Klimafreundliche Mobilität

40 Prozent weniger Emissionen durch elektrische Leichtfahrzeuge

25. März 2022, 9:05 Uhr | Irina Hübner
Im Auftrag des Interessenverbands für elektrische Leichtfahrzeuge LEVA-EU hat das DLR eine Studie zum Potenzial von LEV durchgeführt.
Elektrische Leichtfahrzeuge stellen eine Chance für einen klimafreundlicheren Verkehr der Zukunft dar.
© DLR

Die Hälfte der in Deutschland aktuell mit Pkw gefahrenen Kilomater könnten auch mit elektrischen Leichtfahrzeugen gefahren werden. Dies würde die Treibhausgasemissionen um mehr als 40 Prozent senken. Das ist das Ergebnis einer DLR-Studie.

Elektrische Leichtfahrzeuge (Light Electric Vehicle, LEV) haben ein großes Potenzial, die Treibhausgas-Emissionen des Verkehrssektors erheblich zu reduzieren und so zum Klimaschutz beizutragen. Die Hälfte der derzeit in Deutschland mit dem Auto gefahrenen Kilometer könnte theoretisch auch mit elektrischen Leichtfahrzeugen zurückgelegt werden.

Dies würde die Treibhaugas-Emissionen im Vergleich zu Fahrten mit konventionell angetriebenen Pkw um mehr als 40 Prozent senken. Pro Jahr wären das rund 57 Millionen Tonnen weniger Emissionen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag des Interessenverbands für elektrische Leichtfahrzeuge LEVA-EU.

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Was sind elektrische Leichtfahrzeuge?

Für ihre Studie haben die Forscher:innen der DLR-Institute für Fahrzeugkonzepte sowie für Verkehrsforschung die ganze Bandbreite an elektrischen Leichtfahrzeugen betrachtet. Diese reicht von E-Scootern, E-Bikes und E-Lastenräder, elektrischen Rollern und Motorrädern bis hin zu drei- und vierrädrigen kleinen Autos der Klasse L5e bis L7e.

Das Safe Light Regional Vehicle des DLR

Rollout des Safe Light Regional Vehicle am 1. Oktober 2020
© DLR
Making-of des SLRV.
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Montage der Verkleidung des SLRV.
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»Ressourcenschonende Fahrzeuge sind ein wichtiger Faktor, um die Klimawirkung des Verkehrssektors zu senken – zusätzlich zu Veränderungen unseres Mobilitätsverhaltens und technologischen Fortschritten«, erläutert Mascha Brost, Leiterin der Studie.

Weniger Emissionen bei Produktion und Fortbewegung

Bei großen und schweren Autos wird ein Großteil der Antriebsenergie benötigt, um das Fahrzeug an sich zu bewegen. Nur ein Bruchteil dient der Fortbewegung der Insassen. Bei LEV ist das Verhältnis wesentlich besser. Aufgrund ihres geringeren Gewichts kann die Batterie kleiner ausgelegt werden. Sie verbrauchen so auch in der Produktion weniger Rohstoffe und verursachen weniger klimaschädliche Emissionen.

Elektrische Microcars als Alternative zum Auto

In Deutschland ist der Verkehrssektor für rund 20 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Diese Emissionen stagnieren auf einem hohen Level oder steigen sogar teilweise weiter. Mehr als 60 Prozent davon entfallen auf den Pkw-Verkehr. Denn das Auto ist in Deutschland noch immer das meistgenutzte Verkehrsmittel. Durchschnittlich sitzen allerdings nur 1,4 Personen darin und die zurückgelegten Strecken sind überschaubar: 80 Prozent sind kürzer als 20 Kilometer. Jeden Tag gibt es in Deutschland fast 30 Millionen Pkw-Fahrten mit weniger als zwei Kilometern und weitere 30 Millionen unter fünf Kilometern.

»Angesichts dieser Zahlen wird deutlich, dass für solch kurze Distanzen nicht unbedingt ein großer Pkw notwendig ist, sondern LEV durchaus eine Alternative darstellen. Sie ermöglichen weiterhin individuelle Mobilität, nur wesentlich nachhaltiger«, beschreibt Laura Gebhardt, die für die Studie Mobilitätsdaten ausgewertet hat. Ein Beispiel aus der Studie: Mit einem elektrischen Microcar, das eine Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h besitzt, könnte theoretisch die Hälfte der mit dem Auto gefahrenen Kilometer zurückgelegt werden.

»Bei der Produktion von Microcars entsteht nur rund ein Drittel der Treibhausgas-Emissionen von einem Mittelklasse-Elektroauto«, sagt Simone Ehrenberger. Sie hat für die Studie die Ökobilanz von LEV untersucht. Ähnlich wie mit einem Auto kann man mit einem LEV flexibel und individuell mobil sein. Daher sind elektrische Leichtfahrzeuge auch ein interessanter Lösungsansatz für Regionen und Zeiträume, in denen öffentliche Verkehrsmittel kaum angeboten werden.

 

Weitere Aktivitäten des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums

 

So steigt die Akeptanz von LEV

Damit das in der Studie aufgezeigte theoretische Potenzial von elektrischen Leichtfahrzeugen realisiert werden kann, sind unterstützende Maßnahmen notwendig – zum Beispiel, um die Akzeptanz dieser Fahrzeuge zu steigern. Auch Anreize für Kauf und Nutzung, regulatorische Maßnahmen, der Aufbau der notwendigen Infrastruktur sowie mehr komfortable und sichere Fahrzeugkonzepte zählen dazu. Diese Aspekte gilt es in weiteren Forschungsarbeiten zu untersuchen. Denn aktuell besetzen LEV nur eine kleine Nische auf dem Fahrzeugmarkt, in der Wissenschaft und auf der politischen Agenda.

Das Safe Light Regional Vehicle

Mit dem Safe Light Regional Vehicle (SLRV) hat das DLR ein neuartiges Kleinfahrzeug entwickelt, das sich durch seine metallische Sandwich-Bauweise sowie den Brennstoffzellen-Batterie-Hybridantrieb auszeichnet. Die Elektronik automotive berichtete darüber.

Emissionsfrei und autonom: Das Interurban Vehicle

Mit dem Interurban Vehicle – kurz IUV – zeigt das DLR, wie Fahrzeuge der Mittel- und Oberklasse in Zukunft aussehen könnten.
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Das IUV ist ein Brennstoffzellen-Plug-in-Hybrid, kombiniert also Brennstoffzelle, Wasserstofftank und Batterie.
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Die Sitzanordnung des IUV lässt sich variabel an den Fahrmodus anpassen: Die beiden Vordersitze sind drehbar. Im autonomen Modus können die Insassen auch mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzen.
© DLR

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Das DLR-Metaprojekt Next Generation Car

Das Safe Light Regional Vehicle ist Teil des DLR-Großprojekts Next Generation Car (NGC), in dessen Rahmen insgesamt 20 DLR-Institute gemeinsam Technologien für Straßenfahrzeuge der übernächsten Generation entwickeln. Neben dem SLRV gibt es zwei weitere Fahrzeugkonzepte, die ebenfalls dem Megatrend der Urbanisierung Rechnung tragen: Das Urban Modular Vehicle (UMV) als modular aufgebautes Stadtauto für private wie kommerzielle Anwender sowie das Interurban Vehicle (IUV), ein zukunftsweisendes Konzept autonome Fahrzeuge der Mittel- und Oberklasse.


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