Schwerpunkte

Lapp Mobility setzt Fokus auf Emobility

»Elektromobilität macht Spaß«

27. Oktober 2020, 11:36 Uhr   |  Irina Hübner

»Elektromobilität macht Spaß«
© Lapp Mobility

Frank Hubbert ist Geschäftsführer von Lapp Mobility, dem auf Elektromobilität spezialisierten Corporate Start-up von Lapp. Er bringt rund 25 Jahre Erfahrung aus der Automobilzuliefererindustrie mit. Unter anderem war er für Brose, Fisher Automotive Systems und Magna tätig.

Mit der Ausgründung von Lapp Mobility im Jahr 2019 legt Lapp nun einen größeren Schwerpunkt auf die Elektromobilität. Das Corporate Start-up sieht sich als Wegbereiter der »Elektromobilität für alle«, erklärt Lapp-Mobility-Geschäftsführer Frank Hubbert im Interview mit Elektronik automotive.

Elektronik automotive: Sie sind Verfechter der These »Elektromobilität macht Spaß!«. Sollte bei der Verkehrswende denn wirklich der Spaß im Mittelpunkt stehen? Oder geht es nicht vielmehr um die Energiewende und damit um Umwelt- und Klimaschutz?

Frank Hubbert: Aus meiner Sicht müssen wir beides miteinander verknüpfen. Ich persönlich bin an dem Thema vor allem interessiert, weil die Energiewende letztendlich erst durch das Elektoauto ermöglicht wird. Ich sehe das E-Auto als mobilen Energiespeicher, der sich flexibel einsetzen lässt und gegebenenfalls wieder Batterieleistung abgibt an das Netz oder an andere Verbraucher. Ich glaube, um eine bessere Durchdringung zu bekommen, dürfen Elektroautos nicht als Verzicht empfunden werden. Es braucht mehr Emotion beim Thema Elektromobilität, sonst wird das eine sehr technische Diskussion bleiben – beschränkt auf Ingenieure, die das alles eher technisch beurteilen. Für eine höhere Durchdringung müssen die Familien erreicht werden. Und: Es müssen vor allem die Kinder und Jugendlichen erreicht werden.

Ich glaube auch, dass die Diskussion über das E-Auto oft falsch geführt wird, nämlich als Ersatz für ein bestehendes Verbrennerfahrzeug. Stattdessen müssen wir eine Erweiterung vornehmen und über mobile Energiespeicher sprechen. Dann wird es für alle viel interessanter. Dann können Sie mit Ihrem Fahrzeug Geld verdienen, dann können Sie die Leistung zur Verfügung stellen an Orten, die bis heute keine Leistung haben. Dieser Aspekt fehlt mir oft in der Diskussion um die Vor- und Nachteile der Elektromobilität.

Lapp Mobility ist ein relativ kleines Unternehmen in der Welt der Elektromobilität. Wir sind erstmal darauf fokussiert sein, neue Kundengruppen anzusprechen – sprich private Endkunden, die sich bislang vielleicht noch gar nicht mit dem Thema E-Mobilität auseinandergesetzt haben. Und da glauben wir, ist ein gewisser Spaßfaktor, zusammen mit einer klaren Positionierung im Markt unter unseren drei Leitbegriffen »Einfach – Flexibel – Digital« für das Laden der Zukunft wichtig.

Wie sehen Sie die Mobilität der Zukunft? Werden Benziner aussterben? Wird jeder sein eigenes Elektroauto haben? Oder wird sich am Ende doch CarSharing durchsetzen?

Wenn wir uns vor Corona unterhalten hätten, dann wäre meine Antwort eindeutig gewesen. Dann hätte ich gesagt: CarSharing mit zwei Ausrufezeichen! Denn ich persönlich bin ein großer Verfechter davon, dass Mobilität künftig anders stattfinden wird. Teilen wird ganz klar einen Schwerpunkt ausmachen. Ich glaube, dass das Festhalten am Besitz eine sehr typische Eigenschaft der älteren Generation ist, der heute noch bestimmenden Generation. Aber das wird sich ändern – mit unseren Kindern und mit externen Notwendigkeiten wie Klimaschutz sowie den Änderungen im Nutzungsverhalten vieler Menschen.

Der Verbrenner wird sicherlich nicht komplett aus­sterben, zumindest nicht hierzulande. Stirbt das eigene Auto aus? Auch das wahrscheinlich nicht komplett, aber es wird viele Beschränkungen geben – verkehrstechnisch, regulatorisch und durch den Energiepreis –, sodass viele zukünftig eben doch auf das eigene Auto verzichten werden.

Allerdings wird man für manche Regionen nach wie vor Verbrenner bauen – insbesondere dort, wo die Stromnetze nicht so stabil und ausreichend dimensioniert worden sind, dass eine entsprechend große Anzahl an Elektroautos in das jeweilige Netz integriert werden kann. Doch in Deutschland wird es künftig eine wesentlich höhere Durchdringung an E-Fahrzeugen geben. Die Gesetzgebung sowie die
Förderungen und Maßnahmen zum Klimaschutz werden ihren Teil dazu beitragen.

Bislang gab es bei der Anschaffung von Elektroautos kundenseitig hauptsächlich Bedenken bezüglich der Ladeinfrastruktur. Erst in den letzten Monaten sind die Automobilhersteller als Schwachstelle entstanden. Lange Lieferzeiten oder sogar Bestellstopps schrecken ab. Haben die Autohersteller da in der Vergangenheit Fehler gemacht?

Es ist schwierig von außen zu beurteilen, ob Fehler gemacht wurden. Natürlich haben die Automobilhersteller an der bisherigen Technologie festgehalten und damit auch an den Arbeitsplätzen und den Investitionen der Vergangenheit. Das war aus Unternehmenssicht erst einmal sinnvoll, denn einen bestehenden Motor weiterzuentwickeln, das geht mit überschaubarem Aufwand und Kosten. Auf jeden Fall aber wurde der Veränderungsdruck unterschätzt. Länder wie China, Sri Lanka, Türkei und Vietnam wurden als neue Player unterschätzt. Diese Länder sind jetzt durch die Elektromobilität auf einmal in der Lage, vernünftige Autos zu bauen. Da  hätten hiesige Automobilhersteller sicherlich früher entgegensteuern können, zum Beispiel mit einer Zweitmarke.

Jetzt ist auf einmal der Veränderungsdruck da – durch die Klimadiskussion und die gesamten verkehrstechnischen Einschränkungen. Der Wunsch nach einer Energiewende besteht, besonders in Deutschland, und dafür gibt es nun leider nicht die richtigen und in ausreichendem Maße vorhandenen Produkte aus der heimischen Industrie.

Lapp Mobility wurde im vergangenen Jahr gegründet, speziell für Produkte im Bereich Elektromobilität. Warum war dieser Schritt aus Unternehmenssicht nötig?

Als ich hier angefangen habe, habe ich mal unsere Produkte im bestehenden E-Shop von Lapp gesucht. Da gab es ganz klassisch für die Kabelindustrie zwei Preise – mit und ohne Kupfer –, außerdem den Hinweis »Mindestbestellmenge 5 Stück« und wenn es um den Liefertermin ging, kam die Aufforderung, sich an den jeweiligen Vertriebsmitarbeiter zu wenden. Für den B2B-Kunden ist das gut, für den Endkunden, also den Elektroautofahrer, nicht brauchbar und eher abtörnend.

Ein Punkt war also, dass die Kundenansprache verbessert werden sollte. Der zweite Aspekt ist, dass die Automobilindustrie sehr speziell ist. Die Anforderungen an Qualitätsmaßstäbe, an die Logistik sowie an die Kalkulation der Produkte sind sehr hoch. Durch die Trennung von den anderen Verbindungslösungen wollten wir uns auf die spezielle Kundenansprache in der Automobilindustrie fokussieren. Die Margen sind dort ganz anders. Die Trennung war also sinnvoll, um zu sehen, wieviel Geld sich überhaupt in diesem Bereich verdienen lässt.

Und last but not least sind Ladekabel einer ganz anderen Nutzung ausgesetzt als andere Kabel, die oft fest eingebaut sind, beispielsweise im Schaltschrank. Unser Produkt hingegen wird mindestens einmal in der Woche in die Hand genommen, es fällt auf den Boden und es wird darübergefahren. Auch deshalb wollten wir den E-Mobility-Bereich bewusst abtrennen. Um all diesen Herausforderungen zu begegnen und den Bereich Elektromobilität nach vorne zu bringen, setzt Lapp Mobility auf eine junge, dynamische Mannschaft mit einer Mischung aus langjährigen Lapp-Mitarbeitern sowie einer ganzen Reihe erfahrener Mitarbeiter aus der Automobilindustrie.

Sie betonen den Endkundenmarkt, aber Lapp Mobility spricht nicht nur Endkunden an, oder?

Nein, das ist nur ein weiteres Standbein. Die zwei wichtigsten Standbeine der letzten zehn Jahre im E-Mobility-Bereich waren schon immer die Automobilhersteller, für die wir Ladekabel herstellen, und die Infrastrukturbetreiber, für die wir Leitungen für Ladestationen liefern. Für diese haben wir schon in der Vergangenheit gearbeitet und wollen das auch fortsetzen. Mit Endkunden hingegen adressiert Lapp Mobility Personen wie Sie und mich, die zum Beispiel ein zweites Ladekabel brauchen, weil das erste verloren- oder kaputtgegangen ist. Solche Leute wollen wir jetzt direkt ansprechen.

Wie erreichen Sie den Endkunden? Denn das ist ja nicht so einfach. Als »normaler« Autobesitzer weiß ich vielleicht nicht, dass ich bei Lapp mein Produkt finde.

Unsere Produkte sind glücklicherweise mit dem Namen Lapp gekennzeichnet, aber mit unserem Firmennamen können Endkunden trotzdem oft nicht viel anfangen. Also sind wir dabei, über Social Media Aufmerksamkeit zu erzeugen. Wir nehmen an E-Auto-Rallyes teil und machen viel Marketing auf Messen. Doch natürlich sind die Bestrebungen unserer Unternehmensgröße als 10-Millionen-Euro-Unternehmen angepasst. Zurzeit werden wir noch stark von der Lapp-Gruppe bei unseren Bemühungen unterstützt.

Unser angestrebtes Wachstum kann allerdings nicht durch den Webshop allein erzielt werden. Ich sehe den Shop in erster Linie als Möglichkeit, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen und Feedback zu erhalten.

Öffentliche Ladepunkte sind häufig nicht trivial verständlich. Was muss sich da tun und wie wollen Sie als Lapp Mobility das unterstützen?

Aus meiner Sicht ist der Ladevorgang der größte Haken an der Elektromobilität. Das fängt bei der Intransparenz der Tarife an. Viele Kunden verstehen nicht, warum sie für Strom, den sie zu Hause beziehen, weniger bezahlen als bei öffentlichen Ladestationen. Außerdem rechnen sich die Ladesäulen nicht. Um eine lohnenswerte Auslastung zu haben, müssten drei bis vier Autos am Tag an jeder Säule geladen werden. Und das passiert nicht, weil öffentliches Laden unbequem ist und nur im Notfall darauf zurückgegriffen wird. Bei den Kabeln und den Ladestationen gibt es unzählige Anbieter. Darüber hinaus braucht man für alles eine App. Das ist viel zu kompliziert. Laden muss so einfach werden wie herkömmliches Tanken.

Wir bei Lapp Mobility denken darüber nach, wie sich das Kabel intelligenter machen lässt und ob es möglich ist, bestimmte Informationen im Kabel zu hinterlegen. Dass beispielsweise das Kabel weiß, wer sein Besitzer ist. Nach einer einmaligen Registrierung könnte das Kabel dann den Rest selbstständig mit der Station verhandeln: Bezahlung, Ladedauer, Fertigmeldung usw. Über solche Szenarien machen wir uns gerade Gedanken.

Welchen Zeithorizont würden Sie bei dieser Entwicklung sehen?

Realistisch betrachtet möchte ich sagen, die ersten Anwendungen wird man in drei bis fünf Jahren sehen. Die Idee ist meiner Meinung nach sehr bestechend, denn das Kabel ist ja immer dabei im Fahrzeug. Anders als eine App oder Karte. Deshalb gibt es bei uns im Haus viele Gedankenspiele, wie das Kabel intelligenter werden kann.

Am interessantesten sind öffentliche Ladepunkte, wenn man eine weite Strecke am Stück zurücklegen will. Dann wird auch das Schnellladen besonders wichtig. Welches Steigerungspotenzial sehen Sie hier?

Wir als Lapp Mobility beschäftigen uns im Augenblick noch nicht mit dem Thema. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist der Markt überschaubar, sodass nur eine gewisse Anzahl von Ladestationen nötig sein wird. Zum anderen sind heutige Fahrzeuge oft noch gar nicht ausgerüstet für das Schnellladen. Um diese hohen Ladegeschwindigkeiten aufzunehmen, muss ein relativ teurer On-Board Charger eingebaut sein. Darüber hinaus mögen es Batterien eigentlich nicht, wenn sie schnell geladen werden. Insofern halte ich die Diskussion um Schnellladestationen für verfehlt. Es wird zwar Anwendungen geben, wo schnelles Laden wichtig ist. Es wird Schnellladeparks an den Autobahnen geben. Aber die eine isolierte Säule im Industrie- oder Wohngebiet ist nicht der große Markt.

Trotzdem ist es ein Verkaufsargument, wenn auch sehr lange Strecken mit nur kurzen Pausen zurückgelegt werden können. Der Kunde will mit seinem Elektroauto ja vielleicht auch in den Urlaub fahren oder eine längere Geschäftsreise unternehmen.

Das ist alles berechtigt. Doch vielleicht sind dann auch andere Modelle möglich. Mobilitätsanbieter könnten beispielsweise im Rahmen eines Pool- oder Sharing-Modells einen Benziner für die Urlaubsreise zur Verfügung stellen. Es sind auch andere Angebote vorstellbar wie günstige Zugreisen oder CarSharing – neben dem eigenen Elektroauto. Allerdings wird Mobilität künftig wohl nicht mehr ganz so spontan sein wie heute. Da wird ein Umdenken stattfinden müssen. Aber schon heute machen die Jugendlichen ja alles über Apps. Warum also nicht auch das Autofahren?

Was reizt Sie persönlich besonders an der Elektromobilität?

Ich arbeite jetzt seit 25 Jahren in der Automobil­industrie und hätte mir nicht vorstellen können, dass ich nochmal in einem Bereich arbeite, der die Automobilindustrie auf den Kopf stellt. Sowohl die Elek­trifizierung des Antriebs als auch die Digitalisierung tun jedoch genau das. Da kommen neue Ideen und Gedankenmodelle ins Spiel und es macht mir sehr viel Spaß, mich damit zu beschäftigen.

Bei der Elektromobilität geht es nicht darum, den Leuten ihr Spielzeug, also das eigene Verbrennerauto, wegzunehmen. Das ist Quatsch. Man muss offensiv die Vorteile der Elektromobilität angehen. Wenn ich auf unseren Firmenparkplatz schaue, sehe ich viele Verbrenner. Keiner davon verdient Geld. Sie nehmen viel Platz weg. Sie lassen sich nicht trivial von außen ansteuern. Im Grunde genommen sind die heutigen Verbrenner noch Produkte aus der Kutschenzeit.

Wenn man die Elektromobilität weiterdenkt, dann hat man mobile Energiespeicher, die sich sehr viel dynamischer nutzen lassen. Elektrische Fahrzeuge können deutlich einfacher remote gestartet oder gestoppt  werden. Sie lassen sich viel leichter miteinander verbinden und könnten miteinander kommunizieren. Sie können selbsterzeugten Strom weiterverkaufen. In einer solchen Branche mitarbeiten zu dürfen und zu sehen, in welche Richtung die Entwicklung geht und diese mitgestalten zu dürfen, ist toll.

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