Schwerpunkte

»Experiences per Mile«

Neue Messgröße soll Fahrerlebnis erfassen

19. November 2020, 08:38 Uhr   |  Gerhard Stelzer

Neue Messgröße soll Fahrerlebnis erfassen
© EPM Advisory Council

Traditioneller Maßstab für Fahrzeuge sind physikalische Größen, wie Motorleistung, Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit. Einige Autobauer und Zulieferer haben sich nun zum »Experiences Per Mile Advisory Council« zusammengeschlossen, um einen Maßstab für das Fahrerlebnis insgesamt zu entwickeln.

Der »Experiences Per Mile Advisory Council« (EPM), eine Vereinigung von führenden Automobil- und Technologie-Unternehmen wie Harman, Spotify, Ford, Darktrace und Amazon, plädiert in seinem neuesten Bericht für eine Kennzahl, die das Fahrerlebnis beschreibt. Die Art und Weise, wie Verbraucher über Technik im Automobil denken und ihre Erwartungen in Bezug auf ihre Mobilität im Laufe eines Tages, eines Jahres und der gesamten Periode ihres Autobesitzes ändern sich rapide. Mit neuen technischen Möglichkeiten wie Cloud Computing, künstlicher Intelligenz (KI), Over-The-Air-Aktualisierungen (OTA) und 5G-Telematik an der Spitze der Automobilentwicklung sowie der CASE-Bewegung (Connected, Autonomous, Shared Mobility and Electrification) werden diese jüngsten Fortschritte die Art und Weise, wie Verbraucher das Automobil wahrnehmen und während der Fahrt mit Diensten interagieren, beim Eintritt in das nächste Kapitel der Automobilinnovation vorantreiben. Und das geschieht gerade.

Während sich die Branche weg von RPM (Revolutions Per Minute – Umdrehungen pro Minute) zu EPM (Experiences Per Mile) tendiert und neue Fahrzeuge und Dienstleistungen entwickelt werden, um die Bedürfnisse der Verbraucher zu erfüllen, sei es laut dem EPM Council wichtig, die Auswirkungen auf jeden OEM, Zulieferer, Technologieanbieter und Partner zu untersuchen. Es hat sich gezeigt, dass es derzeit keine etablierte Messgröße gibt, mit der die Verbraucher ihre Mobilität effektiv bewerten und beurteilen können, wie gut jedes Unternehmen bei der Bereitstellung eines möglichst guten Fahrerlebnisses im Fahrzeug abschneidet.
Der Experiences Per Mile Advisory Council – eine Kooperationsgremium von 34 Interessenvertretern aus 23 globalen Automobil- und Technologieunternehmen hat nun einen neuen Bericht veröffentlicht, um die Entwicklung einer neuen Metrik in der Automobilindustrie vorzuschlagen. Der Bericht mit dem Titel »Experiences Per Mile: Charting an Ambitious Course to Measure the Mobility Experience for the First First Time« hebt den stattfindenden Branchenwandel hervor und zeigt auf, warum er einen Bedarf für eine neue Metrik schafft.

Der neue Bericht skizziert, was eine gute Messung ausmacht, wie eine Metrik entwickelt werden könnte und welche Qualitäten erforderlich sind, um den Bedürfnissen des anspruchsvollen Verbrauchers und der Industrie im Allgemeinen gerecht zu werden. Neben der Schaffung dieser neuen Metrik skizziert der Bericht auch andere Veränderungen und Instrumente, die in der Branche erforderlich sein werden, um sicherzustellen, dass die Erfahrungen pro Meile gemessen und verbessert werden, um die Verbraucher weltweit besser bedienen zu können.

Im Laufe der Jahre gab es eine Vielzahl von Methoden und Versuchen, das Kaufverhalten, die Zuverlässigkeit, die Leistung und die Zufriedenheit der Kunden mit ihrem Auto zu messen. Nicht selten entsteht eine neue Umfrage oder ein neues Bewertungssystem, das die Lieblingsfunktionen des Kunden hervorhebt oder aufzeigt, wie viel er dafür bezahlen würde. Heutzutage gibt es eine Vielzahl von Forschungsprogrammen in der Branche, die die Qualität der im Fahrzeug eingebauten Funktionen messen oder laufende Metriken, die die Kundenzufriedenheit zu verschiedenen Zeitpunkten erfassen. Es gibt jedoch bislang keinen Maßstab für EPM.

Wie muss ein EPM-Maßstab aussehen?

Der Bericht wurde nach monatelanger Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedern des EPM-Beirats und durch die besondere Arbeit eines »Metrik-Ausschusses« mit Freiwilligen entwickelt, die ihr Interesse an der Entwicklung einer adäquaten neuen Metrik zum Ausdruck brachten. Er umreißt die grundlegenden Prinzipien, die die EPM-Metrik bei ihrer Entwicklung erfüllen muss. Zu den Schlüsselmerkmalen oder Treibern einer erfolgreichen Branchenmetrik gehören:

  • Einfachheit - Muss von allen verstanden werden, einschließlich der Verbraucher (Nutzer) und Führungskräfte/Ingenieure (Anbieter).
  • Effizienz - Muss insgesamt zu einer leichteren und erfüllteren Erfahrung führen.
  • Wertorientiertheit - Muss den Wert der Erfahrung in Bezug auf den Preis darstellen.
  • Intelligenz - Im Idealfall kann die Metrik im Laufe der Zeit lernen, wie die Erfahrung »gelehrt« und zukünftige Kundenerfahrungen zu erfassen sind.
  • Transparenz - Im Gegensatz zu einer Dating-Website oder einer Musik-App, die von einem proprietären Algorithmus gesteuert wird, muss die EPM-Metrik ihre Berechnungsmethode für alle offenlegen.
  • Ganzheitlicher Ansatz - Die Messung muss den Anfang, die Mitte und das Ende einer Reise sowie alle wichtigen Punkte dazwischen erfassen.
  • Objektivität - Alle Anbieter müssen auf einer objektiven Basis nach ihrer Fähigkeit bewertet werden, ein ideales und nahtloses Erlebnis zu liefern, ohne Verzerrung durch das »wie«.
  • Kontext - Jede Reise besteht aus einer Reihe von Momenten, die oft durch den Kontext, in dem sich der Fahrer befindet, oder durch die Befindlichkeit des Konsumenten bestimmt werden. Äußere Einflüsse wie Verkehr, Wetterbedingungen, Tageszeit, unsichere Gebiete und mehr beeinflussen alle den Kontext, in dem die Mobilitätserfahrung bewertet werden kann.
  • Skalierbarkeit - Um die Erfahrungen aller Automobilhersteller und schließlich verschiedener Verkehrsmittel abzudecken ist Skalierbarkeit eine Grundvoraussetzung.
  • Flexibilität - Jede Messgröße muss flexibel genug sein, um dem hohen Maß an Veränderungen Rechnung zu tragen, die in den kommenden Jahren aufgrund der Weiterentwicklung von Funktionen und Technologien stattfinden werden.
  • Umsetzbarkeit - Vor der Entwicklung eines »Heilmittels« für eine Erfahrung ist eine »Diagnose« der Grundursache einer fehlgeschlagenen oder mängelbehafteten Reise erforderlich.
  • Glaubwürdigkeit – Der Maßstab muss quasi zum »Goldstandard« werden, dem Verbraucher und Anbieter voll vertrauen und auf den sie sich verlassen können, um sofortige oder langfristige Entscheidungen über Fahrzeugkauf, Leasing und mehr zu treffen.
  • Etablierung - Eine erfolgreiche Metrik soll als Quelle anerkannt werden und eine weite Verbreitung ihrer Bewertungen und Daten erreichen.

Der nächste Schritt für den EPM-Beirat ist die Entwicklung eines Proof-of-Concept für eine neue Messung unter Verwendung ausgewählter Fahrzeugmodelle, die bestimmte Arten von Erfahrungen und Vorteilen für den Verbraucher während einer ausgewählten Anzahl von Mobilitätsarten bieten. Der Proof-of-Concept ist ein wichtiger erster Schritt, um ein frühes Verbraucher-Feedback zu erhalten und den metrischen Prozess bis zum dritten Quartal 2021 zu testen. Nach den ersten Tests würden Expansionspläne auf einem Teil des Weges zur breiteren Marktentwicklung und zur Übernahme durch die Industrie entwickelt. Der EPM-Beirat, der von Harman und SBD Automotive unterstützt wird, ist bestrebt, die One Experience-Metrik festzulegen, die von Verbrauchern, Automobilherstellern, Technologieanbietern und Zulieferern gleichermaßen verwendet werden soll - alles mit dem Ziel, die Erfahrung der Verbraucher in den Vordergrund zu stellen.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Europcar Mobility Group setzt auf Telefónica und Geotab
Telematik-System ist nun herstellerunabhängig nutzbar
Hyundai setzt auf Nvidia-Drive-Infotainment- und KI-Plattform
Das smarte Auto lernt von selbst
NXP und Amazon Web Services gehen strategische Partnerschaft ein

Verwandte Artikel

Harman Becker Automotive Systems GmbH, FORD-WERKE GmbH , Amazon Web Services