Schwerpunkte

Für bessere Luftqualität

62 Prozent der Deutschen würden das Auto stehen lassen

02. November 2020, 07:59 Uhr   |  Irina Hübner

62 Prozent der Deutschen würden das Auto stehen lassen
© Fabian Sommer | dpa

62 Prozent der Bundesbürger sind bereit, das Autofahren zu bestimmten Zeiten einzuschränken, um die Luftqualität in den Städten zu verbessern. Eine deutliche Mehrheit von 87 Prozent ist dafür, die durch den Verkehr verursachten Emissionen durch umweltfreundliche Verkehrslösungen zu verringern.

Das hat die bevölkerungsrepräsentative Umfrage »Kapsch TrafficCom Index 2020« aus dem März dieses Jahres ergeben. Was in der Theorie in der breiten Bevölkerung bereits Konsens war, läuft in der Praxis mit der Corona-Krise allerdings anders als erwartet: Die Fahrgastzahlen im öffentlichen Personennahverkehr sind eingebrochen, und der Umstieg auf E-Autos bleibt noch immer die Ausnahme.
Einen Boom ist jedoch beim sprunghaften Umstieg auf Fahrrad und E-Bike zu erkennen. Mobilitätsexperten raten, diesen Impuls für Veränderung zu nutzen, um mit handfesten Maßnahmen Klimaschutzziele zu erreichen.

»Die Straßenämter vieler Großstädte haben im Zuge der Pandemie schnell gehandelt und für Radfahrer und Fußgänger mehr Platz geschaffen«, sagt Michael Ganser, Vice President Solution Consulting bei Kapsch TrafficCom. »Um die Abstandsregeln sicherzustellen wurden Radfahrstreifen verbreitert oder sogar ganz neue Wege für Zweiräder ausgewiesen – ein echtes Erfolgsmodell. Für die Wintermonate ist allerdings davon auszugehen, dass der Autoverkehr auf den Straßen wieder zunimmt. Außerdem werden aufgrund der Covid-19-Situation viele Menschen öffentliche Verkehrsmittel weiterhin nach Möglichkeit meiden.«

Eine Möglichkeit, die Mobilität der Menschen so zu steuern, dass auch in Jahreszeiten mit ansteigendem Autoverkehr die CO2-Emissionen nicht explodieren, sind digital vernetzte Systeme.

Intelligente Mobilität in Madrid

Wie das geht, zeigt das Beispiel Madrid: Um die Stau- und Schadstoffbelastung zu verringern, hat die spanische Hauptstadt ein intelligentes Mobilitätssystem von Kapsch implementiert. Eine adaptive Lichtsignalsteuerung, die sich automatisch der aktuellen Verkehrssituation anpasst, ist ein wichtiger Baustein dieser Lösung. Allein mit dieser konnte das Stauaufkommen um etwa 20 Prozent und Emissionen um rund 10 Prozent reduziert werden.

Den Schlüssel für eine noch flüssigere und damit ökonomischere Verkehrsführung sieht Kapsch in der Nutzung von anonymisierten Fahrzeugdaten, die mit dem Verkehrsleitnetz verbunden werden. Dazu hat das Unternehmen das bereits bestehende Netzwerk zur Erhebung von Verkehrsdaten in den Straßen Madrids um über 200 permanente Stationen erweitert.

Basierend auf einer umfassenden Erhebung der Mobilitätsdaten von Fußgängern, Radfahrern, Motorradfahrern und Autofahrern erhalten die Madrider Behörden einen exakten Überblick über die aktuelle Verkehrssituation. Diese Messungen werden mit Daten aus zusätzlichen Quellen wie beispielsweise den öffentlichen Verkehrsbetrieben oder der Polizei ergänzt und von der Softwareplattform EcoTrafiX integriert verarbeitet und analysiert. Dadurch kann die Stadtverwaltung unmittelbar auf Unfälle und Verkehrsüberlastungen reagieren. Die Daten ermöglichen es der Stadt zudem, das Verkehrsmanagement und die gesamte urbane Mobilität kontinuierlich zu optimieren. Davon sollen Menschen und Umwelt gleichermaßen profitieren.

Über den »Kapsch TrafficCom Index«

Im Rahmen des »Kapsch TrafficCom Index« wurden mit Unterstützung eines internationalen Marktforschungsinstituts bevölkerungsrepräsentativ insgesamt 9000 Teilnehmer in 9 Ländern zu ihrer aktuellen Verkehrssituation, Straßenstaus und Strategien zur Verbesserung des Verkehrsmanagements befragt.

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