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LeddarTech: Datensatz PixSet

»Ohne Zusammenarbeit funktioniert es nicht«

21. Mai 2021, 10:17 Uhr   |  Iris Stroh

»Ohne Zusammenarbeit funktioniert es nicht«
© LeddarTech

Pierre Olivier, LeddarTech: »LeddarTech ist und war schon immer dem Fortschritt des autonomen Fahrens verpflichtet. Mit Leddar PixSet unterstützen und fördern wir weitere Fortschritte bei ADAS- und AD-Technologien, indem wir diese Datensätze der wissenschaftlichen und akademischen Gemeinschaft kostenlos zur Verfügung stellen.«

Leddar PixSet von LeddarTech ist der erste öffentlich zugängliche Sensordatensatz, der „Full Wave-form“-Lidar-Daten enthält. Markt&Technik sprach mit Pierre Olivier, CTO von LeddarTech, über die Hintergründe und die damit verbundenen Erwartungen.

Markt&Technik: Die Erstellung des Datensatzes PixSet hat LeddarTech sicherlich einiges an Geld gekostet. Dennoch wird der Datensatz der Forschung und Entwicklung kostenlos zur Verfügung gestellt. Was für eine Idee steckt dahinter?

Pierre Olivier: Stimmt, die Erstellung des Datensatzes war nicht ganz billig, aber wir sind überzeugt, dass sich dieses Investment bezahlt macht. Denn sie ermöglicht eine neue Form der Zusammenarbeit, und Zusammenarbeit ist Teil unserer Firmenphilosophie. Dieser Datensatz zeigt, dass es sich hier nicht nur um ein Statement auf einer PowerPoint-Präsentation handelt, sondern dass wir Zusammenarbeit wirklich ernst meinen.

Was versprechen Sie sich davon?

Mehrere Dinge. Zum einen ist autonomes Fahren eine der komplexesten Aufgaben, die die Automobilindustrie lösen möchte, und ich bin überzeugt, dass das kein Unternehmen allein kann. Aus meiner Sicht haben die bisherigen Versuche von Unternehmen, alles allein zu machen, dazu geführt, dass es immer wieder zu Verzögerungen bei der Einführung der Technologie kam und dass mittlerweile keiner mehr so richtig an neue Ankündigungen glaubt, weil sie sowieso nicht eingehalten werden. In der Summe hat das dazu geführt, dass die öffentliche Meinung gegenüber dem autonomen Fahren misstrauisch geworden ist.

Das müssen wir adressieren und hier endlich Erfolge vorweisen, und der kann nur über eine Zusammenarbeit kommen; wie gesagt, der bisherige Weg, alles allein machen zu wollen, hat nicht funktioniert. Mit unserem frei zugänglichen Datensatz fördern wir die Zusammenarbeit. Wir wollen speziell das akademische Umfeld ermutigen, neue Lösungen und Ansätze zu entwickeln. Die meisten Universitäten könnten es sich gar nicht leisten, solch einen Datensatz selbst zu erstellen, und jetzt steht ihnen mit PixSet solch einer für die Forschung zur Verfügung. Aber auch für kommerzielle Partner ist unser Datensatz von Vorteil, denn damit können sie ihre Möglichkeiten und Technologien bei ihren Kunden einfach demonstrieren.

So oder so: unser PixSet-Datensatz ermöglicht es Entwicklern im Bereich ADAS- und AD-Technologien, fortschrittliche Software zu testen und zu entwickeln und Simulationen durchzuführen, ohne dass sie neue Sensorsuiten zusammenstellen und eigene Datensätze sammeln müssen.

Dazu kommt noch ein dritter Aspekt: wir haben selbst andere akademische und kommerzielle Datensätze wie beispielsweise den Kitti-Datensatz (Karlsruher Institut für Technologie, Toyota Technological Institute at Chicago) für unsere eigenen Entwicklungen benutzt, und jetzt geben wir einen Teil dessen zurück, was wir von der Community erhalten haben, und wollen proaktiv auch anderen helfen.

Das sind aus meiner Sicht die drei Hauptgründe, die uns dazu gebracht haben, PixSet aufzusetzen.

Inwiefern hat sich die öffentliche Meinung gegenüber dem automatisierten Fahren verschlechtert?

Ich spreche nicht von Robotaxis, sondern von Privatfahrzeugen. Hier wurde mit Funktionen wie dem Autopilot beim Verbraucher die Hoffnung geschürt, dass die Technologie ausgereift und bald verfügbar ist. Und dass sie bezahlbar ist. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt, auch heute bewegen wir uns immer noch in einem Bereich zwischen Level 2 und 3 des automatisierten Fahrens. Aber wenn ich meine Augen ständig auf der Straße behalten muss, weil die Technik nicht selbstständig funktioniert, dann ist sie überflüssig, das will der Verbraucher nicht. Denn bei diesen Funktionalitäten geht es ja nicht darum, dass die Leute grundsätzlich nicht mehr fahren wollen, sondern dass sie in bestimmten Situationen gerne etwas anderes machen würden. Sie wollen eine Technologie, die beispielsweise das Fahren im Stau übernimmt oder auf Autobahnen. Und dann wollen sie, dass die Technik das Fahren komplett übernimmt und nicht der Fahrer als ständiger Aufpasser daneben sitzen muss. Ich bin überzeugt: Wenn die Techniken ausgereift und bezahlbar wären, dann würden viele Verbraucher darauf zurückgreifen. Aber das, was heute verfügbar ist, ist nicht ausgereift; heute reden wir von einem Zeithorizont von 2025, vor ein paar Jahren hieß es noch, dass die Techniken bereits heute verfügbar sind. Diese Verzögerungen erhöhen das Misstrauen unter den Verbrauchern, sie glauben nicht mehr daran, dass die Technik funktioniert. Das ist ein Problem, das gelöst werden muss, und dazu braucht es Zusammenarbeit.

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1. »Ohne Zusammenarbeit funktioniert es nicht«
2. Pixset enthält Messdaten von unterschiedlichsten Sensoren
3. Infos zu Leddar PixSet

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