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Regelwerk für automatisiertes Fahren

TÜV Süd erläutert erste SAE-Level 3 UNECE-Regelung

04. August 2020, 12:00 Uhr   |  Stefanie Eckardt

TÜV Süd erläutert erste SAE-Level 3 UNECE-Regelung
© TÜV Süd

42 Staaten haben sich erstmals auf gemeinsame Anforderungen für die Typgenehmigung einer automatisierten Fahrfunktion (SAE-Level 3) verständigt.

Die UNECE hat eine international gültige Regelung für ein automatisches Spurhaltesystem verabschiedet. 42 Staaten haben sich damit erstmals überhaupt auf gemeinsame Anforderungen für die Typgenehmigung einer automatisierten Fahrfunktion (SAE-Level 3) verständigt.

Das Automated Lane Keeping System (ALKS) stellt sicher, dass der Fahrer zeitweise die Kontrolle vollständig an das Fahrzeug übergibt. Als Grundlage der Regelung der United Nations Economic Commission for Europe (UNECE) für das ALKS wurden gleichzeitig UNECE-Regelungen für Cybersecurity und zur Software-Aktualisierung verabschiedet. Der TÜV Süd unterstützt Fahrzeughersteller und Zulieferer in allen Bereichen automatisierten Fahrens und begleiten von Beginn an den gesamten Prozess der Entwicklung von Fahrzeugen und Komponenten.

Worauf haben sich die Staaten geeinigt? Das UNECE-Regelwerk für ALKS ist auf Pkw mit bis zu acht Sitzplätzen plus Fahrer und auf eine Geschwindigkeit von maximal 60 km/hbegrenzt. In diesem Bereich kontrolliert die automatisierte Fahrfunktion auf autobahnähnlichen Straßen das Fahrzeug in Längs- und Querrichtung und hält es ohne Zutun des Fahrers innerhalb des Fahrstreifens. Solange das System selbstständig fährt, ist es im SAE-Level 3 nicht mehr notwendig, die Hände am Lenkrad zu halten oder die Aufmerksamkeit anderweitig zu beweisen. Ein bedeutender Anteil der Regeln bezieht sich daher auf die Fahrerzustandsüberwachung. Schließlich muss sichergestellt sein, dass der Fahrer in der Lage ist, innerhalb einer definierten Zeitspanne das Steuer zu übernehmen, wenn das ALKS ihn dazu auffordert. Die Mensch-Maschine-Schnittstelle und die Anforderung an das System, den menschlichen Fahrer zu beobachten, sind Kernelemente der neuen Regelung und eine wirkliche Neuerung.

Bei der Umsetzung der neuen UNECE-Richtlinien unterstützt der TÜV Süd Fahrzeughersteller und Zulieferer mit von ihnen entwickelten Dienstleistungen zu den Bereichen funktionale Sicherheit,

Sicherheit der Sollfunktion

(

Safety Of The Intended Functionality

, SOTIF), virtuelle Methoden sowie physikalisches Testen, um die Anforderungen der ALKS-Regelung abzudecken. Neben einer detaillierten und tiefgreifenden Überprüfung der Dokumente hinsichtlich funktionaler Sicherheit und SOTIF werden im Rahmen der Bewertung des ALKS-Systems Voruntersuchungen und Fahrzeugtests ebenso durchgeführt wie umfangreiche dynamische Versuche, bei denen Fahrfunktionen entsprechend der neuen Vorgaben in unterschiedlichsten Situationen real und simulationsgestützt getestet werden. Zudem muss die Validität der eingesetzten Simulationswerkzeuge und mathematischen Modelle demonstriert werden. Damit werden letztendlich die sicheren und vertrauenswürdigen Reaktionen des Fahrzeugs sichergestellt.

Weitere Bausteine für die Betrachtung des ALKS-Systems sind die Bewertung der Konformität mit den beiden weiteren neuen UNECE-Regelungen für Software-Updates und Cybersecurity. Es stehen neben intensiver Überprüfung der Dokumentation und Prozesse – zum Beispiel bei der UNECE-Regelung für Cybersecurity – umfangreiche Bedrohungs- und Risikoanalysen im Zentrum, die auf der Basis von Industriestandards absolviert werden. Das gleiche gilt für Tests zur Effektivität eingesetzter Schutzmechanismen. Das Ergebnis hieraus sind ebenfalls Bewertungsreports, die neben den neuen UNECE-Regelungen die relevanten internationalen ISO-Standards – wie für Cybersecurity die ISO 21434 – erfüllen. Ein Standard, an dessen Entwicklung der TÜV Süd von vornherein beteiligt ist.

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