HMS Networks hat im Rahmen seiner »Anybus«-Produktlinie ein neues Angebot angekündigt, das die Grundlage der nächsten Generation industrieller Kommunikationslösungen bilden soll und Hardware, Software sowie Entwicklungstools in einer skalierbaren Architektur kombiniert.
Thierry Bieber, Business Development Manager bei HMS Networks, gibt nähere Informationen.
Markt&Technik: Im Kontext welcher Trends steht das neue Anybus-Angebot aus der Sicht von HMS?
Thierry Bieber: Hersteller industrieller Geräte sehen sich mit steigenden Connectivity- und Sicherheits-Anforderungen konfrontiert. Automatisierungsgeräte müssen sich nahtlos in vernetzte Produktionssysteme integrieren lassen und zugleich neue Cybersecurity-Vorschriften erfüllen sowie kürzere Entwicklungszyklen einhalten.
Wir sehen einige zentrale Entwicklungen, die das Design industrieller Automatisierungsgeräte maßgeblich beeinflussen. So wird umfassende Connectivity zum Standard für industrielle Geräte. Hersteller stehen vor der Aufgabe, wartbare und skalierbare Kommunikationslösungen zu entwickeln, die den unterschiedlichen Anforderungen des gesamten Produktportfolios gerecht werden. Zunehmend gefragt ist dabei IT/OT-Konvergenz, damit Automatisierungsgeräte zur Analyse von Qualität, Effizienz und Prozessleistung Daten mit lokalen IT-Systemen austauschen können.
Ein weiterer Trend ist die Entkopplung von Hardware und Software: Modular aufgebaute Systeme mit Hardware-unabhängiger Software bieten Herstellern mehr Anpassungsfähigkeit bei erforderlichen Hardware-Änderungen. Eine wachsende Rolle spielt ferner Security by Design: Neue Cyberbedrohungen sowie Vorgaben wie der Cyber Resilience Act (CRA) und NIS-2 machen integrierte Sicherheitsarchitekturen zu einem unentbehrlichen Bestandteil moderner Geräteentwicklung. Darüber hinaus gewinnen Nachhaltigkeit und Resilienz an Bedeutung, so dass Gerätehersteller verstärkt auf langlebige, energieeffiziente und leicht wartbare Lösungen setzen.
Was ist das Neue an der neuen Anybus-Produktgeneration?
Das neue Anybus-Angebot zeichnet sich durch eine skalierbare Architektur aus, die ein großes Produktportfolio abdeckt - von einfachen Geräten, die eine zuverlässige, robuste Connectivity benötigen, bis hin zu hochentwickelten High-End-Geräten, die erweiterte Funktionen und Anpassungen erfordern.
Als Grundlage für die neue Generation von Anybus-Produkten wird eine neue Anybus-Technologieplattform dienen. Bei der ersten Version wird es sich um ein kompaktes, vollständiges System-on-Module (SoM) handeln, das für unterschiedliche Funktionsstufen ausgelegt ist, sodass Gerätehersteller den benötigten Leistungs- und Funktionsumfang wählen können. Einfache Geräte, die vor allem eine zuverlässige, robuste Connectivity benötigen, müssen dann nicht einen für sie überdimensionierten und somit teuren Prozessor nutzen. Gleichzeitig lässt sich die Lösung aber auch an hochentwickelte High-End-Geräte anpassen, die erweiterte Funktionen und sonstige Änderungen erfordern.
Dieses skalierbare Konzept ermöglicht es Herstellern, die Kommunikationsfähigkeiten einer gesamten Produktpalette zu optimieren. Regelmäßige Software-Updates werden die Technologieplattform kontinuierlich an neue industrielle Ethernet-Standards, Cybersecurity-Frameworks sowie neue Edge- und KI-basierte Anwendungen anpassen. Eine einheitliche API verringert den Entwicklungs- und Pflegeaufwand für Anwender, die verschiedene Varianten der neuen Anybus-Lösung nutzen. Durch einen Dual-Core-Ansatz können Anwender zudem eigene Host-Applikationen einbinden und somit auf zusätzliche Prozessoren verzichten.
Welche Rolle spielt und welche Aufgaben erfüllt die Entwicklungsumgebung »Anybus-Studio« im neuen Anybus-Angebot?
Das »Anybus-Studio« ermöglicht OEMs eine rasche Integration industrieller Connectivity in ihre Geräte und Systeme. Die Connectivity lässt sich an spezifische Anforderungen anpassen, während die Stabilität einer bewährten Lösung erhalten bleibt. Designs lassen sich produkt- und teamübergreifend wiederverwenden und teilen. Anwender können Protokolle hinzufügen, neue Varianten erstellen oder eine gesamte Produktlinie auf derselben skalierbaren Grundlage erweitern. Geführte Einrichtung und intelligente Validierung ermöglichen ein schnelleres und präziseres Design als bisher.
Regelmäßige Software-Updates werden die Technologieplattform kontinuierlich an neue industrielle Ethernet-Standards, Cybersecurity-Frameworks sowie Edge- und KI-basierte Anwendungen anpassen.
Welche Möglichkeiten eröffnet das Anybus-Studio Anwendern?
Anwender des Anybus-Studio können in einer grafischen Entwicklungsumgebung problemlos definieren, welche Daten und welches Kommunikationsverhalten welches Gerät unterstützen soll. Dazu ist kein tiefes Protokollwissen notwendig. Das Tool führt Anwender Schritt für Schritt durch alle notwendigen Angaben. Die geführte Einrichtung in Kombination mit einer intelligenten Validierung ermöglicht ein schnelleres und präziseres Design der Kommunikationsschnittstelle für die verschiedensten Protokolle. Im Fokus stehen dabei hauptsächlich gängige Industrial-Ethernet-Protokolle, aber eine Erweiterung in Richtung IT/IoT mit OPC UA, MQTT und Cloud-Konnektoren wird folgen. Neue Technologien wie SPE oder TSN werden ebenfalls adressiert.
Das Anybus-Studio ist auch eine Toolbox mit vielfältigen Diensten wie anpassbarer Web-Oberfläche, IT/OT-Kommunikation und zahlreichen anderen Anwendungsfällen, aus denen Anwender auf Basis ihrer individuellen Anforderungen flexibel wählen können. Dabei deckt es den gesamten Entwicklungsprozess ab: von der Definition der Prozessdaten über Festlegen der Funktionen, Test und Validierungsunterstützung bis hin zur automatischen Erstellung der Schnittstellendokumentation. Erstellte Konfigurationen unterstützen ein Versionsmanagement und lassen sich darüber hinaus leicht kopieren, anpassen sowie auf andere Geräte übertragen. Auch das beschleunigt den Rollout des gesamten Produktportfolios. Zudem vereinfacht das Entwicklungstool Updates über den gesamten Lebenszyklus.
Wie drückt sich die von Ihnen erwähnte Entkopplung von Hardware und Software im neuen Anybus-Angebot aus?
Die Lösung setzt auf die bewährten Anybus-Kommunikations-IPs, ist aber von der bisherigen, spezifischen Hardware entkoppelt. Durch die Trennung zwischen Hard- und Software wächst die Zukunftssicherheit, weil Anwender künftig einfacher Hardware-Innovationen integrieren können - sei es, um von Hardware-Neuheiten zu profitieren, auf einen Multiplattform-Ansatz umzusteigen, Lösungen in der Produktlinie zu konsolidieren oder Supply-Chain-Resilienz zu erlangen. Komponentenabkündigungen und Lieferengpässe, mit denen Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit zu kämpfen hatten, führen somit nicht mehr dazu, dass die Ressourcen der Unternehmen in langwierigen Re-Designs gebunden sind. Stattdessen können sich die Unternehmen wieder auf ihre Kernkompetenzen und Neuentwicklungen konzentrieren. Selbstverständlich ist Cybersecurity bereits by Design in die neue Anybus-Embedded-Lösung integriert, denn Vorgaben wie der CRA machen integrierte Sicherheitsarchitekturen zu einem unentbehrlichen Bestandteil moderner Geräteentwicklung.
HMS Networks auf der embedded world 2026: Halle 1, Stand 450