen, bei Services rund um Hardware und Software, Design von 5G-Applikationen und Sensorik. Ebenso wie bei IoT hilft hier ein starkes Partner-Ökosystem, so wie wir es beispielsweise bereits aufgebaut haben«, erläutert Tischler. Aber auch beim umfassenden Datenvolumen durch 5G sieht Tischler eine Stoßrichtung: Dies bringe zusätzliche Komplexität in die Entwicklung, Erfassung und das Management der Daten. »Die Komplexität adressieren wir mit unseren Services und unserem Ökosystem, um Kunden beim Entwerfen, Entwickeln und Bereitstellen zu unterstützen.«

Schaal_Anja
© Rutronik

Anja Schaal, Rutronik: »Für uns als Distributor für elektronische Bauelemente bedeutet das, dass wir immer weiter über unseren bestehenden Kundenstamm und die damit verbundenen Applikationsfelder hinausdenken müssen.«

Das Potenzial für Funktechnologie – und damit auch 5G – ist so variantenreich, dass die größte Herausforderung laut Anja Schaal für den Distributor darin besteht, »noch kreativer und innovativer zu denken als unsere Kunden. Was ist möglich und was brauchen wir dafür? Stehen Aufwand und Kosten in Relation zum Ergebnis? Wer kann die passenden Produkte liefern oder andersherum: Wer könnte die State-of-the-Art-Technologie einsetzen, die neu im Distributionsportfolio ist?« Und dabei gehe es eben nicht (nur) um die Bestandskunden.

Bei der Produktauswahl werden Komponenten für Anwendungen mit LTE-M/NB-IoT nach Auskunft von Schaal bereits seit fast drei Jahren nachgefragt. Sie sind deshalb eine gute Wahl, da sie derzeit für LTE bzw. 3GPP Release 13 und 14 eingesetzt, aber dann auch nahtlos in 5G überlaufen und sich einfügen werden, was entsprechend kosteneffizient ist.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Verwandte Artikel

Arrow Central Europe GmbH, Rutronik Elektronische Bauelemente GmbH, Avnet Silica