Elektroniknet Logo

Interview mit Andreas Bös

Digitalisierung – jetzt!

Andreas Bös
Andreas Bös ist General Manager von Conrad Connect.
© Conrad Connect

Aufgrund der Pandemie haben digitale Angebote einen Schub erlebt. Auch das IoT rückt zunehmend in den Fokus. Mit seiner Plattform »Conrad Connect« vernetzt der Distributor Kunden und Geräte miteinander. Was die Plattform noch leistet, erklärt Andreas Bös.

Andreas Bös ist General Manager von Conrad Connect. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der IT- und Elektrobranche, im Smart-Home- und IoT-Bereich sowie im Innovationsmanagement. Vor seiner Zeit bei Conrad Connect war Andreas Bös unter anderem Head of New Business & Innovations bei Conrad Electronics. Unter seiner Leitung entstand 2016 das Spin-Off Conrad Connect.

Mit Conrad Connect stellen Sie Ihren Kunden eine umfassende IoT-Plattform bereit. Wie genau funktioniert sie?

Bei uns geht es nicht um das Entwickeln von IoT-Geräten. Wir vernetzen Geräte, Apps und Services miteinander. Conrad Connect verknüpft Daten von unterschiedlichen IoT-Geräten, hilft sie zu analysieren, um anschließend so­­genannte »smarte« Dinge zu tun. Unsere Plattform ist eine Over-the-top-Solution (OTT), die nicht mit der Hardware spricht, sondern mit unterschiedlichen Clouds. Mit einem Low-Code-Ansatz über Ende-zu-Ende-Verknüpfungen verbinden wir Geräte und Systeme unterschiedlicher Hersteller miteinander und beenden somit deren Inseldasein.

Wie funktionieren diese Verknüpfungen?

Jede Verknüpfung bedingt, dass ein Produkt eine eigene Cloud hat. Wir verbinden die verschiedenen Systeme per Cloud-zu-Cloud-Verschlüsselung miteinander. In Europa gibt es sehr große und vielfältige Hardware-Ökosysteme. Conrad Connect hebt diese Ökosysteme eine Stufe nach oben und macht daraus ein übergeordnetes Riesen-Ökosystem.

Wie sieht ein konkretes Beispiel aus?

Nehmen wir eine klassische Alarmanlage. Sie besteht aus diversen Sicherheitsgeräten wie Not- und Gefahren-, Rauch- oder Wassermelder – sie unterscheiden sich von Hersteller zu Hersteller kaum. Aus dem Grund ist die Anwendung, die dahintersteht, umso bedeutender. Wäre der Besitzer des Gebäudes in der Lage, nicht nur die Information der einzelnen Geräte zu sehen, sondern das Verhalten aller Daten miteinander in Verbindung zu setzen, könnte er die Sicherheit des Gebäudes umfassender im Blick behalten. Die Daten können mithilfe von Algorithmen der künstlichen Intelligenz (KI) aufbereitet werden.

Bisher sind die Analyse-Apps sehr umfangreich und nicht jede Hardware hat die benötigten Kapazitäten. Umgekehrt gibt es sehr leistungsstarke Softwareprodukte. Mit Conrad Connect können Kunden Hardware und Software flexibel kombinieren, zum Beispiel Sensoren eines Herstellers mit Anwendungen eines anderen Herstellers. So wird das Gebäude umfassender geschützt.

IoT Services
IoT kommt heute zum Beispiel in den Bereichen Automotive, Versicherungen, Facility und Smart-Home zum Einsatz.
© Conrad Connect

Wie können Kunden Conrad Connect nutzen?

Es gibt zwei Wege: Zum einen unsere Web-Anwendung mit verschiedenen Paketen für Privat- und Geschäftskunden. Nach dem Buchen kann der Kunde sofort Geräte miteinander verknüpfen sowie Monitorings und Alarme einstellen – und das alles in einer Low-Code-App. Das heißt, ein Kunde muss nicht programmieren, sondern lediglich konfigurieren – ganz einfach über einen grafischen Root-Editor.

Des Weiteren lässt sich Conrad Connect als Plattform-as-a-Service (PaaS) nutzen. Hierbei integrieren wir die Leistungen unserer Plattform in andere Anwendungen. Zum Beispiel für Firmen, die ihren Kunden Dienste bereitstellen wollen. Beim norwegischen Energieversorger Fjordkraft verknüpfen wir die Tarife mehrerer Stromanbieter mit den Angeboten von Fjordkraft – dessen Kunden profitieren so von flexiblen Ladetarifen für Elektroautos. Als Front-End fungiert deren App, im Back-End verknüpfen wir die IoT-Produkte.

Können Sie das PaaS-Modell genauer erläutern?

Ja, anhand eines Beispiels einer Versicherung. Im Ver­sicherungsbereich bewegt sich gerade sehr viel. Ein sehr beliebtes, IoT-basiertes Produkt, ist der sogenannte Telematiktarif. Eine Hardware im Auto, meist ein On-Board-Diagnose (OBD2)-Konnektor, analysiert das Fahrverhalten eines Kunden und übermittelt es an die Versicherung. Je nachdem wie der Kunde fährt, also eher defensiv und sicher, oder offensiv und unsicher, ist die Versicherung bereit, ihm Vorteile zu bieten oder nicht.

Ein anderer Weg sind nutzerabhängige Tarife. Weiß die Versicherung, ob der Kunde gerade mit dem Motorrad unterwegs ist, braucht er in dem Moment ein anderes Paket, als wenn das Motorrad in der Garage steht. So kann die Versicherung flexible Tarife anbieten.


  1. Digitalisierung – jetzt!
  2. »Es gibt keine Alternative zur Digitalisierung«

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Conrad Electronic SE